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2019 – Der Folk-Metal-Rückblick [Part 3]

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Willkommen bei Part 3 des Folk-Metal-Rückblicks 2019!

Heute mit der Kategorie „nicht so wirklich Folk Metal“!

ATLAS PAIN – „Tales Of A Pathfinder“

Die erste nicht-so-wirklich-Folk-Metal-Band sind ATLAS PAIN, eine junge Band aus Italien. Vielleicht ein Fall für die Kategorie „Post-Folk-Epic-Pagan-Melodeath“ – soll heißen, dass generelles Folk-Metal-Feeling zwar da ist und die Musik auch hörbar an deren Vertreter angelehnt ist, aber die Bezeichnung insofern fehl am Platz wäre, dass keine wirklichen Folk-Instrumente auf dem Album zu hören sind. Oder so. Ihr werdet verstehen, was ich meine, wenn ihr es euch anhört. Bestimmt.

ATLAS PAIN tischen mit „Tales Of A Pathfinder“ ein üppiges Menu an Bombast und positivem Fantasy-Drive auf. Keyboarddominierte Musik mit Power-Metal-Influenzen, stets erbaulich und mehr nett als böse (irgendwie kam mir soeben der Begriff „Phantasialand-Metal“ in den Kopf). Texte und Ästhetik der Band lehnen dabei an eine Steampunk-Adventure-Thematik à la JULES VERNE an – verbunden damit ist natürlich ein ausgeprägter Storytelling-Aspekt.

Das Album ist für jemanden, der sich harten, knackigen Death Metal zu seinen Folk-Melodien wünscht, zwar nicht geeignet, Freunde von Steampunk-Fantasy-Abenteurer-Romantik und der generell positiv geladeneren Seite der Metallmusik sollten mit „Tales OF A Pathfinder“ allerdings ihren Spaß haben.

TÝR – „Hel“

Bereits zu Beginn des Albums die erste Überraschung! Der erste Track bricht erstmal mit Growls und aggressivem Riffing das Eis – etwas, das es bei dieser Band so bisher noch nicht gegeben hat. Aber auch auf “Hel” bleibt dies die Ausnahme: Es dominieren hauptsächlich typische TÝR-Melodien und -harmonien  in ähnlichem Uptempo-Gewand wie bei den vorigen paar Alben. Auch der gewohnt proggige Song- und Taktaufbau der Band findet sich auf „Hel“ wieder. Power-Metal-Positivität und so manche akustische Ohrschmeichelei sind auch wie gehabt vorhanden – es handelt sich also doch um ein typisches TÝR-Album…

Oder? Gerade in der Rhythmusfraktion (Drums, Bass, Rhythmusgitarre) gibt es ein spürbares Upgrade zu früher. Hier sind unterschiedlichste Influenzen mit eingeflossen und sorgen für Abwechslung und Energie auch auf nicht-melodischer Ebene. Und, ehm, waren die Gitarrensoli eigentlich immer schon so krass? Die Färöer wurschteln sich durch unterschiedlichste Musikstile, jedoch immer mit dem Hauptfokus auf typischen TÝR-Stilmitteln.

Wer die Band (vor allem die Vocals und die markante Art und Weise, Melodien zu basteln) bisher nicht mochte, wird auch trotz der vielseitigen Einflüsse auf diesem Album seine Meinung wohl kaum ändern. Dennoch: „Hel“ ist ein stabiles Album, und der musikalischen Weiterentwicklung und Experimentierfreudigkeit der Band gebührt Respekt!

RUMAHOY – „Time II: Party“

Pirate Metal: Entweder die beste oder die unnötigste Metal-Sparte, je nachdem, wen man fragt. Der Album-Name (ein sarkastischer Kommentar zu WINTERSUNs ewig angekündeter, aber scheinbar nie erscheinender zweiten Hälfte des „Time“-Albums, falls das noch jemandem nicht klar war) und das Cover deuten schon seicht darauf hin, dass es sich hier nicht um allzu ernste Musik handelt.

Und der Schein trügt nicht! RUMAHOY sind halt ALESTORM in doof(er). Die Texte beinhalten neben ganz, ganz viel extra stumpf-klischeehaftem Piratenjargon auch Dinge wie Fäkalhumor oder Internet-Memes (auch mal mit Gastauftritt vom ALESTORM-Sänger). Dazu fallen die Growls, wie sie auf dem ersten Album noch zum Teil zu finden waren, ganz weg, um mehr Platz für die dümmlichen Vocals von CAPTAIN YARRFACE zu machen. Das Ganze zu lustigen Piratenmelodien und Tavernenhumppa.

Dennoch überrascht die Platte vor allem musikalisch: Kompetentes Songwriting, solide Soli, diverse unterschiedliche Feelings – begraben unter einem Haufen wirren Buchstabensalats liegt eine Truhe voller amtlicher Pirate-Metal-Songs. Der Trash-Faktor zieht sich zwar textlich durch das ganze Album, von der Musik kann man das jedoch nicht behaupten! Klar – wer sich etwas anderes als Schwachsinn erhofft, wird mit Sicherheit enttäuscht. RUMAHOY tun ja auch keine Sekunde lang so, als wäre das anders – reiten dabei aber auf Wellen musikalischer Qualität.

Nach langem Überlegen komme ich zum Schluss: Obwohl „Time II: Party“ von vorn bis hinten schamlos unerwachsener Quatsch ist, ist es… irgendwie kein schlechtes Album? Man hat hier ein Konzept genommen – eine Parodie eines an sich schon parodistischen Genres zu schaffen – und es, jetzt schon zum zweiten Mal, knallhart durchgezogen. Nur dieses Mal mit noch mehr musikalischer Raffinesse.

Ich hoffe, dieser verspätete Artikel konnte einige von euch dazu animieren, sich nochmal mit vergessenen Schätzen letzten Jahres auseinanderzusetzen. Denn was eignet sich besser für musikalische Fortbildung, als ein paar Tage Wochen Monate der Quarantänezeit?

 

 


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