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Big in Japan – FEAR, AND LOATHING IN LAS VEGAS live

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Während ich im vergangenen Jahr meine Reise durch den idyllischen Norden Japans geplant habe, kündigte die japanische Band FEAR, AND LOATHING IN LAS VEGAS ihre “New Sunrise Release Tour 2017-2018” an und ich wusste sofort: Konzerte in Japan? Alles klar, ich bin dabei!

Hinter dem Namen FEAR, AND LOATHING IN LAS VEGAS (FaLiLV) stehen Sänger So, Screamer Minami, die Gitarristen Sxun und Taiki, Bassist Kei und Drummer Tomonori. Mit ihrer eingängigen Mischung aus Post-Hardcore, Metalcore, Trancecore und Screamo bereichern die sechs Jungs aus Kobe die japanische Musikwelt bereits seit 2008 und konnten mit ihren vorherigen Alben „All That We Have Now“ (2012) und „Feeling of Unity“ (2015) einige massive Erfolge in ihrer Heimat verbuchen. Die Mischung aus tanzbaren Trancebeats gepaart mit hartem Metalsound, stete Wechsel von cleanem Gesang und Screams, überwiegend in englischer Sprache, kommt nicht nur in Japan gut an. Die internationale Fangemeinde der Band wächst stetig. Persönlich bin ich dem energiegeladenen Sound des Sextetts schon vor einigen Jahren verfallen, daher ist die Tour anlässlich der Veröffentlichung ihres fünften Albums „New Sunrise“ (2017) ein absoluter Pflichttermin auf meiner Reise gewesen.

FEAR, AND LOATHING IN LAS VEGAS

Die Vorbereitungen

Zunächst musste aber eine Hürde überwunden werden: der Ticketkauf. Dieser gestaltet sich aus dem Ausland nämlich nicht so einfach und hat die Hilfe einer speziellen Ticketagentur involviert. Das Glück ist mir allerdings hold gewesen und ich habe – dem Lotteriesystem dort sei Dank – sogar Karten für vier Shows der ausverkauften Tour ergattern können. Und so viel vorweg: Es ist die Mühe mehr als wert gewesen.

Egal auf welcher der vier Shows, der Merchandise-Verkauf hat bereits zwei Stunden vor dem eigentlichen Einlass begonnen. Das bedeutete immer eine längere Schlange aus in FaLiLV-Merch gehüllte Fans, die geduldig vor den kleinen Clubs gewartet hat. Tatsächlich ist sich nicht nur für neue Klamotten angestellt worden, sondern auch für einen kleinen Plausch mit Sänger So und einem der beiden Gitarristen, Taiki und Sxun. Vor und nach jeder Show haben sich die Jungs Zeit genommen, um mit ihren Fans zu reden und Autogramme zu geben. Die Chance, mal persönlich „konnichiwa“ zu sagen, habe ich mir natürlich nicht nehmen lassen. Eine willkommene und erfreuliche Abwechslung, wenn man bedenkt, dass solche Begegnungen hierzulande häufig nur noch durch VIP-Tickets möglich sind. Glücklicherweise war das Problem der Sprachbarriere nicht so groß, wie anfangs befürchtet – auch bei Gesprächen mit den hiesigen Fans nicht. Obwohl wir uns am Ende mitunter nur mit Hilfe von Übersetzungs-Apps verständigt haben, ist es definitiv eine einmalige Erfahrung gewesen, die mir wieder einmal bewiesen hat, dass Musik alle Grenzen überwindet und Menschen auf der ganzen Welt verbindet.

Auch in Aomori vergeht die Wartezeit wie im Flug. Pünktlich um 17:15 Uhr öffnen sich die Türen des Clubs und die Fans strömen in die ausverkaufte Location. Während im Vorraum noch Merchandise der Support-Band CRYSTAL LAKE verkauft wird, werden sich im Konzertsaal bereits die besten Plätze gesichert – denn der für circa 350 Leute ausgelegte Club hat sich schnell bis zur Tür gefüllt. Ich habe zu diesem Zeitpunkt bereits von zwei anderen Konzerten gelernt, dass die Moshpits hier ziemlich heftig werden können und ergattere mir, angesichts dieser Tatsache, sicherheitshalber einen etwas unauffälligeren Platz.

CRYSTAL LAKE 

Als das Metalcore-Gespann CRYSTAL LAKE dann um Punkt 18:00 Uhr die Bühne betritt, ist eins sofort klar: in der nächsten halben Stunde wird es ziemlich heiß hergehen. Bereits beim ersten Song “Omega” walzen Crowdsurfer buchstäblich in Richtung Bühne. Vocalist Ryo heizt die Stimmung mit seiner mitreißenden Art und englischen Zwischenrufen immer weiter an. Es folgen die Songs „Matrix“, „Mercury“ und „Machina“. Stagediving und Moshpits stehen jetzt an der Tagesordnung. Vor allem „Mercury“ bringt die Stimmung weiter zum aufwallen. CRYSTAL LAKES-Hit „Apollo“ tut der Stimmung natürlich auch keinen Abbruch und der „Abriss“ wird fortgesetzt. Tatsächlich verliere ich angesichts der vielen Crowdsurfer mittlerweile ein wenig den Überblick und weiß nicht, wo ich überhaupt hingucken soll. Den absoluten Höhepunkt der Show stellt der siebte und letzte Song „The Fire Inside“ dar, bei dem Ryo selbst noch einmal ins Publikum springt und sich einmal quer durch den Club tragen lässt. Das nenne ich Interaktion und beeindruckt mich schwer, wie auch der Rest des leider sehr kurzen Auftritts. Ich habe selten eine derart intensive, energiegeladene Stimmung bei einem Support-Act erlebt. Die komplett von Schweiß durchnässten Jungs, die nach dem Auftritt an mir vorbeigelaufen sind, verstärken diesen Eindruck noch mehr.

Es folgen die üblichen zwanzig bis dreißig Minuten Umbau, die eher als kurze Verschnaufpause für das Publikum dienen. Oder als Ruhe vor dem Sturm – denn als FEAR, AND LOATHING IN LAS VEGAS die Bühne stürmen, gibt es kein Halten mehr.

FEAR, AND LOATHING IN LAS VEGAS

Mit dem Opener „Return to Zero“, welcher auch der erste Song des neuen Albums ist, wird die Show eröffnet. Somit knüpfen FaLiLV nahtlos an die rege Perfomance CRYSTAL LAKEs an. Die an den japanischen Tanzstil „Parapara“ erinnende Tanzeinlage der Sänger So und Minami ist immer ein besonderes Highlight direkt zu Beginn des Auftritts. Das heißt, die beiden tanzen synchron eine Choreographie, die von wilden Armbewegungen dominiert wird und zwischendurch sogar in eine Art Kniebeuge übergeht. Das Publikum hat bereits jetzt sichtlich Spaß und geht komplett mit der wilden Stimmung auf der Bühne mit. Auch der nächste Song, „Before I Fail“ setzt die eben heraufbeschworene Partystimmung fort. Wieder wälzen Crowdsurfer wild durcheinander in Richtung Bühne. Die beiden Vocalisten werden nicht müde, rennen und springen, wechseln zwischen dynamischen Tänzen und energischem Headbangen. Und das trotz des begrenzten Platzes.  Auch während „Power of Life and Death“ animieren die Jungs die Crowd immer weiter. Nirgendwo herrscht auch nur eine Sekunde stillstand. Nach den ersten drei Songs ist es Zeit für den ersten MC, also einer Unterhaltung mit dem Publikum, die für mich auf Grund mangelnder Japanischkenntnisse weitestgehend unverständlich ist. Den Reaktionen und den Gesängen nach zu Urteilen muss es aber sehr amüsant sein.

Interaktion mit den Fans wird nicht nur vor und nach, sondern auch während des Auftritts definitiv groß geschrieben. Diese genießen die Show offensichtlich in vollen Zügen und beobachten das Geschehen stets mit eigenen Augen und nicht durch die Linse einer Handykamera. Möglicherweise hängt dies aber auch mit dem strengen Kameraverbot auf japanischen Konzerten zusammen, weshalb auch diese Review leider ohne Livebilder auskommen muss. Der nächste Song auf der Setlist ist der FaLiLV-Klassiker „Rave-Up Tonight“, der von einer kurzen, aber charakteristischen Tanzeinlage von So und Minami eröffnet wird. Stichwort Interaktion: vor allem Minami taucht während einiger Songs immer mal wieder in die Menge, sichtlich zur Freude der Fans. Auch während der nächsten Songs „Set Your Goal“, dem minimal ruhigeren und meinem persönlichen Highlight „LLLD“ und „To Catch The Right Way“  ist es offensichtlich, dass die Jungs lieben was sie tun. Mit ihrer mehr als kraftvollen Performance übertragen sie das auch problemlos auf ihr Publikum – Stillstand gibt es nicht. Selbst in den hinteren Ecken des Clubs sehe ich einige Mädels tanzen und springen. „SHINE“  verwandelt das Publikum im Handumdrehen in einen Chor. Kein Wunder, bei den eingängigen und positiven Lyrics möchte man einfach nur laut mitgröhlen.

Mit „Shake Your Body“ folgt ein weiterer älterer Song von der EP „Nextreme“ (2011). Dem Titel folgend fühle ich mich plötzlich wie auf einer riesigen, mitreißenden Tanzfläche. Nur mit Moshpits. Und Crowdsurfern. Neben So und Minami rennen und springen auch Kei, Sxun und Taiki während der Songs munter über die Bühne. Auch Tomonori erhebt sich zwischendurch hinter seinen Drums, wirbelt die Sticks wild zwischen den Fingern herum, motiviert die Crowd weiter zu feiern. Die Performance von „Fight Against The Limit“ ist ein weiteres Highlights des Sets, denn es ist Zeit für Minamis Keytar-Solo.  Zwischendurch wundere ich mich, wohin Sänger So verschwunden ist – der lässt sich derweil munter auf den Händen des Publikums tragen, ist aber pünktlich zum nächsten Song „Party Boys“ zurück auf der Bühne. Es entsteht ein regelrechtes Meer aus Armen, welches dem Rhythmus des Songs folgend nach rechts und links tobt. Die Mischung aus verschiedenen Stilen macht „Party Boys“, wie jeden FaLiLV-Song, zu einer Art unvorhersehbaren, einzigartigen Reizüberflutung, in der man auf positive Art und Weise komplett verloren gehen kann. Der letzte Song des rund sechzigminütigen Sets ist „The Sun Also Rises“. Natürlich geben sowohl Band als auch Publikum wieder alles und treiben die Stimmung auf ihren absoluten Höhepunkt. Der Song bildet einen runden Abschluss des Abends und lässt mich mit einem breiten Lächeln auf den Lippen zurück. Wow. Eine einzige Party vom ersten bis zum letzten Song. Auch nach der vierten Live-Show bin ich wieder schwer beeindruckt und absolut fasziniert von der Energie und mitreißenden Stimmung, die von FaLiLV ausgestrahlt wird. Die  erschöpften, verschwitzten aber strahlenden Gesichter, die den Club verlassen, sprechen Bände. 

Fazit 

Die facettenreiche Musik der sechs Japaner schafft es auch nach mehrmaligem Hören noch zu überraschen, wird nie langweilig und erfreut mich und viele andere immer wieder aufs Neue. Auch Live überzeugen die Jungs auf ganzer Linie: unheimlich guter Sound und absolute Bombenstimmung. Jede einzelne der vier Shows war definitiv einzigartig. Ausgezeichnet durch die unheimlich dichte, energievolle Atmosphäre und all die Interaktionen zwischen Band und Publikum, werden mir diese vier Shows wirklich lange und sehr positiv in Erinnerung bleiben. Es bleibt zu hoffen, dass es FEAR, AND LOATHING IN LAS VEGAS bald nach Europa verschlägt.

 

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Pic mit freundlicher Genehmigung von FEAR, AND LOATHING IN LAS VEGAS. Titelpic by Saskia Szmerek


Dies ist ein Beitrag von Gastautorin: Saskia


 


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1 Kommentar

  1. Daniel
    7. April 2018 bei 2:27 — Antworten

    Crystal Lake sind für mich der Exportschlager aus Japan in Sachen Core! In meiner Playlist nicht mehr wegzudenken. Toller Bericht! 👍🏻

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