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WIZO und NORMAHL brachten das Licht nach Würzburg

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WIZO und NORMAHL sind zwei Bands, die mich vor allem in meiner Jugend und meinem jungen Erwachsenenleben begleitet haben. Zu Schulzeiten waren es WIZO, die mir das Eingangstor in den deutschsprachigen Punk Rock gezeigt haben. Und später, als ich für eine kurze Zeit im Rems-Murr-Kreis gelebt habe, waren NORMAHL allgegenwärtig. Doch obwohl ich beide Bands vor allem in dieser Zeit viel gehört habe, habe ich sie bisher noch nie live gesehen. Nun, Jahre später, durfte ich mit Kamera und Pressepass in der Hand dieses Versäumnis nachholen.

Zu ihrem vierzigjährigen Bandjubiläum veranstaltete die Sindelfinger Band ihre „WIZO BRINGT DAS LICHT“-Tour; die größte und längste Tournee in der bisherigen Bandgeschichte. Streng genommen gibt es im vierzigjährigen Bestehen eine kleine Lücke zwischen 2005 und 2009, aber das sollte nicht die Feierstimmung vermiesen. Ganz im Gegenteil: die Würzburger Posthalle war rappelvoll mit Fans aus allen Altersklassen. Im Schnitt habe ich mich mit Ende 30 eher zur jüngeren Kategorie gewähnt. Es waren aber auch Besucherinnen zugegen, die bestimmt schon die 70 überschritten haben, und die jüngsten Fans waren im Grundschulalter.

Fröhliche Stimmung und gute Laune waren allgegenwärtig, als die Lichter und die Musik ausgingen. Zur allgemeinen Überraschung traten aber nicht NORMAHL auf die Bühne, sondern WIZO. Das Trio begrüßte das Publikum, bedankte sich bei allen Anwesenden und kam mit der ersten Ankündigung. Es hab nämlich gleich noch einen weiteren Anlass zum Feiern: es war der 66. Geburtstag von NORMAHL Gitarrist Mick Scheuerle. Das Publikum sang das verdiente Ständchen, während die Winnender Deutschpunk-Urgesteine auf die Bühne kamen und mit ihrer Show begannen.

NORMAHL

Mit dem Lied „Am Tage X“ starteten NORMAHL in ihr Set und widmeten somit direkt den ersten Teil des Konzerts der gegenwärtigen weltpolitischen Lage. In den Ansagen von Lars Besa ging es um das globale Erstarken der neuen Rechten, die Wiederaufnahme der Wehrpflicht, oder auch um die Rolle der BRD als Rüstungsexporteurin. Die passenden Lieder dazu waren „Deutsche Waffen“, „Keine Überdosis Deutschland“, und „Fahneneid“. Doch natürlich durften auch feier- und trinklustige Klassiker wie „Fraggles“ nicht fehlen, und zum Abschluss der etwa 45-minütigen Darbietung grölte das Publikum zusammen mit der Band den Refrain des Songs „Punk Ist Keine Religion“. NORMAHL haben solide, unterhaltsam, und gekonnt genau das abgeliefert, was das Publikum erwartet und gewollt hat. Eine Dreiviertelstunde lang wurde hier mit Deutschpunk Klassikern bestes Entertainment geboten. Der einzig bittere Nachgeschmack ist hier, wie sehr die Aktualität einiger der alten Stücke wieder an Gewicht gewonnen hat.

WIZO

Und dann brachten WIZO das Licht; sprichwörtlich. Alle drei Bandmitglieder trugen während der ersten Lieder gigantische Lampen als Rucksäcke mit sich. Auch musikalisch ging es direkt stark los: als Opener brachte der Song „Raum Der Zeit“ die Halle zum Toben. Auch beim Dreiergespann aus Sindelfingen ging es klar politisch zur Sache: der Titel „Scheiß AfD“ sorgte im Publikum für Bewegung und Einigkeit. Mein persönlicher musikalischer Höhepunkt der Show war das Lied „Kein Gerede“, welches einmal in altbekannter und flotter Manier, danach aber auch nochmal in einer alternativen Version zum Besten gegeben wurde. Souverän und selbstbewusst brachten WIZO die gute Laune in der Posthalle immer wieder zum Überkochen. Zwischen den Liedern war die Band auf der Bühne redselig, sorgte mit ihren Ansagen für Unterhaltung, und wirkte dabei vor allem bodenständig. Alles wirkte sehr spontan, kein bisschen abgehoben und einfach sympathisch. Die ursprünglich (scherzhaft) angekündigten vier Stunden brachten WIZO nicht ganz auf die Bühne, aber für fast die Hälfte dieser Zeit sorgten sie für eine gewaltige Punk Rock Party in der Posthalle. Als Abschiedssong spielten sie noch ihre Ballade „Die Letzte Sau“, und ich habe noch den kompletten Weg von der Garderobe bis zum Ausgang Leute gehört, die den Refrain immer wieder wiederholt haben.

Es war ein nostalgischer Abend für mich, und hoffentlich ein wunderschöner Abend für alle Anwesenden. Auch wenn ich persönlich beide Bands etwas aus den Augen verloren habe, war es doch eine wirklich schöne Darbietung. Gerade in Zeiten der Unsicherheit, der politischen Kälte und der drohenden Dunkelheit war es sehr willkommen, dass NORMAHL und WIZO das Licht gebracht haben. In diesem Sinne noch einmal vielen Dank an alle Beteiligten, die für den Erfolg dieser Show gesorgt haben.


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