Gegen den Zahn der Zeit: KALAMATA
KALAMATA – „Zenosyne“
Veröffentlichungsdatum: 26. Juni 2026
Länge: 41:08 Minuten
Labels: Copper Feast Records / Made of Stone Recordings
Genre: Psychedelic Stoner Rock
Es war einmal eine Olivendose. Sie stand in einem Proberaum im niedersächsischen Hildesheim, und ihre Aufschrift verriet ihre Herkunft: Καλαμάτα, oder in lateinischer Umschrift: Kalamata. Dieser Legende nach soll die Namensgebung des Trios erfolgt sein, welches nun sein drittes Album veröffentlicht. Dreizehn Jahre nach Bandgründung, neun Jahre nach Veröffentlichung des bisher letzten Albums steigen KALAMATA wie Phoenix aus der Asche. Vieles ist geschehen, seit die ersten zwei Langspieler „You“ (2014) und „Disruption“ (2017) erschienen sind. Innerhalb und außerhalb der Welt von KALAMATA haben Krisen, Rückschläge und Veränderungen ihre Spuren hinterlassen. Und nun steht die Band hier: in neuer Formation, vom Sturme gezeichnet, stärker denn je zuvor.
Neue Haut
Die Entwicklungsstufe ihres künstlerischen Schaffens, die KALAMATA hier präsentieren, mag an eine Schlange erinnern, welche soeben ihre alte Haut abgestreift hat. KALAMATA sind gewachsen, sie sind weiser, größer, stärker und selbstbewusster als zuvor. Und doch ist klar erkennbar, dass es sich noch immer um die gleiche Band handelt, die anno 2013 in Hildesheim begann psychedelische Musik zu komponieren. So sind sich KALAMATA beispielsweise in der Linie treu geblieben, dass die Tracklists ihrer Alben vollständige Sätze ergeben. Das Debutalbum „You“ bestand aus den sieben Titeln „You“, „Have“, „To“, „Die“, „Soon“, „Mother“, und „Fucker„. Und „Disruption“ setze sich zusammen aus „My“, „Erection“, „Shows“, „Me“, „The“, und „Direction“.
Andererseits beweist das dritte Album sowohl in der gesamten Thematik als auch in der Phrase, die sich aus den Titeln lesen lässt, dass KALAMATA nicht nur älter sondern auch weiser und reifer geworden sind. Es handelt sich bei „Zenosyne“ nämlich um das Gefühl, die Zeit verginge schneller je älter man wird. Dieser Begriff wurde einst von John Koenig in dessen „Dictionary of Obscure Sorrows“ (2021) geprägt. Und liest man auf Schallplatte, CD oder Streaming-Portal von oben nach unten, so ergeben die fünf Tracks den Satz „There“, „Is“, „No“, „Coming“, „Back“.

Hypnose und Wiederkehr
Auch wenn „Zenosyne“ keinem starren Konzept folgt, lässt sich die Thematik von Alter, Entiwcklung, Reife, Weisheit, und Geschwindigkeit doch erkennen. Spätestens wenn man sich einmal in diesen hermeneutischen Zirkel hineingewagt hat, wird diese Spirale der Schlussfolgerung schnell zum wilden Karrussel.
Dazu passt auch das Cover Artwork von Flora Karger, welches an die Legende der Hildesheimer Jungfrau angelehnt ist. Orientierungslos und ziellos soll jene Frau einst nach dem Tod ihres Ehegatten durch die Wälder gestreift sein, bis die Glocke des Kehrwiederturmes sie aus ihrer Trance befreite und zurück in die Sicherheit der Stadt lotste. Wie auch die wandelnde Wahrnehmung über Zeit, die aus dem Titel abgeleitet ist, lässt sich auf „Zenosyne“ auch diese Ambivalenz zwischen Trance, Verloren-Sein, und Wiederkehr in die musikalische Umsetzung hineininterpretieren.
Die Kraft der Entschleunigung
Doch „Zenosyne“ ist nicht einfach eine Beschreibung einer Situation. KALAMATA vertonen nicht plump die rasante Beschleunigung des digitalen Zeitalters oder die ziellose Wanderung zwischen Verlust und Schmerz. Vielmehr sind die fünf instrumentalen Tracks eine gelungene Umsetzung dessen, was wir alle so nötig haben: ein Anker.
KALAMATA setzen auf Entschleunigung und erbauen einen sicheren Hafen inmitten der unruhigen See, die unsere Gegenwart beschreibt. Erholsam und atmosphärisch schmiegt sich Psychedelic Rock an ein solides Konstrukt aus Stoner Rock. Als verbindendes Element schwingen Post Rock Einflüsse in beide Richtungen und verbinden verträumte Bilder mit selbstbewusster Bodenständigkeit. KALAMATA haben ihr stärkstes Album ihrer bisherigen Bandgeschichte veröffentlicht, denn „Zenosyne“ spendet Mut, Kraft und Geborgenheit. Mein größter Kritikpunkt ist, dass mir viele der musikalischen Motive als Hörer von Bands wie TUBER, MY SLEEPING KARMA oder NAZCA SPACE FOX doch schon sehr bekannt vorkommen. Nichtdestotrotz bereitet „Zenosyne“ beim Hören wirklich viel Freude.
Das Pressematerial wurde uns mit freundlicher Unterstützung von Creative Eclipse PR zur Verfügung gestellt.
Autorenbewertung
Vorteile
+ abwechslungsreiche Motive
+ schönes Wechselspiel aus Atmosphäre, Trance, und Schwere
Nachteile
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