Beyond the Black und Setyoursails – Ein Konzert unter schlechten Vorzeichen
Das BEYOND THE BLACK-Konzert stand für Hamburg nicht gerade unter einem guten Stern. Erst mussten sie krankheitsbedingt ihr Konzert verschieben, dann in eine kleinere Location gehen und eine Woche vor dem Konzert hat Drummer Kai sich vorerst aus persönlichen Gründen vom Touring zurückgezogen. Ersatz fand man dann in Sebastian Lanser von OBSIDIOUS. Doch ist das Konzert damit gerettet?
Bad Company?
Mit ein paar Minuten Verspätung beginnt vom Band die Melodie der Kinderserie Sendung mit der Maus. Dann auf einmal Hardstyle. Am Ende ertönt eine Stimme und sagt: „Das war Trancecore.“
Dann betreten die Musiker von SETYØURSAILS auch schon die Bühne und man sieht ihnen direkt an, dass sie Bock haben!
Die Bandmitglieder springen und rennen über die Bühne, allen voran Jules Mitch.
Sie sucht direkt im ersten Track „Bad Blood“ die Aufmerksamkeit des Publikums, indem sie zum Beispiel fragt: „Habt ihr Bock auf einen Breakdown?“ Und ja, darauf folgt ein richtig krasser tiefer Breakdown, der tief in den Magen boxt!
Auffällig ist auch der Gegensatz ihres Sprachgebrauchs, denn den zweiten Song des Abends „Nightfall“, kündigt sie mit den folgenden Worten an: „Ihr Süßmäuse, ich will eure scheiß Genicke brechen sehen!“

Dieser direkte Umgang mit der Menge beschert der Band auch direkt Applaus, Jubel und eine geile Stimmung! Es fühlt sich zu keinem Zeitpunkt an, als wäre hier eine Vorband auf der Bühne. Und so zieht es sich durch die nächsten neun Songs! Hier haben BEYOND THE BLACK wirklich ein gutes Händchen bei der Auswahl ihres Supports bewiesen! Denn während die Band um Jennifer Haben eher im Symphonic Metal oder auch Stadium Rock verortet wird, präsentieren SETYØURSAILS feinsten Metalcore. Und trotz dieses Unterschieds ist das Publikum begeistert. Darauf geht Sängerin Jules ebenfalls ein: „Uns ist bewusst, dass ihr für BEYOND THE BLACK hier seid. Und ihr wisst gar nicht, wie schön das ist, wenn man als Supportband so süß empfangen wird. Das ist so schön, macht mal ein bisschen Lärm für euch selber Hamburg!“
Direkt im Anschluss geht der neue Bassist Stanni in die Menge, um das Zentrum eines Circle Pits zu bilden. Irgendwann während des Konzertes steht dieser aber auch auf der Theke der gegenüberliegenden Bar.
Auch gesellschaftlich positionieren sich SETYØURSAILS eindeutig: Jules rennt ohne weitere Ansage mit einer LGBTQ+-Flagge über die Bühne. Kurz zuvor schwang sie eine schwarze Fahne mit der Aufschrift: No Place for Homophobia, Fascism, Racism!

Insgesamt gibt es eine bunte Mischung aus Songs beider Alben und einem Cover, das als sensibler Song angekündigt wird. Schließlich sei man ja auch über 30 und Rücken und Knie täten weh. Daher müsse man in der Mitte des Sets etwas runterschrauben, weil man sich hinterher nicht so viele Ibus schmeißen könne. Das sensible Cover: „Break Stuff“ von LIMP BIZKIT. Also, ich hab Bock, nächstes Jahr auf deren Tour zu gehen! Die Band verabschiedet sich noch mit Dankesworten, einem gemeinsamen Foto und dem Verweis auf BEYOND THE BLACK.
Is there anybody out there?
Nachdem SETYØURSAILS die Bühne verlassen haben, hängt nun ein schwarzer Frontdrop zwischen Bühne und Publikum, auf dem in weißen Buchstaben BEYOND THE BLACK steht. Dahinter laufen die Arbeiten für den Umbau.
Dann ist es soweit und die letzten Klänge zu „Paint it black“ von den THE ROLLING STONES laufen vom Band. Dann geht das Licht aus und das Docks ist dunkel! Auf Höhe des BTB Schriftzugs wird das Banner von hinten rot beleuchtet. Gleichzeitig ertönt eine weibliche Computerstimme und Sounds wie aus einem Horrorspiel, die eine düstere Atmosphäre erzeugen.
Dann fällt das Frontdrop, und die in mintgrünes Licht gehauchte Band beginnt den Abend direkt mit dem Albumtrack „Break the silence“! Was für ein Timing!
Gut angeheizt von SETYØURSAILS ist das Publikum direkt Feuer und Flamme!
Kein Wunder: Bereits im Opener liefert Gitarrist Chris Hermsdörfer sein erstes Solo, gefolgt von einem zunächst noch etwas verhaltenen ‚Oh oh oh oh‘-Chor, den Frontfrau Jennifer Haben gemeinsam mit dem Publikum anstimmt.

Nach den ersten beiden Songs bedankt sich die Sängerin bei der Crowd: „Danke schön, Hamburg. Wir freuen uns heute Abend endlich hier zu sein. Und dass ihr heute die Chance habt und dass wir heute die Chance haben zusammen mit euch dieses neue Album zu feiern!“
Die Menge jubelt!
Danach folgt ein Mix aus Songs vom aktuellen Album und den Highlights der Band. Zwischendurch bedankt sich auch Gitarrist Chris: „Liebes Hamburg, ausnahmsweise darf ich was sagen. Sind wir ehrlich, wir wären ja heute nicht hier, wenn es mich nicht gäb. Und ich glaube, das verdient einen ganz besonderen Dank! Denn das ist nicht selbstverständlich, dass eine Venue in so kurzer Zeit einen Ersatztermin anbietet, eine Booking Agentur dahinter steht und vor allem, dass ihr heute dieses Ding auch noch ausverkauft und alle dageblieben seid. Vielen lieben Dank.“ Direkt danach folgt mit „Lost in Forever“ eines meiner Highlights des Abends! Und das in mehrfacher Hinsicht. Zum einen liebe ich den Song, zum anderen durften wir die erste Hälfte des Tracks noch einmal hören. Denn mitten im Song bemerkt Jennifer, dass im Publikum etwas passiert ist, und unterbricht den Auftritt kurz, um nachzufragen, ob alles in Ordnung ist. Anschließend beginnt die Band den Song von vorn.

Weitere Highlights des Abends sind für mich die alten Songs, auch wenn mir die Stücke vom neuen Album durchaus gefallen. Aber die älteren Songs haben eben diese epische Power, die mir richtig Gänsehaut beschert. Bei „Songs in Love and Death“ zum Beispiel steht Sängerin Jennifer Haben, in einen Lichtstrahl gehüllt, auf der Bühne und singt gemeinsam mit dem Publikum den Anfangsrefrain, nur vom Piano begleitet. Dass das Piano als Backingtrack vom Band kommt, stört hier überhaupt nicht!
Der direkte Übergang vom balladesken gemeinsamen emotionalen Gesang zum energiegeladenen „Hey hey hey.“ Brüllen, gelingt sowohl Band als auch Publikum sehr gut.
Eine gelungene Überraschung ist auch der Gastauftritt von Chris Harms von LORD OF THE LOST, der mit BEYOND THE BLACK die gemeinsame Single „The art of being alone“ performed.

Und wie immer kommt das Beste zum Schluss: mein BTB Alltime Favorite „Hallelujah“ vom ersten Album „Songs of love and death“ aus 2015!
Und ja, es gibt auch zwei Negativpunkte an diesem Abend für mich. Zum einen fehlt mir „Human“, ein Song, der vor allem live richtig gut rüberkommt und nochmal anders Gänsehaut verpasst, als auf dem Album. Und zum anderen hat mir das auf der Setlist als „Synth Medley“ titulierte Stück überhaupt nicht gefallen. Dafür wurden seltsam anmutende Konstruktionen auf die Bühne gerollt, in die Keyboards eingelassen waren. Darauf spielten Chris und Jenny. Das hat mir zum einen Energie rausgenommen und wirkte irgendwie seltsam deplatziert.
Dennoch war es ein sehr geiler Abend mit neuen und alten Hits sowie viel Interaktion zwischen den Bands und dem Publikum. Das macht Konzerte für mich einfach aus!
Links
SETYOURSAILS SHOP – Setyoursails
Docks Hamburg – Legendärer Club & Eventlocation auf der Reeperbahn
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