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A PALE HORSE NAMED DEATH – Eintauchen in Dunkelwelten

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A PALE HORSE NAMED DEATH – “When the World becomes undone”

Veröffentlichungsdatum: 18.01.2019
Länge:
61:59 Minuten
Label: Long Branch Records
Genre:
Doom Metal

Auf ins Ungewisse

So, wie ich im Restaurant immer das Essen bestelle, das ich am wenigsten oder gar nicht kenne, versuche ich auch, mich immer wieder mal musikalisch weiterzubilden. Oder eben eine Review zu einer Stilrichtung schreiben, in der ich relativ unbewandert bin. Und so ein Sprung ins kalte Wasser folgt jetzt.

In meinen Gehörgängen läuft das neue Album der Doom Metal-Band A PALE HORSE NAMED DEATH. Und noch bevor ich mich näher zu dieser Spielart des Metals informiere, tauchen beim Hören in meinem Kopf Bandnamen wie beispielsweise TYPE O NEGATIVE und ähnliche auf. Und so ganz falsch sollten diese Verknüpfungen auch nicht sein, wie sich später herausstellt. In der seit 2010 bestehenden Band sind gleich zwei ehemalige Drummer von TYPE O NEGATIVE vertreten. Die Musik macht mich neugierig und ich beschließe, mich näher mit dem Album zu befassen.

Jetzt der Reihe nach….

Das Album spricht mich als erstes schon durch das Cover an. Düster gestaltet, mit einem zum Großteil verwesten Pferdekopf darauf. Das macht mich, zusammen mit dem ungewöhnlichen Bandnamen, neugierig. Erschienen ist das nunmehr dritte Album der Band mit dem Namen “When the World becomes Undone” sowohl auf CD, als auch als liebevoll gestaltete Vinyl-Version.

Düster und schwer – aber einladend!

Das Album beginnt mit einem Instrumental, das schon mal eine sehr passende Grundstimmung schafft, irgendwo zwischen mystisch, beängstigend und düster. Es folgen über das Album noch 3 weitere Instrumentals, eines davon ist das Outro.

Als ich das Album höre, versuche ich es für mich selbst irgendwo einzuordnen, aber das fällt mir sehr schwer. Die Stücke sind getragen. Langsame und schwere Gitarrenriffs bestimmen das Klangbild und schaffen eine düstere Atmosphäre, die einen aber nicht abstößt, sondern eher warm umgibt. Der Gesang überrascht mich am Anfang, da ich instinktiv mit einer hohen, kratzenden Stimme, oder etwas sehr verzerrtem gerechnet habe. Im Gegensatz dazu sind es warme und weiche Vocals, die mich mit jedem Lied mehr in das Album und in die Stimmung hineinziehen. Es entsteht eine Bindung zur Musik, zum Sänger – und ich fühle, dass ich für den Augenblick nur dasitzen und das Album hören möchte. Es ist für mich keine Musik, die man nebenbei hören kann – aber dafür eine, die man hervorragend nutzen kann, um sich aus dem Alltag wegzuträumen. Das sind Klänge, die einen mitnehmen und für eine Weile von allem davontragen, wenn man das zulässt.

Hier zwischendrin die Single-Auskopplung “Love the ones you hate”:

Wechselbad der Gefühle

Und auch wenn die Stimmung sehr düster ist und auch die Texte nicht unbedingt ein optimistisches Weltbild vermitteln, so ist das Ganze doch sehr harmonisch und übt eine große Anziehung aus. Ich bin überrascht, wie schnell ich mich auf die Musik einstellen kann, und wie schnell es mich mitnimmt. Aber nach den knapp 62 Minuten, die das Album mich entführt, bin ich wieder im Hier und Jetzt gelandet. Und bin angenehm überrascht, denn auch ein zweites Anhören hat für mich diesen Effekt; dieses Wegtragen und Abschweifen, weg aus dem Alltag und umgeben von der Musik.

Im Normalfall habe ich bei Musik, die sich beispielsweise Richtung Grunge oder generell düstere Gefilde bewegt das Problem, dass ich oft eine gewisse Monotonie spüre. Zu wenig Abwechslung und nach einer gewissen Zeit ist es einfach salopp gesagt ein “Brei” an Musik, bei dem ich nicht mehr zuordnen kann, ob ich das Lied gerade das erste Mal oder schon dreimal gehört habe. Wahrscheinlich war ich deshalb auch einer der wenigen Jugendlichen, die nach 5 Liedern von NIRVANA kein Durchhaltevermögen für mehr übrig hatten.

Aber dieses Gefühl habe ich bei dem Album nicht. Die Unterbrechungen durch die Instrumentals lockern auf, man bekommt eine Pause vom Gesang, und wird danach erneut entführt. Und als Gesamtwerk hat das Album eben eine anziehende Wirkung auf mich. Ich glaube sogar, das Album funktioniert nur komplett, denn ein einzelnes Lied in einer Playlist würde ich skippen. Einfach, weil diese Stimmung nicht transportiert werden würde.

Fazit:

Ein spannender Ausflug, den ich so in der Form auch anderen unbedarften Genre-Nicht-Spezialisten wie mir empfehlen kann. Aber wie gesagt, eben wirklich auch mit der Stunde Zeit für das ganze Album. Ein Reinhören in 1-2 Lieder wird hier wahrscheinlich nicht funktionieren. Aber mir hat das Album sehr gefallen, wie eine Art Buch, das ich aufklappen kann, um mich auszuklinken, und wieder schließen kann, um wieder hier zu sein. Ich finde es großartig, wie diese Stimmung übermittelt wird – gefallen wird das aber ganz sicher nicht jedem!

Autorenbewertung

7
Ein faszinierender Ausflug in ein Genre, das mir sonst eher weniger liegt. Wer sich die Zeit nimmt und das Album auf sich wirken lässt, wird hier sicher nicht enttäuscht. Aber das Album ist wie manches große literarische Werk - nichts für nebenbei und nicht Jedermanns Sache!
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7 / 10 Punkten

Vorteile

+ Faszinierende Stimmung
+ Super stimmige Vocals
+ Als gesamtes Album sehr gut abgestimmt

Nachteile

- Düster und sicher nicht für jeden Geschmack
- Nichts zum „nebenbei“ hören, da es dafür zu komplex ist

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