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Auf den Spuren von Pain Of Salvation

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SEEKING RAVEN – The Ending Collage
Veröffentlichungsdatum: 30.09.2016
Dauer: 54 min
Label: Dr. Music Records

Eine mögliche Definition von Wahnsinn wäre es, den gesamten Werdegang von PAIN OF SALVATION in ein einziges Album zwängen zu wollen. Das hat János Krusenbaum, der Kopf hinter SEEKING RAVEN, nicht unbedingt gewollt oder bewusst versucht, kommt aber mit dem Resultat ziemlich nah an den Kern heran. Aber erst einmal der Reihe nach, denn trotz aller Parallelen klingt „The Ending Collage“ doch sehr eigenständig.

Der Einstieg „Road To The City“ orientiert sich noch recht nah an metallischen Klängen, wenn auch an solchen der eher sanften Natur. Bereits hier wird klar, dass SEEKING RAVEN ihr eigenes Ding durchziehen und sich nur lose an den gewohnten Klängen der progressiven Größen orientieren. Trotzdem schwingt schon hier dieser wohlige Vibe mit, der auch Scheiben wie „The Perfect Element, Part I“ und „Remedy Lane“ diese besondere Tiefe verliehen hat. Das melancholische „Requiem“ zieht dann in eine verträumtere Richtung, danach deuten „The River Lethe“ und „A Second Chance“ eine weitere Facette an, mit der bei SEEKING RAVEN stets zu rechnen ist: Das folkig Märchenhafte und Verspielte.

Stilistisch geht es auf „The Ending Collage“ richtig rund. „Rose“ entpuppt sich als feines A-Cappella-Zwischenspiel, „The High Art Of Flying“ liebäugelt entfernt mit Post-Metal – immer noch mit diesem, nicht wirklich greifbaren, PAIN OF SALVATION-Vibe –, und „It’s Okay“ sticht locker einen Großteil der Konkurrenz im Prog Metal aus. Klar, ein paar mehr härtere Nummern hätten nicht geschadet, da diese eindeutig zu den Highlights zählen. Auf der anderen Seite verzücken launige Titel wie „Vanishing Of The Little People“, bei dem man vor dem inneren Auge angetrunkene Zwerge tanzen sieht, ebenfalls. Der süffige Walzer „Truth“ klingt gar so, als würde er zum Standardrepertoire in einer alten Piraten-Taverne gehören.

„The Ending Collage“ ist stark, sogar sehr stark. Abwechslungsreicher geht es kaum, dazu ist das Ding atmosphärisch eine absolute Wucht zwischen märchenhafter Schönheit und beklemmender Melancholie. Im Grunde bietet sich jedes einzelne Lied dazu an, hier ausufernd darüber zu schreiben, aber genau das scheint mir verkehrt zu sein: Das Album hinterfragt zwischen den Zeilen so oft die Schnellebigkeit unserer heutigen Konsum-Gesellschaft, dass genau dieses Vorkauen aller Inhalte der falsche Weg wäre. „The Ending Collage“ will selbst entdeckt werden; und das von Hörern, die sich genug Zeit nehmen, um sich richtig damit zu befassen.

Etwas schade ist, dass der rote Faden produktionstechnisch teils verloren geht. Die erschreckend statischen Drums in „Summer Day“ werten diesen Titel beispielsweise ab, weil er sich deswegen nicht so gut in den Rest einbettet. Anders sieht es beim Rap „Brave New World“ aus, der durch seine Positionierung zwar einen schönen Kontrast zum Rest darstellt, dann aber von der Idee her so nah an „Spitfall“ von PAIN OF SALVATION herankommt, dass sich der Vergleich geradezu aufdrängt. Hier ziehen SEEKING RAVEN dann aber den Kürzeren. Dennoch – und das muss gesagt sein – liegt hier ein Album mit Seele vor, wie es in der heutigen Metal- oder gar Musiklandschaft viel zu selten ist. Grenzen werden niedergerissen und musikalische Bilder werden mit viel Liebe und einer gänzlich eigenen Vision gezeichnet, genau wie es die oft erwähnten Schweden zu ihren besten Zeiten vorgelebt haben.

Autorenbewertung

9
Bis man in "The Ending Collage" hineingefunden hat, kann es etwas länger dauern. Gerade weil die härteren Nummern nur einen kleinen Teil des Albums ausmachen, driftet man bei den ersten Durchläufen schon einmal ab. Wer aber konzentriert hinhört und dann erst einmal drin ist, darf eines der Prog-Highlights des Jahres genießen.
ø 4.7 / 5 bei 2 Benutzerbewertungen
9 / 10 Punkten

Vorteile

+ Richtig großes Songwriting
+ Hinsichtlich Abwechslungsreichtum kaum zu überbieten
+ Melancholie und Märchen im Einklang
+ Musikalisch auf der Höhe

Nachteile

- Sound könnte einheitlicher sein
- Etwas mehr Härte würde für zusätzliche Würze sorgen

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1 Kommentar

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