Auf der Suche nach einer Identität – Malacoda

MALACODA – Ritualis Aeterna
Veröffentlichungsdatum: 02.12.2016
Dauer: 25 Min.
Label: /
Stil: Power Metal für Keyboard-Fetischisten

Wenn ich schreibe, dass das Artwork von „Ritualis Aeterna“ die gebotene Musik recht gut beschreibt, ist das nicht unbedingt ein Kompliment. Nein, als Blickfänger würde ich das Frontcover nun wirklich nicht bezeichnen, denn es ist generisch, blass und ziemlich langweilig. Dabei weckt die Bio der Kapelle erst einmal Hoffnung, werden doch Vorbilder aller möglichen Stilrichtungen genannt: PARADISE LOST meets DIMMU BORGIR und KING DIAMOND? Könnte ein interessanter Stilmix sein! Könnte …

Verwirrte Gehversuche

Ja, könnte was sein, ist es aber nicht so wirklich. Bei den genannten Vorbildern haben sich MANACODA offenbar nur sehr oberflächlich bedient. KING DIAMOND steht Pate für so manchen schrägen Gesangspart – es ist doch klar, dass diese Art Gesang nur beim Original funktioniert, oder etwa nicht? – während sich der DIMMU BORGIR-Einfluss in ein paar Growls äußert. Der Hintergrund alldessen ist schon sehr keyboardlastig, eine gewisse Schwäche für Kitsch ist also unabdingbar, um etwas mit „Ritualis Aeterna“ anfangen zu können.

Gut, als Genre-Liebhaber kann man der Sache sicherlich bis zu einem gewissen Punkt etwas abgewinnen: Die Musiker agieren absolut kompetent, der Gesang ist, von ein paar Nerv-Passagen abgesehen, auch gekonnt. Im tragisch-düsteren „The Wild Hunt“ baut Frontmann Lucas Di Mascio etwa ordentlich Stimmung auf. Ebenso umfassen die sechs Titel ein paar schmucke Soli, die eindeutig für die Band sprechen. Die Produktion geht in Ordnung, kann der Intention, pompöse Klangbilder zu schaffen, aber nicht ganz gerecht werden. Im Endeffekt klingt die Sache eher überladen als groß und erhaben.

Nur lauwarm

Hauptsächlich kämpft die EP damit, dass nichts so recht hängen bleibt. Ein paar brauchbare Hooks haben sich zwar eingeschlichen, allerdings bedienen sich diese tausendfach gehörter Ergüsse artverwandter Bands. In so ziemlich jeder Hinsicht versäumen es MALACODA, so wirklich zu glänzen, denn man kennt die gleiche Mucke in hübscherer Aufmachung schon von anderen Bands. Weder überrollt einen die Produktion, noch zeigen sich zwingende Ohrwurmmelodien, wie sie etwa KAMELOT in beeindruckender Fülle abgeliefert haben. Und um noch einmal auf KING DIAMOND zurückzukommen: Um so kultig zu sein, ist es dann doch nicht schräg genug.

MALACODA sitzen leider zwischen den Stühlen. Es wäre gelogen, würde ich ihre Musik als schlecht bezeichnen – das ist sie keinesfalls. Aber auch nach mehrmaligem Hören will sich keine Begeisterung zeigen, Lust auf einen weiteren Durchlauf schon gar nicht. Dafür ist das Ding einfach zu zahnlos und nichtssagend – ein Output unter vielen eben. Dass die Sache live wohl besser funktioniert, ist wahrscheinlich, denn in Ansätzen ist die Faszination ja da. Nur will es eben bei diesem Silberling noch nicht in der heimischen Stube klappen.

MALACODA auf Facebook.

Autorenbewertung

5
Was nicht ist, kann im Fall von MALACODA definitiv noch werden. Als Appetizer versagt "Ritualis Aeterna" für mich aber, da ich noch vor der letzten Note gesättigt bin.
ø 0 / 5 bei 0 Benutzerbewertungen
5 / 10 Punkten

Vorteile

+ kompetente Musiker
+ sämtliche Bausteine sind mindestens gut

Nachteile

- fades Gesamtbild
- viele bekannte Versatzstücke eher ziellos kombiniert

Du liest diesen Beitrag, weil unsere Autoren lieben, was sie tun - wenn du ihre Arbeit liebst, kannst du uns, wie andere schon, unterstützen. Wie? Mit einem kleinen monatlichen Beitrag über Patreon
Die mobile Version verlassen