Aus den Tiefen #1: VÖGEL DIE ERDE ESSEN

In „Aus den Tiefen“ stelle ich euch regelmäßig mehr oder minder unbekannte Künstler, Projekte und Bands vor, die aus dem einen oder anderen Grund abseits der altbekannten Pfade wandeln. Die Gründe hierfür können zahlreich sein. Das Ergebnis muss nicht immer nach Metal klingen, im Gegenteil! Der Fokus liegt hierbei auf Innovation, auf Experimentierfreude, auf dem Potential, etwas anders zu machen, als alle Anderen.


„Lasst uns mal ne Kolumne machen, in der wir dann unbekannte Bands vorstellen. Solche, die wir geil finden, aber die noch kaum einer kennt!“ – „Au, ja. Klingt dufte!“. So ungefähr lief das ab. Oder auch nicht. Eigentlich wars allein meine Idee, aber das klingt so arrogant.
Na jedenfalls setzt sich n fauler Student hin und brainstormt ne Weile. Das Problem ist dabei gar nicht, Bands zu finden, über die man schreiben kann oder will, sondern das Ganze auch schmackhaft zu verpacken. Da muss n schmissiger Titel gefunden werden, der noch nicht vergeben ist (Top Of The Pops und ZDF Fernsehgarten waren schon weg) und irgendwie muss das alles gut verkauft werden. Was dabei so an Titelvorschlägen die Runde gemacht hat, ist eigentlich schon wieder ne eigene Kolumne wert, aber das heb ich mir mal lieber für Zeiten auf, in denen es sonst nichts zu berichten gibt.

Kommen wir nun also zum Kern des Ganzen hier…

In der ersten Ausgabe von „Aus den Tiefen“ möchte ich euch die Berliner Band VÖGEL DIE ERDE ESSEN vorstellen. „Wer vögelt was?“, ist vermutlich vielerorts die erste Reaktion. Ich mache diesen Witz jetzt nur, damit ihn von euch keiner mehr machen muss. Dankt mir später.

Lassen wir potentielle Pimmelchenwitze jedoch erstmal hinter uns und konzentrieren uns aufs Wesentliche: die Musik. Frei nach dem Motto: „Wenn du ein Baum wärst, wie wär dein Name und wenn ja, wie viele?“, möchte ich euch zunächst auszughaft zeigen, was die Band selbst über sich sagt/denkt/schreibt.

Nach einem Konzert von VÖGEL DIE ERDE ESSEN, kam mal jemand aus dem Publikum zur Band und erzählte, er hätte gerade das Gefühl gehabt, einen brennenden Zug an sich vorbeifahren zu sehen. […] Ausgehend von der Energie alter Punk Bands haben die Vögel Noise Rock, Rnb, Soul und Black Metal in ihren Sound einfliessen lassen. […] Der rätselhafte Bandname wurde Gitarrist Moritz […] zugetragen. Vögel, die Erde essen seien ein Zeichen des herannahenden jüngsten Gerichts,

So… Erstmal sacken lassen…

Der Eindruck, dass das Ganze recht chaotisch und anstrengend klingt, wird sowohl auf ihrem wunderschönen, mit „Besuch Von Innen“ betitelten, Debütalbum, als auch auf der vorangegangenen EP ziemlich schnell zerstört. Beide Veröffentlichungen sind auf dem Berliner Label Kreismusik erschienen, bei dem der experimentelle Rapper/Visionär KÄPTN PENG maßgeblich die Strippen zieht.

Obwohl die VÖGEL so ziemlich alles zwischen Jazz und Black Metal abgrasen und sich ein Klangpotpourri sondergleichen schaffen, wirkt dieses zu jeder Sekunde durchweg stimmig. Allein das verdient schon unfassbaren Respekt! Die Songs sind vielschichtig, aber nicht breaklastig. Sie sind progressiv ohne anstrengend zu sein und trotz aller Komplexität immernoch auf einem fast schon poppigen Level eingängig. Dafür sind vor allem die clean vorgetragenen und vornehmlich deutschen Texte verantwortlich, die selten von einem, meist von zwei und gelegentlich von allen drei Bandmitgliedern stammen. Dass all dies technisch auf fehlerlosem Niveau geschieht, ist eigentlich selbstverständlich.

Doch auch fürs Auge bieten VÖGEL DIE ERDE ESSEN etwas. So wurde für den Song „Schneckendasein“ der Debüt EP ein völlig abgefahrenes und spektakuläres Video gedreht.

Wer seine Musik gerne facettenreich und schwer klassifizierbar mag, wen deutsche Texte nicht abschrecken und wer einfach auf der Suche nach guter, neuer Musik ist, dem seien VÖGEL DIE ERDE ESSEN wärmstens ans Herz gelegt!
Beide Veröffentlichungen findet ihr auf Spotify. Viel Spaß damit!

Facebook

 


Du liest diesen Beitrag, weil unsere Autoren lieben, was sie tun - wenn du ihre Arbeit liebst, kannst du uns, wie andere schon, unterstützen. Wie? Mit einem kleinen monatlichen Beitrag über Patreon
Die mobile Version verlassen