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Aus den Tiefen #29: SYK

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In „Aus den Tiefen“ stelle ich euch regelmäßig mehr oder minder unbekannte Künstler, Projekte und Bands vor, die aus dem einen oder anderen Grund abseits der altbekannten Pfade wandeln. Die Gründe hierfür können zahlreich sein. Das Ergebnis muss nicht immer nach Metal klingen, im Gegenteil! Der Fokus liegt hierbei auf Innovation, auf Experimentierfreude, auf dem Potenzial, etwas anders zu machen, als alle anderen.

Stand die letztwöchige Ausgabe im Zeichen ruhigerer und atmosphärischer Töne, ist es heute mal wieder Zeit für totale Zerstörung.

Die Zwei-Komponent-Zerstörungsmaschine, die ich euch heute vorstellen möchte, stammt aus Italien und hört auf den Namen SYK.

SYK

Wie Nitro und Glycerin, wie Molotow und Cocktails, wie Siegfried und Roy, wie gefrorenes Orangensaftkonzentrat und Benzin zu gleichen Teilen gemischt… So sind SYK ungefähr, die sich einerseits aus verbliebenen Mitgliedern der Jazz-Grind-Band PSYCHOFAGIST und andererseits aus der sardinischen Stimmbandakrobatin DALILA KAYROS zusammensetzen.

Die einzelnen Komponenten gibt es HIER und HIER zu hören.

Gegründet wurden SYK Anfang 2014, nachdem sich PSYCHOFAGIST nach ihrer letzten Europatour plötzlich und unerwartet auflösten. Bereits im Mai des gleichen Jahres erschien das Debütalbum „Atoma“, welches zwar interessant, aber alles andere als leicht verdaulich war. Auch wenn das Chaos nicht so ungestüm und undurchdringbar ist wie noch bei PSYCHOFAGIST, liefern SYK dennoch einen Sound, den man vermutlich nicht aufs Mixtape des aktuellen Schwarms packen würde. Naja, obwohl, was weiß ich schon…

Der Soundtrack fürs finale Gesichtspeeling

Die Riffs sind repetitiv und dissonant, das Schlagzeugspiel vertrackt und die Schreie von DALILA KAYROS zertrümmern das letzte bisschen Menschlichkeit in den Songs. JULIE CHRISTMAS würde sich freuen.
Der sehr mechanische Sound des Albums sorgt dafür, dass man sich fühlt, als würde man sich in einer Stahlfabrik in der Hölle das eigene Gesicht abschaben. Eine Platte, die euren Geschwistern, Eltern oder Mitbewohnern Angst machen sollte.

Nichtsdestotrotz tourten SYK durch Europa und konnten eine bislang überschaubare, aber treue Fanbasis errichten. Letztlich bekam sogar Phil Anselmo von der italienischen Krachmaschinerie Wind und nahm sie bei seinem eigenen Label Housecore Records unter Vertrag. So kam es auch, dass die Band gemeinsam mit Anselmo ihr zweites Album „I-Optikon“ produzierte, welches im Dezember 2016 erschien.

Auf dem Zweitling merkt man deutlich, dass die Band nicht nur mehr zueinandergefunden, sondern sich auch mehr Zeit für den Reifeprozess der Songs gelassen hat. Zwar hat sich an der generellen Ausrichtung der Songs kaum etwas geändert, und dennoch wirkt „I-Optikon“ deutlich hörbarer, als sein Vorgänger. KAYROS‘ Stimme ist etwas weiter in den Hintergrund gemischt, treibt die Songs aber unaufhaltsam in Richtung Abgrund. Ich habe das Gefühl, dass die Sängerin die zahlreichen Facetten ihres Gesangs noch viel bewusster und dynamischer einsetzt. So wird nicht am laufenden Band sinnlos geschrien, sondern vereinzelt auch den Instrumenten Luft gelassen, während die Gesangslinien manchmal auch in Zweistimmigkeiten abdriften. Diese sind zwar selten konsonant, bleiben aber – vielleicht genau deswegen – im Ohr hängen.


 

Am ehesten würde ich den Sound von SYK irgendwo in der Nähe von WFAHM und ION DISSONANCE verorten, etwas weniger technisch, dafür mit krankem Frauengesang. Das sollte euch ne ungefähre Vorstellung vermitteln.

Für alles Weitere gilt wie immer: Bandcamp ist euer Freund!
Schönes Wochenende!

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Bild mit freundlicher Genehmigung von SYK

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