Aus den Tiefen #32: CZAR

In „Aus den Tiefen“ stelle ich euch regelmäßig mehr oder minder unbekannte Künstler, Projekte und Bands vor, die aus dem einen oder anderen Grund abseits der altbekannten Pfade wandeln. Die Gründe hierfür können zahlreich sein. Das Ergebnis muss nicht immer nach Metal klingen, im Gegenteil! Der Fokus liegt hierbei auf Innovation, auf Experimentierfreude, auf dem Potenzial, etwas anders zu machen, als alle anderen.

Heute wird mal wieder so richtig eklatant eklektisches Chaos verbreitet. Der Grund dafür hat nur vier Buchstaben: CZAR.

 

CZAR sind eine von vielen Bands mit diesem Namen eine Band aus Tacoma, Seattle, die sich irgendwann zwischen 2010 und 2011 umbenannt hat. Denn bereits im Vorfeld waren die Jungs in ähnlicher Besetzung (aber ohne Keyboarder) unter dem wohlklingenden Namen OSAMA BIN ROCKIN‘ unterwegs.

Im Jahre 2011 erschien das erste Lebenszeichen von CZAR: das Debütalbum „Old Haunts“.

Die Musik, die hier geboten wird, irgendwie zu beschreiben, bzw. in Worte zu fassen, fällt schwer. Ich glaube ernsthaft, dass es wesentlich einfacher wäre, einfach aufzuzählen, was diese Band nicht ist. Als da wären: leicht verdaulich, unkompliziert, eingängig, vorhersehbar, langweilig.
Sicher ließen sich noch einige Adjektive mehr hinzufügen, aber generell solltet ihr verstanden haben, was ich meine.
Darüber hinaus gibt es auch kaum ein Genre, dem sich CZAR nicht bedienen, das nicht irgendwie in ihren Sound integriert wird. Die Einflüsse reichen von Grind und Noise über Mathcore, Electro, Jazz und Deathcore bis hin zu Post Rock und Tech Death. Wer daraus nun eine treffende neue Genrebeschreibung zusammengebuttert kriegt und diese bis zum Valentinstag bei uns einschickt, gewinnt die Freundin vom Zweitplatzierten. Viel Erfolg!

Obwohl „Old Haunts“ nur über eine Spielzeit von 32 Minuten verfügt, hat man das Gefühl, als hätte man hier alles gehört, was in den letzten 50 Jahren musikgeschichtlich so passiert ist. Nur eben nicht ganz chartverdächtig zusammengestückelt.

Es fällt schwer, irgendwelche Referenzbands zu nennen, da bei CZAR kaum eine Sekunde der anderen gleicht, geschweige denn ein Song dem anderen. Näherungsweise kommt man aber hin, wenn man sich vorstellt, dass CARNIVAL IN COAL mit MR. BUNGLE, THE DILLINGER ESCAPE PLAN, IWRESTLEDABEARONCE und PSYOPUS gekreuzt werden. Somit klingen sie alles in allem eher nach der Rücksichtslosigkeit von Bands der frühen 2000er Jahre. Wenn euch die Synapsen jetzt schon bei der bloßen Vorstellung davon brennen und sich verknoten, dann zu Recht!

Allerdings wird all das hemmungslose Chaos auch zurückgefahren, um Atmosphäre zu schaffen. Diese kommt vor allem dann zum tragen, wenn sich CZAR in Post-Rock/Post-Hardcore-Gefilde vorwagen, die oftmals genauso unverhofft kommen, wie sie auch wieder gehen.

Eben diese Unberechenbarkeit ist es, die CZAR so brutal machen. Was ich mich irgendwann allerdings frage ist, wie unvorhersehbar wird alles noch sein, wenn letzten Endes alles unvorhersehbar ist. Wird all das eklektisch Stürmende und Drängende dann nicht schon wieder erwartbar?

Glücklicherweise ist soeben CZARs zweites Album mit dem wundervollen Titel „Life Is No Way To Treat An Animal“ erschienen, welches mich sofort vom Gegenteil überzeugt. Von diesem werde ich allerdings noch ein gesondertes Review verfassen.
Das Reinhören möchte ich euch trotzdem jetzt schon nahelegen. Denn eine Band wie CZAR habt ihr so mit Sicherheit noch nicht erlebt!

 

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