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Aus den Tiefen #40: STAROFASH

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In „Aus den Tiefen“ stelle ich euch regelmäßig mehr oder minder unbekannte Künstler, Projekte und Bands vor, die aus dem einen oder anderen Grund abseits der altbekannten Pfade wandeln. Die Gründe hierfür können zahlreich sein. Das Ergebnis muss nicht immer nach Metal klingen, im Gegenteil! Der Fokus liegt hierbei auf Innovation, auf Experimentierfreude, auf dem Potential, etwas anders zu machen, als alle Anderen.

Oftmals trägt der Aufenthalt in einem extremmetallischen Umfeld Früchte, die man so nicht erwartet hätte. Dass eine Abkehr vom Metal aber erstens trotzdem gesund und zweitens außerordentlich hörenswert ist, sieht man an der Künstlerin, um die es heute geht.

STAROFASH

STAROFASH

 

STAROFASH ist das Projekt der Norwegerin Heidi S. Tveitan. TveitanTveitan… Klingelt da nicht was?

Für all jene, denen der Name nichts sagt, dem sei schnell auf die Sprünge geholfen: Tveitan ist ebenfalls der Nachname eines gewissen Vegard Sverre, den meisten vermutlich etwas bekannter unter seinem Pseudonym IHSAHN. Das Ehepaar macht nicht nur seit 1998 gemeinsam Musik, sondern führt seit 2003 ebenfalls das norwegische Label Mnemosyne Productions.

Noch während IHSAHN und IHRIEL (so Tveitans ehemaliger Künstlername) gemeinsam Musik bei PECCATUM machten, entwickelte sich mit STAROFASH langsam aber stetig das Soloprojekt von Heidi. Die Entwicklung, dass sich der PECCATUM-Sound immer weiter vom ursprünglichen, durchgedrehten Extrem-Metal entfernte, wirkt nur schlüssig, wenn man sich das wundervolle erste STAROFASH-Album „Iter.Viator“ anhört. Einer sauber gelösten mathematischen Rechnung gleich, erkennt man, welche Elemente des PECCATUM-Sounds IHRIEL zu zuschreiben sind, und welche später den ureigenen IHSAHN-Sound kreieren sollten.

Viel Licht im Schatten

So findet man bei STAROFASH wenig bis kaum typische Metalinstrumentierung. Klar gibt es vereinzelte Gitarrenlinien, jedoch sind diese eher dazu gedacht, Stimmung zu erzeugen, als pechschwarze Riffs. Am dominantesten ist wohl das Klavier, welches den Großteil der Songs begleitet, doch auch Streicher sind ein essentieller Bestandteil, weswegen mir die ersten Minuten des Albums bis heute eher wie Filmmusik vorkommen. Doch dieser Eindruck hält nicht lange an, denn obwohl die Musik rein von der emotionalen Bandbreite her durchaus ins Gothic-Milieu passen würde, ist der Sound sehr viel facettenreicher und experimenteller. So werden im weiteren Verlauf des Albums auch Elektronik, industrialartige Klänge und Trip Hop-Beats Verwendung finden, die den Vergleich mit britischen Namen wie PORTISHEAD nicht scheuen müssen.

Sechs lange Jahre (in denen unter anderem PECCATUM aufgelöst wurden und IHSAHN sein erstes Album „The Adversary“ veröffentlichte) vergingen, bis das zweite STAROFASH Album „The Thread“ erschien und noch (!) ruhigere Töne anschlug, als das Debüt. Gleichermaßen merkt man, dass es gelungen ist, sowohl an das Vorwerk anzuknüpfen, als auch sich von diesem weiterzuentwickeln. Aber andererseits wärs auch schlimm, wenn das mit sechs Jahren Zeit nicht machbar gewesen wäre.

Erneut musste ich mich zu Beginn der ersten Durchläufe fragen, wo denn bitte die Stimme bleibt, da Heidi mit der ihrigen recht sparsam umgeht. Und dennoch entfaltet das Album eine unnachahmliche Wirkung, da es einen, besonders durch den langsamen Aufbau, stetig einzusaugen scheint, bis man sich nach ein paar Songs umsieht und nicht mehr weiß, wo man ist. Man kann quasi fühlen, wie die Raumtemperatur sinkt, während „The Thread“ läuft.

Immer diese norwegische Vetternwirtschaft

Was im Vergleich zum Vorgänger deutlich heraussticht, sind die noch gelungeneren Arrangements, wie z.B. bei dem umwerfend schönen „The World Spins For You“. Zusätzlich zu dem differenzierten, angenehm klaren Sound kommt der Fakt, dass jede Stimme, jedes Instrument seinen ganz eigenen Platz und Raum bekommt. Zu keinem Zeitpunkt wirkt hier irgendwas überladen, übertrieben, gekünstelt oder gestelzt. Die einzigen Gefühle, die hier wirklich zum Tragen kommen, sind Trauer und Melancholie und das auf eine wohlige und erhabene Art, die seinesgleichen sucht und somit eigentlich eher als Soundtrack für den Herbst, als für den Frühling geeignet ist.

Mit dem dritten Album „Lakhesis“ vollführte STAROFASH eine Hinwendung in Richtung klassischen Band- bzw. Metal-/Rocksound. Hört euch einfach „Panther In The Glove“ an, und ihr wisst, was ich meine. So findet man hier eine „Extreme“, die die beiden Vorgängeralben missen ließen. Ob man nun Alternative Rock, Indie Rock, oder Shoegaze dazu sagen will: irgendwie wird hier alles vereint und ergibt so ein spürbar härteres Gesamtgemisch, welches hier und da sogar an LEPROUS erinnert. Was auch nicht weiter verwunderlich ist, wenn man weiß, dass Heidi S. Tveitan nämlich ebenfalls die Schwester von Sänger Einar Solberg ist. Immer diese norwegische Vetternwirtschaft …

Allem Anschein nach sollte „Lakhesis“ aber nur ein kurzer Ausflug in härtere Gefilde bleiben. Auch wenn ich die letzten beiden Alben „Ghouleh“ (2014) und „Skógr“ (2016) noch nicht vollständig gehört, verdaut und verarbeitet habe, weisen beide eher in Richtung zerbrechlich-melancholischen, wunderschönen Elektropop, der der Landsdame AURORA zumindest partiell nicht völlig unähnlich zu sein scheint.

Wenn aus einem Black- bzw. Extremmetal-Umfeld letztlich solche Musik entstehen kann, dann muss ich mich doch stark fragen, was der Freundeskreis von DARKTHRONE eigentlich so in seiner Freizeit macht …

Bis ich das jedoch rausgefunden habe, lass ich die Seele noch etwas baumeln und empfehle euch, das Gleiche zu tun! Außer dem Debüt sind alle Alben auf Spotify verfügbar.

 

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The Thread Bandcamp

Bild mit freundlicher Genehmigung von Starofash

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