Home»Live»Festivals»Ausgesetzt in der Wildnis: Schlotheim Edition – P.S:O:A 2016

Ausgesetzt in der Wildnis: Schlotheim Edition – P.S:O:A 2016

0
Shares
Pinterest Google+

Eigentlich wollte ich den Nachbericht erst „Feuer, Eis & Dosenbier“ nennen, was angesichts der Temperaturschwankungen auch durchaus legitim gewesen wäre, aber irgendwie war die Idee dann, zwei Minuten nachdem sie mir eingefallen ist, doch weit weniger witzig, als ich erst dachte. Naja, was solls …

Wieder einmal versammelten sich im thüringischen Schlotheim mehrere tausend Leute, um 4 Tage lang einigen der feinsten Death, Black und Thrash Metal Bands zu lauschen. Dieses Jahr eine Woche später stattfindend, wartete das Party.San wetterbedingt mit einigen Strapazen auf, die die zahlreichen Besucher dennoch nicht davon abhielten auf der wunderschönen Landebahn of Death and Destruction erneut ein geiles Festival zu verleben.

Donnerstag, 11.8.


Pflichtbedingt fand die Anreise meinerseits erst am Donnerstag Nachmittag statt. Resultat: Campen am Ende der Landebahn. Da aber an so gut wie allen Tagen ein Knaller auf den nächsten folgt, werde ich den Weg vom Zelt zur Bühne und zurück nicht allzu oft hinter mich bringen müssen.

Der Großteil der Leute ist bereits am Mittwoch angereist und froh darüber, die erste Nacht ohne großflächige Erfrierungen überstanden zu haben, denn die Temperaturen sind in den ersten Tagen tatsächlich alles andere als sommerlich.

Ich komme erstmal in Ruhe an. Der Zeltaufbau zieht sich gefühlt ne Woche hin, da der Boden auf dem Party.San-Gelände nicht grade gut dafür geeignet ist, Heringe einzuschlagen. Aber ich sehs positiv: denn aufgrund dieser Beschaffenheit (wer da genaueres wissen will, kann sich vertrauensvoll an unseren Lieblings-Geografiestudenten Alexander Prinz wenden) werden wir in den nächsten Tagen definitiv von Schlamm verschont bleiben – trotz anhaltendem Regen.

Ich will wirklich niemandem an die Karre pissen, aber ich finde, dass das P.S:O:A eine angenehme Größe hat, wobei hier im Vergleich zu vielen größeren Festivals immer noch Untergrund-Charme mitweht. Das erkennt man schon mal daran, dass die erste Band keine Blaskapelle o.ä. ist. INFERNAL INVOCATION, kurz: II eröffnen das diesjährige Party.San auf der Hauptbühne und können bereits überraschend viele Zuschauer vor eben diese ziehen. Die Leipziger spielen ihren Black Metal wortlos und solide runter, leiden allerdings als erste Band noch unter eher mäßigem Sound. Trotzdem eine gelungene Eröffnung des Festivals, die gut auf das einstimmt, was da noch kommen mag.

Viele Leute freuen sich bereits auf MÖRK GRYNING, die hier exklusiv für das Party.San nach über 10 Jahren aus der Versenkung auferstanden sind. Sänger Johan Ljung merkt man die Spielfreude deutlich an, nicht nur aufgrund der zahlreichen Ansagen, die der sympathische Schwede alles andere als nordisch kühl an das Publikum richtet. Da mir allerdings die nostalgische Komponente fehlt und ich von der Band erst kurz vor dem Festival erfahren habe, kommt bei mir nicht ganz soviel Hochstimmung auf, wie bei den zahlreichen Fans, die sich vor der Bühne versammelt haben.

IMG_0898

Es geht ins Zelt zu ERED, von denen ich im Vorfeld viel Gutes gehört habe. Und tatsächlich: die Spanier wissen zu begeistern und das nicht zuletzt durch einen Sound, der zu diesem Zeitpunkt deutlich besser und fetter ist, als der auf der Hauptbühne! Hier wird ein hartes, präzises und angenehm melodisches Black Metal Paket abgeliefert, das sich alles andere als einseitig anfühlt und so dafür sorgt, dass die ohnehin knapp bemessenen 25 Minunten Spielzeit wie im Flug vergehen.

„Kinder, was habe ich euch über Drogen eingetrichtert?“ „Es gibt für alles die richtige Zeit, und den richtigen Ort – und das nennt sich Uni!“ Irgendwie muss ich bei GRUESOME an dieses South Park Zitat denken, was sich weniger auf Substanzen, als auf die richtige Zeit und den Ort bezieht. Genauer: Florida in den späten 80ern. GRUESOME begreifen sich als DEATH Tribute Band und huldigen den Anfangstagen der Pioniere um Chuck Schuldiner. Was die Rolle der Floridianer im Death Metal anbelangt, gibt es keine Diskussionen und dennoch brauch ich GRUESOME irgendwie so garnicht. Live mag das hier alles ok sein und auch die alten Helden zu ehren ist lobenswert. Allerdings ist Schlotheim nicht Florida und 2016 nicht die 80er. Dass die DEATH TO ALL-Tour jetzt seit einigen Jahren läuft, ist für mich nur ein weiterer Grund, um GRUESOME irgendwie überflüssig zu finden, auch wenn es qualitativ und technisch keine Fehler zu entdecken gibt.

Was mir bereits hier auffällt: in allen Umbaupausen auf der Hauptbühne laufen Lemmy zu Ehren MOTÖRHEAD, was auch die kommende Tage so bleiben wird. Ein feiner Zug, wie ich finde.

IMG_0611

Weiter gehts: TRIBULATION spielen auf.
Wie jedes Jahr hatte ich mir fest vorgenommen, mir vor dem Festival alle Bands nochmal genauer anzuhören. Ganz weit oben auf meinem Zettel standen dabei die Schweden. Geschafft habe ich davon – wie jedes Jahr – kaum etwas. Doch dass das Quartett vor allem mit ihrem letzten Album „The Children of the Night“ außerordentlich positive Kritiken sammeln konnte, ist nicht an mir vorbei gegangen. Und wie es scheint, ist die Begeisterung, die für die Band herrscht, durchaus berechtigt. TRIBULATION haben einen einzigartigen Sound und integrieren soviele verschiedene Facetten in ihre Songs, dass es mir eine wahre Freude ist. Ich habe das Gefühl, dass hier verschiedenste Geschmäcker vereint werden können, was mich daran erinnert, wie geil BEASTMILK mit ihrem ersten Album waren. Doch nicht nur die stimmungsvollen Songs sorgen für Spaß: TRIBULATION begeistern auch mit einer wahnsinnig starken Bühnenpräsenz. Vor allem Gitarrist Jonathan Hultén, der androgyn angemalt ist und aussieht wie Elvira, Herrscherin der Dunkelheit (nur ohne Brüste), muss hier hervorgehoben werden! Völlig manisch rennt der Schwede über die Bretter und scheint zu jeder Zeit des Sets überall zu sein. Bei der tänzerischen Performance kommt es sogar zu Stürzen, was ihn allerdings nicht zu bremsen vermag. Der Auftritt bleibt definitiv im Gedächtnis und stellt für mich ein erstes, unerwartetes Highlight dar.

Die brutalste Walze des bisherigen (und noch kommenden) Tages folgt im Anschluss. NECROS CHRISTOS betreten die Bühne. Schon wieder eine Band, die ich mir im Vorfeld nochmal intensiv anhören wollte. Leider trübt der Sound die Freude etwas, denn die Berliner sind zu Beginn ihres Sets alles andere als differenziert zu hören, was auch beim Publikum auf Unmut stößt. Mit zunehmender Dauer werden zwar Verbesserungen vorgenommen, auf ein wirkliches Optimum gelangt das Ganze aber nicht mehr, was den ansonsten guten Auftritt mit einem faden Beigeschmack versieht.

IMG_0166

Letzte Woche noch mit BORKNAGAR in Wacken, spielt ICS Vortex heute mit ARCTURUS in Schlotheim. Der virtuos-vielschichtige Black Metal der Norweger weiß zahlreiche Fans zu begeistern und erfährt sogar gute Soundbedingungen. Instrumental gibt es hier etliche Leckerbissen, allerdings sagt mir der Gesang so absolut garnicht zu, aber das ist nur ne Geschmackssache.

Über die vier Tage des Festivals konnte ich eine kleine Liste bezüglich des Bandmerchs machen. Unangefochtener Spitzenreiter sind MGŁA, kurz gefolgt von MANTAR. Es ist unfassbar, wieviele Menschen in die Textilien der polnischen Black Metaller gekleidet sind! Und so schaffen sie es auch am Donnerstag die meisten Leute vor die Bühne zu ziehen und so zum heimlichen Headliner des ersten Tages zu avancieren. Komplett vermummt und zu viert wird die Bühne erklommen um eiskalten und wunderschönen Black Metal zu zelebrieren. Eine zusätzliche Randnotiz: das Tageslicht ist mittlerweile verschwunden und so sind MGŁA heute die erste Band, die im Dunklen spielt, was die Atmosphäre noch mehr steigert. Hier und da sind die Songs leider etwas untight gespielt und der Beckensound besticht nicht mit der Brillanz, die nötig wäre, um Schlagzeugaction a lá „Exercises In Futility V“ live so zu feiern, wie auf Platte. Dennoch ein Auftritt, der mich schwer begeistert!

IMG_0367

Zwei Jahre ist es her, seitdem OBITUARY das letzte Mal in Schlotheim gespielt haben. Viel hat sich seitdem nicht verändert. Die Bühnenperformance und -präsenz ist immernoch sehr hoch, Experimente und Überraschungen sucht man immernoch vergebens. Doch spielte die Florida-Walze im Jahre 2014 nur einen Vorabtrack des immernoch aktuellen Albums „Inked in Blood“, so findet man heute einige neue Songs mehr im präzise gezimmerten Set der Amis. Dennoch dürfen altbekannte Klassiker nicht fehlen, und so wird die Show mit dem Titeltrack der ersten Plate „Slowly We Rot“ beendet. Ein feines Fest!

Mittlerweile regnet es wieder und der Wind frischt auf. Es wird reichlich unangenehm. Das beschissene Scheißdrecksmistdreckscheißf*ckf*tzendreckscheißdrecksmist-Wetter und eine ewig währende Umbaupause sorgen so dafür, dass PARADISE LOST nicht mehr allzu viele Leute vor der Bühne halten können. Obwohl sowohl Songs von „The Plague Within“ als auch Bandklassiker das Set zieren, schwinden mehr und mehr die Kräfte und Zuschauer. Nick Holmes macht charismatische Ansagen, begeistert mich gesanglich aber leider nur in Auszügen, sodass ich mich auch noch vor dem Ende des Sets in mein Zelt begebe und penne.

IMG_0470

Freitag, 12.8.


Wenigstens einen positiven Aspekt hat das schlechte Wetter: ich kann schlafen. Die Temperaturen sind für August ziemlich niedrig und so zwingt mich die Sonne nicht schon zu früher Stunde aus dem Schlafsack. Nachdem ich mit dem Gefühl, 14 Stunden geschlafen zu haben erwache, muss ich erstmal nachsehen, wie spät es wirklich ist. Handyakku leer, Uhr nicht dabei, Sonnenuhr kaputt. Der nächste Zeitmesser befindet sich in meiner Karre und sagt mir, dass ich gerade mal sechs Stunden geschlafen habe und die ersten Bands in fünf Stunden anfangen. Somit leg ich mich nochmal hin und bekomme wirklich den längsten und erholsamsten Schlaf seit Wacken.

Eigentlich will ich mir unbedingt ISVIND angucken, doch da die Schlange an bestimmten sanitären Einrichtungen länger ist, als der Weg vom Auenland nach Mordor, verpasse ich die Norweger. Manchmal muss man leider Prioritäten setzen…

Die nächste Band, die ich mir ansehe, sind GOATWHORE aus New Orleans. Sofort fällt mir auf: der Sound ist heute deutlich besser als am Vortag. Spürbar leiser, aber differenzierter schallen die Südstaatler über das Gelände. Ihre souveräne Mischung aus Black, Death und Thrash prügelt sehr überzeugend über das Publikum hinweg. Zwischenzeitlich humpelt mir die Bassdrum aber irgendwie zusehr, wobei ich nicht weiß, ob das an Drummer Zack Simmons oder dem Sound liegt. Zum Ende hin wirkt das Set der Amerikaner recht langatmig auf mich, was aber auch an dem immernoch bekackten Wetter und meiner kaum weichen wollenden Müdigkeit liegen kann.

GOATWHORE sind alles andere als soft und dennoch zimmern mir WOLFBRIGADE kurz darauf noch um Längen mehr in die Fresse. Der Crust der Schweden feiert den D-Beat in all seiner Pracht und wirkt vielleicht deswegen so aggressiv, da sich der Sound stark von den bisherigen Bands unterscheidet.

Eins meiner absoluten Highlights am zweiten Tag: OBSCURA. Das Quartett um einziges Gründungsmitglied Steffen Kummerer ist heute das „Kontrastprogramm zu den anderen Bands“, wie der Gitarrist und Sänger mehrfach und stolz wie Oskar betont. Die Münchner sind nicht nur die Band mit den wahrscheinlich schönsten Haaren und meisten Saiten pro Bandmitglied auf diesem Festival, sondern auch die wohl technisch versierteste. Der Fokus liegt auf Songs des aktuellen Albums „Akróasis“, wobei mich die Fähigkeiten von Neu-Gitarrist Rafael Trujillo komplett umhauen. Auch Schlagzeuger „Sekrasstian“ Lanser, der sonst bei PANZERBALLETT spielt, ist heute nicht zu toppen, während Bassist Linus Klausenitzer für die nötige Agilität auf der Bühne sorgt. Ein grandioses Konzert, bei welchem mir aber leider der Übersong „Incarnated“ gefehlt hat.

IMG_0215

Das Schweizer Duo BÖLZER spielte vor zwei Jahren noch im Zelt, dieses Jahr wird die Hauptbühne unsicher gemacht. Obwohl hier nur zwei Mann auf der Bühne stehen, ist der Sound vor der Bühne aber eher enttäuschend. Und auch der Monitorsound kann für die beiden Jungs nicht allzu geil gewesen sein, denn hin und wieder verlieren sich die beiden und müssen dann straucheln, um wieder zusammenzufinden. Besonders kritisch wird dies bei meinem Favoriten „Entranced By The Wolfshook“, der kurzzeitig zu zerfallen droht. Dennoch find ich die Show sehr eindrucksvoll und kurzweilig, aufgrund der äußeren Umstände aber unter den Erwartungen zurück bleibend.

ANGELCORPSE haben mir im Vorfeld gar nichts gesagt, doch live überrascht mich das, was ich von dem Trio aus Tampa mitbekomme dann doch mit einer Wand, die ich dieser minimalistischen Besetzung gar nicht zugetraut hätte.

DESTRÖYER 666 verpasse ich leider komplett und auch von EQUILIBRIUM, die auf dem Party.San die Releaseshow für das neue Album „Armageddon“ spielen, bekomme ich nicht viel mit. Allerdings sind die Aussagen, die mir zu Ohren kommen, voll des Lobes und berichten von einem gut aufgelegten Robse, und einer Band, die souverän ein sehr geiles Set spielt.

VIDARGÄNGR, die ich zwischenzeitlich im Zelt sehe, sind noch so eine Band, mit der ich mich im Vorfeld viel zu wenig beschäftigt habe. Doch dies wird sich nach ihrem Auftritt ändern, denn die Leipziger wissen mein Interesse zu wecken. Zwar kann ich nicht das gesamte Set verfolgen, doch die Songs, die ich miterleben darf, begeistern mich definitiv! Eine Black Metal Band, die ich unbedingt auf dem Zettel behalten muss!

Auch DECEMBRE NOIR spielen im Zelt, wohin es mich mehr oder weniger absichtlich verschlägt. Doch der Zufall ist oftmals gnädig und so bekomme ich auch hier eine Band geboten, die ich vorab unterschätzt habe. Mal sehen, ob es vor den heimischen Boxen ähnlich wirkt, aber live hinterlässt das hier Gebotene deutlich Eindruck. Vielleicht auch, weil erfrischender Weise mal ruhigere Töne angeschlagen werden, als den Rest des Tages über.

Wenig später heißt es: Scheiß auf ruhige Töne. DYING FETUS zerlegen die Hauptbühne und können in mehrerlei Hinsicht vom Wetter zehren. Denn es hat aufgehört zu Regnen und zu Stürmen, es herrschen angenehme Temperaturen und Windstille. Resultat dessen ist, dass sich die meisten Zuschauer des heutigen Tages vor der Bühne finden und der Sound ohne wetterbedingte Störungen auskommt, womit er zum besten des bisherigen Festivals wird. Ich bin völlig davon begeistert, wie präzise und tight diese Band spielt. Und das obwohl hier ohne Click gearbeitet wird und es zahlreiche Tempowechsel gibt. Zu keiner Sekunde verlieren sich die drei Bandmitglieder, John Gallagher röhrt und kniedelt, dass es ein wahres Fest ist. Und trotz der Tatsache, dass einige Favoriten und Hits wie „One Shot, One Kill“, „Kill your mother, rape your dog“ und „Invert the Idols“ in der Setlist fehlen, bleibt der Auftritt für mich das euphorisierendste Highlight des Tages.

IMG_0151

Sowohl EXODUS als auch CARCASS können im Anschluss nicht mehr an das anknüpfen, was DYING FETUS zuvor geliefert haben. Weder die Thrash Titanen noch die Liverpooler Deathgrinder spielen schlechte Konzerte, und bis zum letzten Ton versammeln sich Fans vor der Bühne und feiern was das Zeug hält. Doch für mich bleibt nach DYING FETUS nur verbrannte Erde.

Samstag, 13.8.


Der dritte Festivalmorgen endet temperaturbedingt früher als erwartet. Denn was in den letzten Tagen an Sonne fehlte, bekommen wir nun konzentriert zurück. Doch die ballernde Wärme ist nicht das Einzige, womit wir uns rumschlagen müssen. In der Nacht wurden etliche Diebstähle begangen, die zu unser aller Frustration auch Leute aus unserem Camp betreffen. An dieser Stelle kann man der Security keine Vorwürfe machen, die regelmäßig auf dem Gelände patrouillierte, unsere Schadensmeldung aufnahm und zumindest mir in keiner Weise unangenehm auffiel. Von den Dieben gefasst werden konnte keiner, jedoch soll es sich um Kinder aus einem nahegelegenen Wohngebiet gehandelt haben. Eine beschissene Aktion, die den Tag nicht grade rosig starten lässt.

Die erste Band, die ich sehen kann, sind SULPHUR AEON, die auf der Bühne atmosphärischen, von Lovecraft inspirierten Death Metal abliefern und bei gutem Sound live das halten, was sie auf Platte versprechen.

Was ich im Anschluss von SUICIDAL ANGELS sehe, sorgt bei mir für irgendwas zwischen Ernüchterung und Langeweile. Ich weiß, dass die Griechen ziemlich gefeiert werden, aber mir kommt das, was hier aufgeführt wird, ziemlich unspektakulär vor. Wieder muss ich daran denken, dass es für alles die entsprechende Zeit gibt und ich das Gefühl habe, dass im Bereich Thrash Metal spätestens Mitte der 90er alles gesagt wurde.

MOSAIC begeistern mich wenig später von der Zeltbühne aus. Im Programmheftchen als Jubiläumskonzert und bunte Mischung aus Black Metal, Neofolk und Ambient angekündigt, fesselt mich der stimmungsvolle Sound der Thüringer bis zuletzt. Dies ist wirklich mal ein Konzert, das leider viel zu kurz war.

IMG_0759

Für NIFELHEIM hab ich mich eigentlich nie interessiert und vermutlich werd ich die Band auch in Zukunft nicht hören, wenn ich mich zum Entspannen in die Wanne lege, aber live macht das hier durchaus Spaß. Zwischen fast allen Songs werden NIFELHEIM-Sprechchöre laut und die Fans rasten aus, was die Band mit entsprechender Spielfreude zurückzahlt!

Hatte ich irgendwann schon mal erwähnt, dass es für alles die richtige Zeit und den richtigen Ort gibt? GRAVE wirken auf mich ziemlich überholt, weswegen ich dem Set der Schweden auch nur mit einem halben Ohr lausche. Objektiv betrachtet, gibt es hier natürlich nichts auszusetzen: es gibt rotzig groovenden old school Death Metal, der auf einen nicht gerade kleinen Zuschauerkreis eine beeindruckende Wirkung ausübt. Mich lässt das Set indes eher kalt.

IMMOLATION. Zum zweiten Mal innerhalb von zwei Wochen sehe ich die New Yorker heute. Wie bereits in Wacken (Silence berichtete) sind die Jungs nur zu dritt, da Gitarrist Bill Taylor im Krankenhaus behandelt werden muss. Und nach erneuter Betrachtung muss ich sagen, dass die Dreierbesetzung der Band wirklich nicht gut tut. Die Songs sind leider nicht auf die Aufführung zu dritt zugeschnitten, weswegen es bei den zahlreichen Solopassagen verheerende Dynamikeinbrüche gibt. Obendrauf kommt ein miserabler Sound. Die Gitarre klingt zwar etwas besser als letzte Woche, sodass man zumindest die charakteristischen Riffs von Bob Vigna heraushören kann. Doch das Schlagzeug schmeichelt dem Gehörgang ungefähr so sehr wie Ohrenstäbchen aus Stahlwolle. Für mich einer der enttäuschendsten Auftritte dieses Festivals.

IMG_0978

Es ist für mich das erste Mal, dass ich TAAKE live sehe. Auf Platte hat mich die Band nie wirklich abgeholt, allerdings wird der angenehm melodische Black Metal der Norweger hier sehr gut dargeboten. Hoest liefert einige merk- bis fragwürdige Ansagen an das Publikum (unter anderem „Allahu Akhbar“) und verschwindet zwischenzeitlich minutenlang hinter der Bühne. In musikalischer Hinsicht ein guter Auftritt, der für mich allerdings ohne Langzeitwirkung bleibt.

SODOM (bzw. WODOS) haben mich ebenfalls nie gepackt, wissen auf der Bühne aber ohne Frage, was sie tun. Und darunter fällt zum Beispiel, sich nicht anmerken lassen, dass man nur zu dritt ist. Denn fett ist das Gebotene schon, allerdings hab zumindest ich nach zwei Songs alles gehört, weswegen sich der Rest des Sets recht langatmig anfühlt.

Die letzte Band des Festivals ist AT THE GATES. Für die Umbaupause ist zwar bereits eine halbe Stunde Zeit eingeplant und dennoch zieht sich der Soundcheck noch länger hin. Die Schweden tun mir leider nicht den Gefallen, „Gardens Of Grief“ in Gänze zu spielen, doch darüber hinaus werden Songs aller Alben rausgekramt und bei feinem Sound unter das Publikum gebracht. Tompa Lindberg bedankt sich vielfach bei den Leuten, die „noch“ wach geblieben sind und läuft während des Konzerts bestimmt einige Kilometer auf der Bühne. Ein Klassiker folgt auf den nächsten, bis relativ weit hinten im Set der Bandhit „Blinded by Fear“ erklingt. Wenig später endet die Show der Schweden, die das Festival zu einem würdigen Abschluss geführt haben.

Und wieder ist ein Party.San zu Ende. Wieder gab es wunderbare Konzerte, geile Bands und nette Leute und das alles in schöner Umgebung und in angenehmer Größe. Was damit einhergeht, sind akzeptable (und im Vergleich zu anderen Großveranstaltungen recht niedrige) Preise für Speisen und Getränke, an deren Auswahl es nicht mangelt. Das meiste Geld hab ich jedoch auch dieses Jahr wieder mal am Season of Mist Stand gelassen, den ich nur immer wieder anpreisen kann und jedes mal wieder dazu bringt, mich den Rest des Monats nur noch von Toastbrot und Konservenwurst ernähren zu können.

IMG_1011

Was mir im Unterschied zu den Vorjahren aufgefallen ist, sind die jungen, attraktiven Zigarettenstandträger, die auf dem Festivalgelände umherwandeln und versuchen, Benson & Hedges zu verkaufen. Eine Tatsache, die ich sonst nur von Wacken oder dem Summer Breeze kenne. Mir als Nichtraucher ist das relativ egal, trotzdem habe ich mich in Anbetracht dessen gefragt, ob das vielleicht ein Indikator für das allmähliche Wachstum des Schlotheimer Festivals ist. Die Zukunft wird es zeigen. Bereits jetzt sind einige Bands für nächstes Jahr bestätigt, die Bock auf mehr machen. Wir werden mit Sicherheit am Start sein!

 


Du liest diesen Beitrag, weil unsere Autoren lieben was Sie tun - wenn du Ihre Arbeit liebst kannst du uns, wie andere schon, unterstützen. Wie? mit einem kleinen monatlichen Beitrag über silence-magazin@patreon Patreon
Vorheriger Beitrag

FREI.WILD kündigen das Ende an: Auflösung? Vorerst...

Nächster Beitrag

Willkommen im Ghetto!

2 Kommentare

  1. Winterkälte
    Winterkälte
    16. August 2016 bei 17:34 — Antworten

    Robert du bist ein echter Gourmett und Nörgler zugleich. Ganz nach meinem Geschmack! Ich werde vlt nächstes Jahr mich auch dorthin bequemen, immerhin spielen Urfaust. Und wehe du schreibst da was anderes als „großartig“ oder „nicht zu toppen“, hahaha.

    Grüße

    Möse

    • Robert
      30. August 2016 bei 18:12 — Antworten

      Danke dir für die lieben Worte Meiner! =)
      Wird gemacht!

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.