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BEN BLUTZUKKER – Ein Pirate Metal Baukasten

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BEN BLUTZUKKER – Riptide
Veröffentlichungsdatum: 06.10.2017
Länge: 20:55
Label: Self-Released
Stil: Black Metal

Das nenne ich mal harten Tobak. BEN BLUTZUKKER serviert nicht nur musikalisch eine Blaupause für jeden zukünftigen “blackened” ALESTORM-Song. Sein Stop-Motion-Musikvideo zu “Riptide” lässt Piraten aus Lego gut aussehen. Als wäre der Name noch nicht verrückt genug, will der Herr wohl auch visuell unsere Lachmuskeln trainieren!

Um es vorne weg zu nehmen, Stop-Motion Musikvideos sind keine neue Erfindung. Viele Bands haben es schon für sich genutzt und mindestens genauso viele Fans ein Cover in diesem Stil mit Lego-Spielfiguren hochgeladen. Nichtsdestotrotz lässt das Piratenabenteuer mein Kinderherz höher schlagen, grottig animiert ist es ja zum Glück nicht. Ein weiterer Pluspunkt: die EP mit Bonusinhalten kann man auch als USB-Stick erwerben. Und dieses Paket kommt, wer hätte etwas anderes erwartet, als Lego-Männchen aus dem Musikvideo daher. So geht Marketing!

Instrumental begleitet diesen Erguss des ehemaligen Dark Wave-Künstlers eine Mischung aus Black- und Folk-Metal. Erinnerungen an die neueste Auskopplung von ABBATH werden sofort geweckt. Träge, eintönige Verse werden von zunehmend hochtrabenderen Refrains getragen. Der Opener und Verheißer “Riptide” pointiert hier zwar gut, kommt aber nicht an “Stab By Stab” heran. Dieses überzeugt durch sein thrashiges Momentum und die Slap Bass-Einlage – Inspiration für das Stück war eine Geschichte von Bram Stoker. Dennoch hakt es an den selben Stellen wie auch bei den zahlreichen Projekten in der groovigen, rockigeren Welt des Black Metal. Stellvertretend hierfür steht das Cover “Six Sec Sex”, was zwar durch den lustigen Text immer noch zu überzeugen weiß, aber ILLWILLs fundamentale Probleme wieder aufleben lässt.

An dem immer wiederkehrenden Ablauf ändert auch die Piraten-Stimme nichts zum Guten. Was die Supergroup (KING DIAMOND, MERCYFUL FATE) damals vom Stapel ließ, hat mir aber noch nie so richtig gefallen. Vielleicht bin ich dafür zu voreingenommen. Das gilt wohl auch für die anderen Themen der Scheibe, die nur unter Alkoholeinfluss einer näheren Betrachtung standhalten. Blutsauger, mit der Arbeit nie zufrieden gestellte Musiker und Piraten schreien nicht gerade nach mehr als Spaß-Projekt. Das ist in diesem Fall aber auch absolut gut so. Womit “Stab By Stab” brilliert, kann “Bloodlust” eben auch. Dafür braucht es keine ausufernden Schnörkel. Trotzdem gehen mir die immer gleichen langsamen Verse irgendwann auf den Senkel. An wen denke ich bei diesen zutiefst vereinnahmenden Gähnern nur? Und kaum denke ich, nie darauf zu kommen, ruft ein Mitglied unserer Redaktion den Namen wieder in mein Gedächtnis.
Um dazu mal einen anonymen Medienfutzi zu zitieren:

“Das klingt wie SATYRICON meinen Ohren!”

Da wird man ja wohl noch lachen dürfen

Musikalischer Mehrwert hin oder her – BEN BLUTZUKKERs Form der Unterhaltung zielt darauf ab, zu bespaßen. Und soweit ich mich erinnern kann, ist Lachen immer noch ein großer Bestandteil des Entertainments. Solange ihr euch das nicht abtrainiert habt, dürfte diese musikgewordene Bierpreis-Bremse euch gefallen. Zusätzlich ist dieses Soloprojekt – zum Glück – sehr gut produziert und umgesetzt. Nicht ein [plontiertes] Haar bleibt still auf dem anderen liegen, wenn Ben schreit, “Are we a battle cruiser? Or just a banana boat?”. Nehmt euch einfach nicht so ernst und lasst die Matte fliegen. Du bist kein Schlachtschiff! Wir alle sind nur wankende Bananenboote in der steten Brandung von Dur und Moll.

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Bild mit freundlicher Genehmigung von Ben Blutzukker

Autorenbewertung

7
Wer einmal in die Welt von "Riptide" abtaucht ist entweder ganz schnell wieder an der Oberfläche oder verweilt dort erst ein mal. Dabei ist die Lebensfreude des gesamten Projekts mit Vorsicht zu genießen. Wer gähnt, hat in kürzester Zeit viel Wasser in der Lunge. Vorausgesetzt, dass die Musik einen bis dahin nicht zu Tode gelangweilt hat, wurde man trotzdem zu genüge unterhalten.
ø 4.8 / 5 bei 1 Benutzerbewertungen
7 / 10 Punkten

Vorteile

+ eingängig
+ saubere Produktion
+ Gitarren dürfen wenigstens in den Refrains atmen
+ erstklassige Piraten-Vocals

Nachteile

- monotone Strophen
- Themen-Party-Texte gewinnen die Überhand
- vorhersehbar

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