Blackrout – Orwellian

Veröffentlichungsdatum: 12.3.2015
Dauer: 48:10
Label: Eigenproduktion

BLACKROUT sind eine 2008 gegründete und in der jetzigen Form seit 2013 existente Band. Die vier Jungs aus Bochum bezeichnen ihren Stil als „Groove Death Prog Thrash“, wobei ich auf „Orwellian“ davon nur Prädikat zwei und vier wiederfinde.

Das Debüt von BLACKROUT beginnt mit dem Stück „Disenlightenment“, welches sich vor allem durch die redundante Verwendung einiger weniger Riffs auszeichnet. Der zweite Song „…More equal than the others“ wirkt dann schon etwas umfangreicher und schielt stark in Richtung GOJIRA.
„Ectogenesis“ packt anschließend die tiefgestimmte Thrash-Keule aus, stilecht mit Soli, die in SLAYER-Manier jenseits jeglicher Tonalität liegen. Allerdings klingt das Schlagzeug hier so steril und statisch als wäre es programmiert.
Was der folgende „Reichstagsbrand“ mit Dosenbier zu tun hat, erschließt sich mir nicht, dennoch beginnt der vierte Song der Platte mit dem Geräusch einer in Alu gewickelten Hopfenkaltschale, die gerade geöffnet wird. Wem’s gefällt…

Ein ruhiges Intro eröffnet „Drone Pilot“, bevor das folgende links-rechts Panorama der Gitarren zeigt, wie diese im Einzelnen klingen, nämlich: nicht gut. Ich habe das Gefühl, dass hier unfassbar viel mit Kompression gearbeitet wurde, was das Hörvergnügen umgekehrt proportional zu steigender Plattenlänge sinken lässt.

„Born in Fallujah“ beginnt mit einem sehr geilen, orientalisch anmutenden Intro, bevor der eigentliche Song losdrischt, der stark an AT THE GATES erinnert. Leider findet keine Verknüpfung mit dem starken Intro statt, hier hätte man durchaus in ’ner orientalischen Skale weiterarbeiten können, aber da häng‘ ich mich vermutlich zu weit rein.
„By clockwork driven“  beherbergt ebenfalls ein schönes Intro, bei dem der Bass fast schon TOOL-ig eingesetzt wird. Später wird dann „Orion“ von METALLICA verfremdet.

Sänger Ouzi rotzt die Texte meist unabhängig von der Rhythmik der restlichen Instrumente über die Songs, was ziemlich willkürlich klingt und eine Bindung zwischen Musik und Text verhindert.

Die größten Schwächen offenbaren BLACKROUT bei der ausbaufähigen technischen Umsetzung ihrer Stücke. Gleiches gilt für die durchschnittlichen Texte, die teils holprig daherkommen und auch vor Phrasendrescherei nicht zurückschrecken:

„I filled my life with days instead to fill my days with life“ („By Clockwork Driven“).

Der Sound erschwert den Zugang obendrein. Das Songwriting wirkt leider nicht konsequent durchdacht, dürftig arrangiert und spätestens zum Ende des Albums hin redundant. Gute Ideen, die es hier öfter gibt, werden zu schnell verworfen und nicht wieder aufgegriffen, wohingegen schwache Riffs oft wiederholt werden und Längen generieren. Die meist überlangen Lieder können kaum Spannungsbögen aufweisen, weder in sich, noch in ihrer Gesamtheit. So fühlt es sich an, als endete „Leaving the homes of penetration“ und damit die Platte ziemlich abrupt, ohne etwas im Ohr zu hinterlassen.

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Autorenbewertung

4
Es gibt Platten, bei denen man Sounddefizite ausblenden kann. „Orwellian“ gehört nicht dazu. Blackrout zeigen auf ihrem Debüt, dass es ihnen nicht an guten Ideen mangelt, die Umsetzung wirkt indes dürftig, die Jungs haben noch viel Luft nach oben. Wer mit etwas geringeren Ansprüchen herangeht, für den kann „Orwellian“ eine sehr unterhaltsame Platte sein, die bei entsprechendem Publikum/Pegel auch live zünden wird.
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4 / 10 Punkten

Vorteile

+ interessante Ideen

Nachteile

- anstrengender Sound - schwache Arrangements - Texte sind weit von Orwell entfernt - vielversprechende Ideen werden nicht konsequent umgesetzt

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