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CLANDESTINE BLAZE – es muss schmerzen

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CLANDESTINE BLAZE – City Of Slaughter
Veröffentlichungsdatum: 12.02.2017
Dauer: 38:54 Min.
Label: Northern Heritage

Asche auf mein Haupt! Ich habe beinahe eines der besten Black-Metal-Alben dieses Jahres verpennt. Alleinkämpfer Mikko Aspa (unter anderem STABAT MATER, DEATHSPELL OMEGA) scheint momentan in der Blüte seiner Kreativität zu sein. Er verschandelt unsere Welt aller zwei bis drei Jahre in schönster Regelmäßigkeit mit seinen bösartigen Ergüssen. Auch dieses Mal hat sich der Finne redlich bemüht, um jedem von uns wieder vor den Kopf zu stoßen. Denn CLANDESTINE BLAZE polarisieren seit Anfangstagen mit antireligiösen, stark provokanten Texten, die sich gegen jede Religion wenden. Des Weiteren werden durchaus krasse Tabuthemen thematisiert, die Aspa in immer wiederkehrenden Diskussionen als einen zwielichtigen Typen darstellen. Willkommen im Black Metal. Wo das Korrekte ausgelacht und bewusst verhöhnt wird.

Mutti, der Mann mit der ekelhaften Stimme ist wieder da!

Wer die Band verfolgt, weiß ganz genau was ihn erwartet. Black Metal der zweiten Welle in seiner reinsten Form und doch eigenwillig. Das liegt an dem wahrhaft kranken Organ von Mikko, der einem mit jedem Wort das Blut in den Adern gefrieren lässt. Egal wo er auch singen mag. Seine Stimme erkennt man in der Metalszene immer. Bei CLANDESTINE BLAZE ist das nicht anders. Egal ob heroisches Marschieren (“Remembrance of a Ruin”) oder pure 90er-Raserei (“The Voice of Our Mythical Past”). Dieser Kerl schafft es, mit minimalen Mitteln und gewohnter Leidenschaft etwas Originelles zu basteln. Dafür braucht es keine komplexen Breaks, keinen Keyboardkitsch. Und auch niemanden, der vermeintlich heldenhaft sein Leid jodelt.

Hier habt ihr ein Album das mehr denn je für die Ideale dieser Szene steht:

Passion, Authentizität und Innovation

Spezialist für Tabu und Perversion: Mikko Aspa

Kennste einen, kennste alle? Nicht mit CLANDESTINE BLAZE!

Das ist wohl der häufigste Satz, den man eventuell bringen könnte. Hauptsächlich spielt sich alles im schleppenden Gang, teutonischen Midtempo oder Blastbeat ab. Es kommen zwar Bläser oder geringe Einspielungen von einer Orgel vor, doch meist regiert die unbändige Wut auf der Platte. Stört mich allerdings keinesfalls. Denn das Songkonstrukt lockert der Meister geschickt durch Soli und ungewöhnliche Melodien auf.

“Prelude Of Slaughter” besticht unter anderem durch seinen ruhigen Kontrast, welcher nur durch die kranken Botschaften unterbrochen wird. Er könnte somit auch auf den elektronischen Outputs von Aspa stehen. Das schafft unwohle Momente und Gedanken. So wie es sein soll. Währenddessen entpuppt sich der Anschlusstreffer “Return Into The City Of Slaughter” als würdiger Kandidat für ein altes Album von DARKTHRONE. Durch sphärische Collagen überrascht der Track oft ohne Schlagzeug. Und wenn es einsetzt, dann bedächtig im Kriechgang.

Mit “Archeopsychic Fear” werden sogar Erinnerungen an DEATHSPELL OMEGA (circa 2004) wach. Definitiv ein Höhepunkt auf “City Of Slaughter”, der mit “Century Of Fire” einen würdigen Abschluss bekommt.

Epilog

Man mag dieser Band Grausamkeit, Menschenhass, oder auch zum Teil unbegründete Vorurteile entgegenwerfen. Fakt ist jedoch eines: CLANDESTINE BLAZE stehen mehr denn je für den unangepassten Metal unserer Zeit. Dafür zolle ich der Band meinen Respekt und werde eventuell nach mehreren Durchläufen meine Note nach oben hin ausbessern.

Koste HIER von der Finsternis

Bild mit freundlicher Genehmigung von Mikko Aspa

Autorenbewertung

7
Wem der Black Metal die letzten Jahre zu glattgebügelt war, der findet mit "City Of Slaughter" endlich seinen Segen. Dieses Album streckt dir seinen stacheligen Mittelfinger entgegen und dürfte vielen ordentlich vor den Kopf stoßen.
ø 0 / 5 bei 0 Benutzerbewertungen
7 / 10 Punkten

Vorteile

+ eine Stimme wie Stacheldraht
+ roher Klang
+ jedes Stück hat einen eigenen Charakter

Nachteile

- kommt leider nicht an frühe Glanztaten heran

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2 Kommentare

  1. Lodenschwein
    4. März 2017 bei 9:21 — Antworten

    Oh oh, da fühlt man ja als BM Fan im Zugzwang.
    Das klingt ja mal nicht übel. Ich kenn CB von diversen Splits aber das was du als Vorteil hervor hebst ist das worauf ich gar nicht klar komme. Die Stimme!!!! Ein Graus seit eh und je. Vielleicht sollte ich der neuen Scheibe nochmal ne Chance geben 😉

    • Hannes
      6. März 2017 bei 16:51 — Antworten

      Werter Herr Lodenschwein,

      bitte hören sie sich das Album ohne Unterbrechung 3 Tage lang an. Ansonsten kann ich sie nicht ernst nehmen, denn das Album ist formidabel! 🙂

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