Home»Lifestyle»Kolumnen»Core Classics #20 – All Shall Perish

Core Classics #20 – All Shall Perish

0
Shares
Pinterest Google+

Hier bekommt ihr eure wöchentliche Dosis an Core-Alben mit Legenden-Status. Viele Vorurteile gegenüber dieser Musikrichtung konnten ja bereits schon ausgelöscht werden. Und genau deswegen gibt es jetzt auch diese Kolumne, denn ich kann sie schreiben und mich danach immer noch auf die Straße trauen!

ALL SHALL PERISH – Hate. Malice. Revenge
Veröffentlichungsdatum: 19.04.2003
Länge: 36:08 Min.
Label: Amputated Vein (Japan), Nuclear Blast (US)

Selten sind Bandname und Albumtitel so passend wie bei diesem Prachtexemplar der Deathcore-Geschichte. Ja, ihr habt richtig gelesen, heute geht es um das Genre, was dank Mitch Lucker-Gedenksprüchen auf den Profilen tausender potenzieller MySpace-User, den Respekt von einigen Individuen in der Metal-Szene verloren hat. Die angebliche Kommerzialisierung und der Verfall des Genres sind leider für Außenstehende fast schon nachweisbar. Mit der steigenden Popularität von primitiverem Songwriting und der Glorifizierung von uninspirierten Riffs sowie Breakdowns, die nur da sind weil es ja welche geben muss, wirkt es auf den gewöhnlichen Metal und Hardcore sehr stumpf. Das geht sogar so weit, dass auf Wikipedia ein Abschnitt der Kritik am Deathcore ungerechtfertigterweise gewidmet wird.

Betrachtet man das eigentliche Problem jedoch genauer, merkt man sofort was los ist. Ähnlich wie Fans vieler anderer Musik-Genres fällt es Death Metal-Fans schwer, neue Leute in ihren exklusiven Club aufzunehmen, die nicht ihrem typischen Fan-Bild entsprechen. Das Posertum lebt ja bekanntlicherweise nur in den Core-Genres und hört harte Musik nur als Phase oder um cool zu wirken. Warum sich die gleichen Leute, die solche Poser verabscheuen, mit hässlichen und billigen Totenkopf- und Band-Tattoos zukleistern um ihre Zugehörigkeit zur brutalen Übermacht der Gehörlosen zu zeigen, war mir nie bewusst. Letztendlich kann man sagen, wer Musik macht, die von Death Metal und Breakdowns inspiriert ist, der kann oft nur so stumpf sein wie seine Quellen. Musikalische Qualität ist kein Faktor nachdem hier gemessen wird. Die vielen, simpel gestrickten Death Metal-Bands sind schnell vergessen und das alles nur, um die eigene Angst vor einer Modernisierung des Lieblings-Stils zu rechtfertigen.

Aber kommen wir nun zum Wesentlichen: Mit wem fing der Spaß denn damals überhaupt an? Die bekanntesten Genre-Väter sind wahrscheinlich THE ACACIA STRAINDESPISED ICON, ANTAGONY, SUFFOCATION (wegen dem Einbau von Breakdowns) und eben ALL SHALL PERISH. Der Terminus Deathcore sollte zwar damals EARTH CRISIS beschreiben, was ziemlich fehl am Platz ist, wenn man den Hardcore-lastigen Metalcore hört, den diese eigentlich spielen. Aber mit denen beschäftigen wir uns in einer anderen Folge. Die Jahre 2001 bis 2003 sind die wichtigsten für die Geschichte des Breakdown-vernarrten Deathcores. So hatten experimentierfreudige Ohren 2001 die Platte “See Through These Eyes” von ANTAGONY auf dem Teller und ein Jahr später durfte man DESPISED ICONs “Consumed by Your Poison” genießen. Im Jahr 2003 erschien dann dieser Gaumenschmaus von ALL SHALL PERISH, den wir gleich besprechen wollen. Eine heilige Dreifaltigkeit war geboren.

Death Metal als Beatdown

Und wie genau klingt jetzt das letzte Stück im Deathcore-Puzzle? Breakdowns, viele Breakdowns. Ungefähr 10 Minuten dieses Albums dürften es sein, die mit diesen Zusammenbrüchen in den Songstrukturen ausgefüllt werden. Ganz wichtig sind damals auch schon Blast Beats und Pig Squeals, die Breakdowns ankündigen. Und dazu kommen Riffs die Laune machen und sogar Tempo, Tempo und nochmal Tempo! Bei den vielen Downbeat-Deathcore-Bands, die ihre dreiminütigen Lachnummern von Songs heutzutage mit der Geschwindigkeit von ca. einer Note aller 30 Sekunden runterspielen, sind Lieder wie “Laid To Rest” von diesem Album ein Segen für die Seele. Das Endergebnis erinnert viel mehr an traditionellen Death Metal als Beatdown und das ist auch gut so. Viel länger als 30 Minuten würde man ein Fest aus schlecht gemachten, ständig wiederholten Breakdowns auch nicht aushalten. Das sollte man vielleicht einigen jüngeren und kleineren Bands so als Tipp mit auf den Weg geben.

Genau solche Tipps brauchten die US-Amerikaner Anfang der 2000er nicht. Mit diesem und den folgenden drei Alben erfanden sie sich jedes Mal ein kleines bisschen neu, was Qualität und Quantität betrifft. Auch wenn der Gesang bereits auf diesem Album schon sehr gut war, setzen sich die späteren Veröffentlichungen stark von dieser hier ab. Der Grund dafür: ein neuer Mann schreit wie ein Besenkter ins Mikrofon. Und was ist an dem jetzt anders? Der jetzige SUICIDE SILENCE-Frontmann Eddie Hermida kann es einfach tausendmal besser, er ist wie ein Sänger aus einem schlechten Infomercial. Nur das in seinem Fall alles stimmt, was über seine tiefen und hohen Screams erzählt wird. Deshalb war eine der besseren Nachrichten für Deathcore-Fans in 2015, dass er der Band seine Stimmbänder auch in den kommenden Jahren wieder leiht. Nach einer Auflösung soll es jetzt nämlich weitergehen. Ich bezweifle aber, dass der werte Herr Hermide noch Zeit dafür erübrigen kann, wenn er damit beschäftigt ist, merkwürdige Garagen-Demos mit SUICIDE SILENCE aufzunehmen. Ich meine, schaut euch nur die Dislikes an, dann wisst ihr woran er gerade ist. Der alte Sänger in ALL SHALL PERISH klingt auf dieser Scheibe hier dann doch etwas präziser und besser.

Fazit

Ein alter Schinken, der leider zu vielen Deathcore-Fans, die sich erst seit 2008, dank Gestalten wie WHITECHAPEL und SUICIDE SILENCE, aus ihrem Hot Topic trauen, kein Begriff ist. Schade eigentlich, denn er hat all das, woran es dem größten Anteil an Bands heutzutage mangelt. Das besondere Aroma wird hierbei von der Eigenmarke “Achselhöhlen- und Poritzenschweiß von Death Metal-Fans der späten 1990er” erzeugt, an der sich viele Leute, meiner Meinung nach, öfter bedienen dürfen. Auch wenn es lyrisch immer noch von den typisch fiesen Themen wie Rache, Hass und Mord handelt, sind diese in einer wesentlich gereifteren Form niedergeschrieben als heutzutage. Da finden sich bei CARNIFEX und Co. Texte über Mordgelüste und Rachepläne, die Jeremy Tyler Müller wahrscheinlich hat, wenn seine herzallerliebste Mutter seine Skinny-Jeans zu heiß gewaschen hat. Dann passen die nicht einmal mehr dem Skelett von Ana Carolina Reston.

Bilder mit freundlicher Genehmigung von All Shall perish und All Shall perish

Du liest diesen Beitrag, weil unsere Autoren lieben, was sie tun - wenn du ihre Arbeit liebst, kannst du uns, wie andere schon, unterstützen. Wie? Mit einem kleinen monatlichen Beitrag über silence-magazin@patreon Patreon
Vorheriger Beitrag

Gute Abstimmung, wenig Biss - Hydra

Nächster Beitrag

Entsteht hier gerade die Zukunft? - Jupiter Hollow

4 Kommentare

  1. […] Meine Einführung und die Besprechung des ersten Knallers von ALL SHALL PERISH findet ihr hier. Ziemlich ähnlich aber auch ganz anders geht es bei DESPISED ICON zu. So stark verwirrten Aussagen […]

  2. Darquise
    11. Januar 2017 bei 18:20 — Antworten

    Hahahaha 😀

    All Shall Perish ist Gold.

    lalala übrigens seit abgan von Eddie und Wiedereinstieg haben sie 3 alben fertiggestellt. jedesmal in unterschiedlichen Konstellationen. Selbst das Label (Nuclear Blast) rafft nicht ´mehr wann jetzt was mit wem rauskommen soll… eigentlicher release Termin war nämlich letztes Jahr 😀

    • Darquise
      11. Januar 2017 bei 18:21 — Antworten

      Wobei “fertiggestellt” – für zwei wurden Demos aufgenommen und bei einem ist laut meiner Info das Schlagzeug im Kasten… Es handelt sich jedesmal wohl um anderes Material bei den Demos.

      • Jonas
        16. Januar 2017 bei 16:25

        Das hört sich äußerst verworren und unorganisiert an. Aber wahrscheinlich liegts nicht am Label 😉 lg Jonas

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.