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Corpsepaint ist rassistisch!

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Ahhhh…endlich in den Tiefen des Internets surfen. Und sich mal wieder so richtig aufregen. Klar, ich habe ja auch sonst nix zu tun. Unser heutiges Thema ist mal wieder der Black Metal. Was denn sonst. Alle anderen Arten des Metals sind ja brav/erwachsen geworden. Dieses Mal geht es um Corpsepaint, also die furchterregende, oft auch peinlich aussehende Kriegsbemalung unserer Lieblingsmusiker. Zuerst befassen wir uns ein wenig mit der Geschichte des Corpsepaint und schauen danach auf die heutigen Reaktionen dazu.

Ohne Farbe und fremdartig

Bereits in den Anfangszeiten des Rocks schminkten sich namhafte Künstler wie ARTHUR BROWN, ALICE COOPER und auch KISS mit schwarzer und weißer Farbe, um ein gefährliches Image zu kreieren. Rebellisch sollte es sein. Schockierte Reaktionen wollten hervorgerufen werden und außerdem natürlich etwas gänzlich Neues. Obwohl es nicht immer klappte (KISS) oder eher psychedelisch (und faszinierend!) war wie bei ARTHUR BROWN, übernahmen in den Achtzigern und Neunzigern Pioniere wie HELLHAMMER, MERCYFUL FATE (1980!) oder SARCÓFAGO das Erfolgsrezept und kombinierten es gekonnt mit harten Klängen aus dem Höllenschlund. Für Martin Eric “Ain” (Ex-CELTIC FROST/HELLHAMMER) war es laut eigener Aussage ein Befreiungsschlag, ein Widerstand gegen die katholische Erziehung.

Also etwas, das einen tieferen Sinn hat. Selbst der historische Faktor hinterlässt indirekt seine Wurzeln und man liest von Geschichten über die Oskorei sowie Verfärbungen von Toten, welche als Inspiration dienten. Schenkt man dem Glauben, so ist es eine Erinnerung an die Toten und eine Variante der Einschüchterung (siehe Kriegsbemalung).

Zwischen Rock und Metal: King Diamond

HIER findest du die kürzeste Geschichte vom Corpsepaint.

Abgrenzung von der Menschlichkeit

Stellt euch vor, ihr möchtet euch zur Zeit der ersten und zweiten Welle des Black Metals abgrenzen, da brutale Musik nicht mehr ausreicht und “eh alles gleich klingt”. Was tun? Richtig, man sucht sich einen Kleidungsstil, der sich vom damaligen Death-Metal-Trend abhebt, und schmückt sich mit Nieten, Patronengurten, Drudenfüßen, Kreuzen und unheimlichen Farben. Schließlich symbolisieren diese beiden Kontraste (schwarz/weiß) den perfekten Ausdruck vom (Leben und) Tod.

Doch wir leben im Jahr 2017. Und ich habe niemanden auf einem Konzert sagen hören:

Man, sehen die gefährlich aus, ich fürchte mich davor!

Gefühlt jede Black-Metal-Band benutzt Corpsepaint für Live-Shows und sorgt eher für Gelächter als Entsetzen. Ist diese Tradition zu oft benutzt worden und nur noch ein “notwendiger” Schachzug des Marketings? Wahrscheinlich gibt es noch von beiden Lagern Anhänger, wobei die eine Seite scheinbar mehr und mehr unsichtbar wird. Geht hier eine Ära zu Ende? Zum Glück nicht, wie ihr gleich lesen werdet.

Mehr schlecht als Recht: APOLOGIST aus Tokyo

Corpsepaint ist rassistisch!

Kurze Erklärung: Unter Blackfacing versteht man im ursprünglichen Sinne eine Form von Theater- und Unterhaltungsmaskerade. Heutzutage verstehen einige von uns dies als Beleidigung gegenüber dunkelhäutigen Menschen.

Vor ein paar Tagen gab die deutsche Band HEXER (Review folgt!) auf Facebook Folgendes bekannt:

“Aus gegebenem Anlass müssen wir mal etwas loswerden. In der kommenden Zeit wird es Konzerte geben, bei denen wir auf unsere Bemalung verzichten müssen. Während wir anfangs selbst gar nicht die Assoziation hatten, kam irgendwann der Begriff “Blackfacing” auf. Um Veranstalter/Innen und uns selbst bestimmte Situationen zu ersparen, sprechen wir seitdem jedes Mal an, dass wir schwarze Farbe als Grundierung verwenden, um auf der Bühne als Personen zu verschwinden und damit unsere UV-Farbe deutlich mehr in den Vordergrund rückt.

Wir haben uns schon mehrmals gegen jegliche Art von Diskriminierung ausgesprochen und fühlen uns der autonomen und linken Szene verbunden. Es ist schade, unser Konzept verändern zu müssen und auf ein für uns wichtiges Element unserer Live-Rituale zu verzichten.

Wir respektieren diese Entscheidungen, aber eins sollte klar sein:
Ihr verpasst was!”

Ernsthaft? Versteht mich nicht falsch, ich begrüße es, wenn Leute sich wieder vom (Black) Metal provoziert fühlen. Aber das ist an uninformierter Dummheit nicht zu übertreffen. Politische Extreme bombardieren ihre eigenen Leute mit Vorwürfen, die nicht skurriler sein könnten. Es handelt sich noch nicht mal um die typischen dubiosen Gestalten der Szene, sondern um Leute, die sich ganz klar gegen Rassismus und Faschismus aussprechen.

Viel schlimmer ist es allerdings, sich den Vorwürfen sofort zu beugen. Leute! Ihr seid keine “Nazis” weil ihr Farbe auf eurem Gesicht tragt! Lasst euch doch nicht so vorführen und spielt wie gewohnt mit euren Show-Elementen! Am Ende merken doch die Leute mit Verstand, wer wirklich seltsam agiert und wer nur ein Image vertritt. Spätestens, wenn man vor den Musikern steht und mit ihnen direkt kommuniziert und nicht über das Internet.

Kunst darf nicht eingeengt werden. Oder etwa doch?

Bilder mit freundlicher Genehmigung von King Diamond und Apologist

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27 Kommentare

  1. Philipp
    2. November 2017 bei 23:38 — Antworten

    Ich finde es aber eher beunruhigend wie leicht Leute rechts mit rechts extrem verwechseln. Ich finde den Unterschied zwischen konservativer und faschistischer Politik doch recht eindeutig.

  2. Miodemetzel
    10. April 2017 bei 15:42 — Antworten

    Wenn die Kommentare unter dem eigentlich Post einfach voll in die Länge Schlagen. Wenigstens wird hier diskutiert

  3. Steve
    10. April 2017 bei 12:39 — Antworten

    Ich finde den Artikel in folgender Hinsicht sehr schwach:
    Hexer ist keine Black Metal Band und deren Bühnenbemalung scheint mir auch nichts mit Corpsepaint zu tun zu haben.

    Dass es Kommentarspalten-Trollen nicht auffällt wundert mich ja nicht, aber scheinbar habt ihr euch ebenso mitreissen lassen, ohne euch mal mit der Gruppe zu beschäftigen.

    Grüße,

    Steve

    • Hannes
      10. April 2017 bei 13:15 — Antworten

      Hi Steve,

      Da gebe ich dir Recht, Hexer ist keine reine Black Metal Band. Allerdings verwenden sie an manchen Stellen gerne Gesang aus dem Genre und betiteln sich als Mischung aus Doom und Black. Und natürlich zeigt die Reaktion, wie viele ihre Bemalung gleich als Corpspaint/Blackfacing ansehen. Allerdings widerspreche ich dir, das ich mich mit der Band nicht beschäftigt habe. Tatsächlich bin ich mit deren Material vertraut, wie kommst du also auf die Idee? Ist es nicht deprimierend, sich wegen so einer Lappalie zu ändern? Auf ein wichtiges Element der eigenen Bühnenshow zu verzichten, weil jemand haltlose Vorwürfe gegen Hexer macht? Stell dir mal diese Fragen, ich finde sie sagen eine Menge über die Band aus….

      Grüße,

      Hannes

  4. Nils
    10. April 2017 bei 9:01 — Antworten

    Was mich persönlich an der Aussage von Hexer (die ich persönlich sehr schätze) stört, ist die wenige bis nicht vorhandene Beständigkeit gegenüber den Beschuldigungen, die auf ihr Auftreten gemünzt sind.

    Politische Extreme, egal ob nach links oder rechts sind immer ein Armutszeugnis derer, die sich in ihrer Welt nicht verstanden fühlen und nach irgendetwas suchen, was ihnen Halt gibt, sie stärker da stehen lassen als sie sind, ihnen Bestätigung geben.

    Besonders als Band oder Gruppierung sollte man getrost auf die Meinung anderer Menschen schei*en und sein eigenes Ding durchziehen.

    Ich finde das derzeitige BM-Bashing in all seinen Facetten extrem kindisch und unnötig und bestätigt nur wiedermal, dass BM immernoch polarisiert. Das finde ich gut. Weiter so!

  5. D.B.
    9. April 2017 bei 17:29 — Antworten

    Uaaargh! Ekelhaft, hier triefts ja vor political correctness…
    Frage mich was SJW’s und PC im metal zu suchen haben, und ganz besonders im schwarzmetall. Schwarzmetall, bleib wie du bist!

    • mbtmrrw
      10. April 2017 bei 14:03 — Antworten

      still <3'ing Antifa, still <3'ing Black Metal!

      Und dass lass ich mir mit Sicherheit nicht von irgendwelchen Möchtegern-Trollen ausreden.
      Küsschen! :-*

    • Hannes
      10. April 2017 bei 20:58 — Antworten

      Hey D.B.,

      gibt schlimmeres….Sabaton zum Beispiel 😉

  6. mbtmrrw
    9. April 2017 bei 11:50 — Antworten

    Schade, dass dieser Kommentar genau so unreflektiert wie der Post von Hexer ist, und von der selben uninformierten Dummheit strotzt, die er anderen vorwirft.
    Ich hätte mich sehr über eine differenzierte Betrachtung dieser Sache gefreut, da auch ich mich sehr darüber geärgert habe – sowohl über die Entscheidung betreffender Läden, als auch über den Post von Hexer, den ich für unreflektiert und inkonsequent halte. Da kann man sich schon mal Fragen, wer eigentlich wen mit Dreck bewirft…

    Ich kenne nun auch nur diesen Post und keine weiteren Details. Aber für mich sieht es so aus:
    Hexer wollen in einigen (linken) Schuppen spielen, die von ihrem Hausrecht Gebrauch machen, und “Blackfacing” per se verbieten. Nirgendwo wird gesagt, dass Corpsepaint an sich oder betreffende Band rassistisch seien. In diesen Läden darf man sich halt das Gesicht nicht schwarz anmalen, so wie man in andere Läden eben nur mit Anzug reinkommt. Gibt auch Läden, in denen Bands nicht oben ohne auftreten dürfen. Das kann nun jeder gut oder schlecht finden und seine Konsequenzen daraus ziehen, es ist aber nun mal so, und das Recht der Inhaber.

    So sehr ich verstehen kann, dass eine Band spielen will, dennoch hätte ich an dieser Stelle mehr Rückgrat von der Band erwartet: dann wird in diesen Läden eben nicht gespielt, wenn man seine Bühnenshow, auf die man so viel Wert legt, nicht durchziehen kann. Oder man respektiert diese Entscheidung der Läden und macht es einfach nicht. Noch besser wäre es m.E., sich bei betreffenden Läden für die Sache und Vermittlung einzusetzen, leider geht aus dem Post nicht hervor, ob ähnliches geschehen ist bzw. wie die Sachlage denn nun genau ist. Sich aber mittels dieses Posts in diese Opferrolle zu stellen, finde ich recht daneben und der Sache nicht dienlich, insbesondere nicht, wenn im nächsten Atemzug gesagt wird, man sieht sich der Szene zugehörig. Trefft eine Entscheidung und steht dazu, aber spart euch das “mimimi”.

    Diese Sache jetzt wieder zum Anlass zu nehmen, um uninformiert gegen links zu wettern, finde ich insbesondere in diesen Zeiten daneben. (Stichwort: “schon wieder diese Antifa”, “unlogisch, dass Linke die eigenen Leute kritisieren” … da sollte man sich vielleicht erstmal informieren, bevor man postet. Hach, wäre es nicht generell schön, wenn die Leute wieder ein wenig nachdenken würden, bevor sie unreflektiert und undifferenziert alles raus posaunen, was ihnen so durch den Kopf geht?).

    Noch bedauerlicher finde ich, dass der shitstorm von Nazi-BM-Trollen, den dieser Post nach sich zog, keinerlei Erwähnung findet. Die Metal-Szene hat ein Problem mit den Rechten, nicht mit den Linken, darüber sollte man szeneintern m.E. viel öfter reden.
    (Auch wenn ich alles andere als ein Fan der Hufeisen-Theorie bin, momentan haben wir eben keine anderen geläufigen Begrifflichkeiten).

    TL;DR: Schade, dass der Kommentator sich nicht etwas differenzierter mit der Thematik befasst hat. In dieser Form ist er m.E. nichts weiter als Wasser auf den Mühlen der Rechtspopulisten, auch innerhalb der Szene, und davon brauchen wir z.Zt. nicht wirklich mehr.

    • Hannes
      9. April 2017 bei 13:33 — Antworten

      Hallo mbtmrrw,

      wie du dir denken kannst hatte ich nichts anderes im Sinn, außer der Band an das Bein zu pinkeln und natürlich auch gegen die bösen Linken zu wettern. Zu deiner Information: Was denkst du könnte der Ladenbesitzer/die Ladenbesitzerin für eine politische Einstellung haben, wenn sie das Corpsepaint (oder wie hier angebliches “Blackfacing”) verbieten? Rechts? Ich denke nicht. Das klingt leider eher nach der anderen politisch EXTREMEN Richtung (obwohl ich das Wort Antifa nicht erwähnte und die Frage der künstlerische Freiheit im Vordergrund stand). Was denkst du denn? Aus welcher politischen Motivation ensteht so eine Meinung? Und vor allem: Warum engen sie die künstlerische Freiheit so haltlos ein?

      Zum “unüberlegten raus posaunen”: Ich denke wenn eine Band so etwas postet (egal aus welcher Richtung), dann muss sie es auch abkönnen, das ich meine Meinung dazu vertreten kann. Willkommen im Internet, dort wo dir nicht alles in den Kram passt.

      Außerdem: Ich halte nichts von NSBM oder ihren Anhängern, die ideologisch fragwürdig sind. Genrell halte ich nix von plotisch extremen Leuten.

      Ich distanziere mich mit diesem Statement vom Magazin und spreche als private Person zu dir. Das ALLE Leute hier keinen Dreck am Stecken haben und das Magazin seien klaren Standpunkt hat, sollte eigentlich klar sein. Zur Sicherheit soll dies noch mal erwähnt werden.

      Grüße,

      Hannes

      • Tobi
        9. April 2017 bei 22:09

        Moin,
        ich bin auch eher Links und Sänger einer Black Metal Band. Ich kann die Reaktionen sehr gut nachvollziehen. Ja, es gibt in der Szene eine starke Präsenz von Rechtsextremisten, aber es wird in für die Szene typische Symbolik etwas komplett anderes interpretiert als der eigentliche Sinn dahinter.
        Nehmen wir z.B. heidnische Runen oder Namen. Wie viele assoziieren das mit Neonazis? Ziemlich viele und ich denke nicht, dass wir das so einfach hinnehmen sollten. Stilmittel und Symboliken sollten wir nicht einfach so diesem Personenkreis überlassen. Unfreiwillig hilft die Linke Szene ja in dem sie das dämonisiert und da sollten wir uns selbstkritisch hinterfragen.

        Ich werde auch viel zu oft gefragt ob “Heaven Shall Burn” eine rechte Band ist, weil einige ihrerer Motive Schlachtschiffe etc. zeigen und Schriftzüge in Frakturschrift geschrieben sind.

        Gruß,
        Tobi

        P.S. Hannes, im dritten Absatz hast du statt “politisch”, “plotisch” geschrieben 😉

      • Hannes
        10. April 2017 bei 0:46

        Hallo Tobi,

        vielen dank für deinen Kommentar. Du scheinst die Intention dahinter zu verstehen und das freut mich sehr 🙂

        Nee! Ich wollte “plotisch schreiben” 😀 sonst würde ja rauskommen das ich und das Lektorat gepennt haben! Danke auch für diesen Hinweis.

        Grüße,

        Hannes

      • mbtmrrw
        10. April 2017 bei 13:11

        Hallo Hannes,
        ich habe weder dich persönlich, noch das Magazin angegriffen, oder irgendwelche (politischen) Standpunkte unterstellt, sondern lediglich den journalistischen Stil des Kommentars kritisiert. Willkommen im Internet, wo man sowas abkönnen muss 🙂

        Selbstverständlich gehe ich davon aus, dass betreffende Ladenbetreiber links sind. Wo ist das Problem an einer linken Einstellung oder Weltsicht, das du mit dieser Frage suggerierst? Selbst wenn sie extrem ist – die extrem Rechten betrieben doch auch ihre Läden, da spricht interessanterweise kaum einer von Einschränkungen irgendwelcher Freiheiten, selbst wenn in diesen Läden mit Sicherheit auch einiges nicht erwünscht oder erlaubt ist.
        Hexer entscheiden sich bewusst dazu, in linken Kneipen und autonomen Zentren auftreten zu wollen – ich unterstelle zumindest mal, dass sie niemand dazu zwingt. Ich gehe doch auch nicht an einen FKK-Strand, und rege mich dann auf, dass die Leute dort nackt sind.
        Wie gesagt, ist in einigen dieser Läden, soweit ich weiß, nicht Corpsepaint an sich, sondern eben Blackfacing nicht erlaubt (also sich das Gesicht schwarz anzumalen – was das ist, was Hexer bei ihren Bühnenshows tun, auch wenn ich persönlich nicht finde, dass das unter Blackfacing fällt und daher auch die Entscheidung der Läden kritisiere).
        Wie gesagt kann man gerne darüber diskutieren, wie sinnig das ist, letztlich ist es aber die Entscheidung dieser Läden. Hausrecht und so. Warum sie das machen? Nun, das kann ich dir nicht im Einzelnen sagen, wohl aber ein paar Vermutungen anstellen. Letztlich würde ich aber z.B. von Journalisten erwarten, dem nachzugehen und zu recherchieren, bevor man wieder eine großangelegte Verschwörung der Linken gegen den (Black) Metal herbeibeschwört. Das hast du nun nicht direkt geschrieben, liest sich so aber in den Kommentaren, und ist eben auch eine gängige Reaktion der Szene (verstehe gar nicht, wieso die Leute sich die Opferrolle so gerne anziehen. Ist irgendwie so gar nicht Metal.). Stattdessen schreibst du von Vorwürfen, die es in der Form nicht gegeben hat, zumindest geht nichts derartiges aus dem Post von Hexer hervor und ich habe auch nichts dergleichen gehört.
        Daraus jetzt eine große Unterdrückung der Kunstfreiheit zu machen, finde ich auch recht weit hergeholt. Es handelt sich hier vermutlich um 2-3 Läden, die eben eine strikte Ladenpolitik haben. Die kann man gerne kritisieren – das tue ich, wie gesagt, auch, wobei ich doch zwischen Kritik und Anfeindung (wie beispielsweise in besagtem Shitstorm) differenzieren möchte. Letztlich ist es eben auch die Entscheidung der Band, in ebenjenen Läden spielen zu wollen. (Zumal das mit der Freiheit eben auch immer so eine Sache ist. Du wirst genügend Beispiele finden, wo gewisse Freiheiten zum Schutze anderer Freiheiten beschränkt werden. Das gehört in einer Demokratie dazu.)
        Zu all dem kommt eben noch die Tatsache, dass es sich bei Hexer weder um eine klassische BM-Band, noch um klassisches Corpsepaint handelt, wie auch schon kommentiert wurde, was in deinem Artikel auch keine Erwähnung findet.
        Man könnte dir insofern, auch wegen des reißerischen Titels, die Verbreitung von Falschinformationen unterstellen. m.E. ist es aber eben einfach schlechter journalistischer Stil, den ich kritisieren möchte, da ich mir insgesamt, aber gerade auch innerhalb der Szene, einen sachlicheren, differenzierten Umgang mit diesen Themen wünsche. (Auf beiden Seiten, wenn man denn von Seiten sprechen möchte). Kein persönlicher Angriff, lediglich Kritik an dem Artikel, in der Hoffnung, Reflexion anzuregen.

        Insofern, eine schöne Woche dir noch!

      • Hannes
        10. April 2017 bei 21:15

        Heyho,

        ich dachte mir halt das es nicht verkehrt wäre das noch zur Absicherung zu schreiben. Meinen Schreibstil zu kritisieren/loben/auszulachen/etc… ist jederzeit erwünscht!

        Die schmeichelhafte Bezeichnung “journalist” würde ich nicht bei mir gelten lassen. Ich schreibe eher so wie mir der Schnabel gewachsen ist, tun viele “Journalisten” nicht. Und was du für eine Verschwörung du dahinter sehen magst ist mir schleierhaft. Die Band wurde von mir kritisiert, die Leute welche dahinter Blackfacing vermuten ebenfalls. Meine Meinung, nicht mehr und nicht weniger. Und tatsächlich sehe ich das in dem Sinne kritisch, das gewisse Veranstalter/Leute Problemprävention betreiben, wo absolut kein Zwang herrscht. Da ist Corpspaint dem Blackfacing am nächsten. Ist ja nicht nur Schwarz/Weiß (siehe Beispiel im Artikel).

        Der reißerische Titel….habe ich einfach gewählt um so viel wie möglich Leute anzusprechen, sprich: sie zum nachdenken anzuregen und vlt (so wie wir beide) das zu debattieren.

        Nach wie vor: Danke für deine Kritik, das gibt einem zu denken. Sowohl positiv als auch negativ.

        Hannes

  7. Lodenschwein
    8. April 2017 bei 21:57 — Antworten

    Geben sie ihrem Hund Batzen, aber nur den ganzen Batzen.

  8. Der Meister
    8. April 2017 bei 20:11 — Antworten

    Gibt es wirklich nicht genug zu kritisieren? AfD, Trump, Erdogan…. Überall sind rechte und populistische Bewegungenzu sehen, zwar nicht mehr auf dem Vormarsch, aber sicher auch noch nicht besiegt. Aber Teile der linken Szene kämpfen lieber gegen den Black Metal. Ich bin selber aktives Mitglied in linken Gruppen, aber wir haben so viel zu kritisieren und zu tun, dass wir NIEMALS auf die Idee kämen, eine Szene wie die Black Metal Szene mit aus der Luft gegriffenen Vorwürfen zu konfrontieren. Das ist schlicht Schwachsinnig(und ich würde es als bekennender Fan dieser Musik auch nicht akzeptieren)

    • Hannes
      9. April 2017 bei 13:39 — Antworten

      Klar gibts auch anderes (relevanteres) Zeug zu kritisieren, aber es handelt sich hier um eine Metal Magazin. Das heißt: Ich werde hier keine Politik als Hauptthema behandeln (Trump, Erdogan, was weiß ich…). Meinst du das die Läden/Leute die diese Sache kritisieren eher aus der anderen Richtung kommen und Keil zwischen uns treiben?

      Grüße,

      Hannes

  9. Christina
    8. April 2017 bei 14:45 — Antworten

    Schade, dass der 1. April bereits vorbei ist XD

    Corpsepaint gehört zu black Metal wie die gefärbten Haare zu Punk rock!

    Irgendwie errinnert mich der Artikel an Situationen beim Party-San Open Air. Mit dem burzum t Shirt wirst du nicht auf das Festival Gelände reingelassen, aber drinnen kannst du dir dann burzum Shirts und patches besorgen.

    Lächerlich wie ich finde.

    • Hannes
      8. April 2017 bei 16:20 — Antworten

      Hallo Christina,

      da gebe ich dir recht. Es ist ein Stilmittel welches nie die Intention des Faschismus hatte.

      Die Geschichte mit dem Festival ist in der Tat seltsam, zu mal die andere Alternative heißt: Patches/Logos abkleben. Auch nicht besser, da die meisten es eh abmachen, sobald sie auf dem Gelände sind.

      Grüße,

      Hannes

  10. Aeleus
    8. April 2017 bei 13:50 — Antworten

    Ein sehr kontroverses Thema, über das man diskutieren und und auch sollte. Ich persönlich sehe mich der linken Szene hingezogen und bin dafür, dass neofaschistisches Gedankengut in allen erdenklichen Bereichen des Lebens, auch in der Kunst, kritisiert werden sollte. Wer sich offen (!) rechtsextrem äußert, der hat es meiner Meinung nach auch verdient, von Linken blockiert zu werden. Gerade in der heutigen Zeit ist es notwendig zu sagen, dass solches Gedankengut in der Gesellschaft nichts verloren hat und nie wieder auf fruchtbaren Boden stoßen wird. Schlimm genug, dass die politische Mitte das Erstarken rechter Bewegungen herunterspielt und sogar verschweigt und der einzige Protest aus der linkspolitischen Richtung zu kommen scheint. Allerdings wurde hier der Bogen einfach überspannt. Black Metal und Political Correctness passen nicht zusammen und das weiß auch jeder, der sich auch nur fünf Minuten mit der Szene beschäftigt. Aber genauso sollten wir wissen, dass es zu 90% bloße Provokation ist und diese Leute dieses Gedankengut meist privat nicht vertreten oder sich sogar dagegen engagieren. Backstage sind diese Leute einfach ganz normale Menschen, haben Familie und einen Beruf. Aber das sehen manche Menschen nicht, weil sie sich zu wenig über den Sinn des Black Metals informieren. Auch hier ist wieder eine fehlende Bildung über den Black Metal die Ursache, dass es überhaupt zu solch aus der Luft gegriffener Kritik kommt.

    • Hannes
      8. April 2017 bei 16:17 — Antworten

      Grüß dich Aeleus,

      ich finde es auch interessant über solche Themen zu disuktieren. Deshalb auch der Artiekl. Allerdings ist hier zu beachten, das die Band sich selber als links bezeichnet und trotzdem von den eigenen Leuten kritisiert wird. Wo ist da die Logik?

      Ich denke das die rechten Tendenzen noch eine lange Zeit im Metal existieren werden, aber solange sich genügend Leute damit kritisch befassen, mache ich mir keine Sorgen das der Metal irgendwann wieder unpolitisch wird. Es ist auch auf jedenfall interessant, wie viele Leute diese Thematik als reine Provokation nutzen und im privaten vollkommen sozial und freundlich sind.

      Grüße,

      Hannes

  11. Corpsepaint für alle!
    8. April 2017 bei 13:25 — Antworten

    Na das ist doch bestimmt wieder eine Initiative der Antifa. Die scheinen in letzter Zeit nämlich Langeweile​ zu haben wenn ich mir die Aktionen in unserer Ecke so betrachte. Jemand anderes würde wohl auch gar nicht auf so eine Idee kommen eine schwarze Grundierung, auf der weiß nun mal am besten wirkt als Rassistisch zu betrachten. Zumal das eine mit dem anderen nichts zu tun hat. Was ein Käse!

  12. FuriousFry
    8. April 2017 bei 12:35 — Antworten

    Schade, dass die (teilweise gerechtfertigte) Angst vor neo-rechtem Gedankengut solche unschöne Auswürfe mit sich bringt. Darf ich bald keine Lederjacke auf Metalkonzerten tragen, weil Leder mit der rechten Szene verbunden wird? Der Vergleich hinkt, aber ähnlich sinnbefreit kommen mir solche Anschuldigungen vor. Schade. Der Corpsepaint hat Tradition und ist für mich fester Bestandteil des Schwarzmetalls. Ich habe Probleme, mir Ihsahn anzuschauen, weil die Optik so gar nicht zum Audioerlebnis passen will. Das geht bei Behemoth doch deutlich leichter.

    • Hannes
      8. April 2017 bei 12:44 — Antworten

      Hallo Furious Fry,

      die Einschränkungen nehmen immer mehr bizarre Züge an, egal von welcher Seite. Allerdings kann ich dich beruhigen, eine Lederjacke darfst du warscheinlich immer tragen, das es ursprünglich aus der Szene für Homosexuelle stammt. Das sieht jeder gern….außer den Rechten. Damit können wir doch leben oder? 🙂

      Und Ihsahn würde wohl selbst mit Corpsepaint in seinem spießigen Lehrer-Outfit nicht besser aussehen 😉

      Grüße,

      Hannes

  13. TodesPilot
    8. April 2017 bei 12:13 — Antworten

    Das ist mehr als nur Traurig und lässt mich echt in einer Schockstarre zurück… 🙁

    • Hannes
      8. April 2017 bei 12:47 — Antworten

      Tach TodesPilot,

      Mach dir mal keine Sorgen, es gibt noch genügend Bands die sich davon nicht beirren lassen. Seltsam ist es aber trotzdem…

      Grüße,

      Hannes

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