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Crowbar – alles „safe“ in Dresden

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Am dritten Novemberwochenende war es also soweit. CROWBAR hatten sich am 19.11. im Dresdner KONK Klub angekündigt. Ich, als gewissenhafter Reporter, begab mich natürlich schon einen Tag vorher in die sächsische Landeshauptstadt, um die Berichterstattung gründlich vorzubereiten!
Wer mir das jetzt abgekauft hat, dem ist definitiv nicht mehr zu helfen!!! Nein, ich fuhr schon einen Tag eher nach Dresden, um mir das Konzert von BRANT BJORK und den BLACK RAINBOWS zu geben. Da es ein ziemlich feuchtfröhlicher Abend war, bekommt ihr davon hier nichts zu lesen! Nur so viel: es war LEGENDÄR!

Doch nun zum eigentlichen Highlight an diesem Wochenende. Im Anschluss an ihre Tour mit OVERKILL haben es sich die Jungs von Rotsteinrock Management nicht nehmen lassen, die Sludger CROWBAR für eine einzige Headliner-Show in den frisch eröffneten KONK Klub zu holen. Dementsprechend jungfräulich und unverbraucht sah der Laden auch beim Betreten aus. Für solch eine kleine Konzertlocation fiel mir sofort die erhöhte Präsenz von Sicherheitsfachkräften auf. Hab ich was verpasst, oder wird es hier noch richtig ausarten? (später dazu mehr)

Eröffnet wurde der Abend von den Lokalmatadoren KALDERA. Vor einer noch recht überschaubaren Anzahl an Zuschauern starteten sie in ihr gut halbstündiges Set. Bemerkenswert ist, dass das der allererste Auftritt der Band überhaupt war. Es muss für die Jungs eine wahnsinnig große Ehre gewesen sein, sich bei ihrem Debüt sofort mit einem Szeneschwergewicht wie CROWBAR die Bühne zu teilen. Ihre Musik lässt sich gar nicht mal so leicht einordnen. Am ehesten rauszuhören waren noch Einflüsse von älteren Szenevertretern wie SAINT VITUS oder ORANGE GOBLIN. Und das, was dabei herauskam, war auch durchaus hörbar. Mit einem guten Sound im Nacken groovten die Jungs die halbe Stunde im Nu runter. Neben ein paar kleinen Verspielern gab es an ihrem Auftritt nicht viel auszusetzen. Einzig der Gesang konnte mich kaum einnehmen.

SYMPATHY FOR THE DEVIL am Werk
SYMPATHY FOR THE DEVIL am Werk

Erste Band hat pünktlich Feierabend gemacht, also kann es genauso pünktlich mit der nächsten Band weitergehen. Als nächstes hatten sich SYMPATHY FOR THE DEVIL aus Leipzig angekündigt. Viel kann ich euch über diese Truppe aus zweierlei Gründen nicht schreiben:

1. Der Musikstil

SYMPATHY FOR THE DEVIL spielen ziemlich wilden Hard-/Metalcore. Da unser Autor und Core-Spezialist Jonas ja kurz vor dem Konzert abgesagt hatte, musste ich mich also allein in das Erlebnis Metalcore stürzen. Ich muss sagen, dass es mich jetzt nicht unbedingt vom Hocker gehauen hat, aber meine Fußnägel sind auch noch ziemlich gerade!

2. Der Flaschenwerfer

Als ich gerade auf dem Weg an den ewigen Jungbrunnen des Lebens war, um mir einen neuen Hopfensmoothie zubereiten zu lassen, wurde ich leider Zeuge eines unschönen Vorfalls. Ein junger übermütiger Konzertbesucher meinte, Wurfübungen mit seiner leeren Flasche machen zu müssen. Die aufmerksame Security schritt sofort ein und nahm den überengagierten Kollegen fest. Kabelbinder und 4 kräftige Jungs haben schon immer gegen den aufmüpfigen Dorfpöbel geholfen!

 

HIGH FIGHTERS Stimme Mona Miluski
HIGH FIGHTERS Stimme Mona Miluski

Nachdem das Kapitel Core nun auch für mich beendet war, betrat eine Band die Bühne, auf die ich mich ganz besonders gefreut habe. HIGH FIGHTER aus Hamburg machten sich bereit, den mittlerweile zahlreich erschienenen Gästen den Ohrenschmalz aus den Gehörgängen zu blasen! Es ist noch nicht einmal einen Monat her, dass ich die Dame und Herren, zuletzt als Vorband von ELDER, gesehen habe. Zum ersten Mal an diesem Konzertabend war richtige Bühnenpräsenz angesagt. Sängerin Mona Miluski hat schon nach der ersten Ansage die Sympathien auf ihrer Seite. Immer wieder schwärmt sie vom Dresdner Publikum, was ich aber kaum nachvollziehen kann, da kaum Bewegung in der Hütte ist, obwohl HIGH FIGHTERs Musik ja eigentlich dazu einlädt. Auch am Sound kann es definitiv nicht gelegen haben, dass der Elvis-Effekt nicht griff. Ich jedenfalls hab meinen maroden Körper ein wenig geschwungen. Die absoluten Höhepunkte waren in meinen Augen „Darkest Days“, „Down To The Sky“ und die Zugabe „2Steps Blueskill“.

CROWBAR
CROWBAR

Pünktlich um 23.30 Uhr stehen nun endlich CROWBAR zur Headliner-Prime-Time auf dem Programm. Und siehe da: auf einmal füllt sich der Konzertraum und es kommt mal so etwas wie Stimmung auf. Kaum zu glauben. Allerdings wüsste ich auch nicht, wie ich es erklären sollte, dass bei solchen Schwergewichten auf der Bühne keine Stimmung entstehen könnte. „Schwergewichte“ ist nicht nur auf die Musik der Jungs aus New Orleans bezogen. Nach dem Wiedereinstieg von Todd „Sexy T.“ Strange hat die Band nicht nur an Basslastigkeit, sondern auch an Masse gewonnen. Die Songs, die heute Abend gespielt werden, stammen von sage und schreibe 7 Studioalben!      

Stexy T.- ein musikalisches Schwergewicht bei der Arbeit
Stexy T.- ein musikalisches Schwergewicht bei der Arbeit

Ich habe bisher kaum ein Konzert erlebt, auf dem solch eine Bandbreite dargeboten wurde. Die Stimmung wird auch gleich zu Beginn aufgeheizt, als die ersten Töne von „All I Had (I Gave)“ erklingen. In den ersten paar Reihen ist kaum ein Halten mehr und das Publikum wird eine Masse aus Haaren, Fäusten, Bier und Schweiß.
Wie ich schon in meinem Review zur aktuellen Platte beschrieben habe, dass CROWBAR sämtliche Musikstile vereinen, wird auch genau das an diesem Abend wieder klar. Core-Fan, Heavy Metaller und Doomhead stehen eng zusammen und feiern einfach nur die Mucke frenetisch ab. Was mich etwas überrascht, ist, dass nur ein minimaler Teil der Setlist aus neuen Songs besteht. Aus diesen sticht aber vor allem „Plasmic And Pure“ heraus. Auch die Ansage von diesem kann sich sehen lassen. Kirk widmete diesen Song seiner geliebten Frau Robin, die während des ganzen Abends fleißig am Merchstand verharrte und Bandshirts an den Mann/die Frau brachte. Übrigens steuerte sie die Lyrics zu 3 Songs der aktuellen Platte der US-amerikanischen Brechstangen bei.
Die größte Überraschung des Gigs war leider das Ende. Mit „Like Broken Glass endet der Auftritt der 4 Hassbolzen auch schon wieder sehr abrupt. Lautstark wird eine Zugabe gefordert, doch die Band lässt sich nicht auf die kniehohe Stage zurücklocken. 1 bis 2 Songs hätten es dann schon gern noch sein dürfen. Trotzdem ein grundsolider Auftritt, der zeigt, dass man auch mit Anfang 50 noch nicht zu alt für den Metal ist!

So endet für mich mal wieder ein sehr unterhaltsamer Abend in der momentanen Hauptstadt der Doom-Konzerte. Mit einer Zugabe von CROWBAR wäre der Abend vollends gelungen gewesen, doch so bleibt ein leicht fader Beigeschmack. Hatten die Jungs keinen Bock mehr? Ging ihr Rückflug? War das Bier alle? Ich weiß es leider nicht!
Nach dem Konzert gab es für mich noch ein kleines Absackerbierchen (und Schnäpschen) und dann gings ab ins megagemütliche 8-Bett-Hostelzimmer.

 

KONK Club online

Bilder mit freundlicher Genehmigung von Lemna Minor Photography und

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