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CRUADALACH – Eine wilde Reise über Genregrenzen hinweg

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CRUADALACH – „Raised by Wolves“

Veröffentlichungstermin: 21.09.2018
Dauer: 35 Min.
Label: 7hard Records
Genre: Folk/Hardcore

Da ist er also – mein erster Albumreview.

Voller Vorfreude habe ich mich darauf gestürzt und gleich ein mächtig ungewöhnliches Werk gefunden, welches ich euch vorstellen möchte – das neue Album “Raised by wolves” von der tschechischen Band CRUADALACH. Meine vorherigen Kenntnisse über die Band waren gleich Null, nicht mal der Name sagte mir etwas – lediglich das Genre war mir geläufig, Folk Metal sollte es also sein…


Also rein mit den Ohrstöpseln und gespannte Erwartung – Klänge wie von PRIMORDIAL (in die ich mich dieses Jahr musikalisch verliebt hatte) oder vielleicht auch von ELUVEITIE, solche Töne erwartete ich (auch wenn mich immer wieder verwirrt, wofür der Begriff Folk Metal alles verwendet wird). Und was ich dann hörte, sorgte mit einem Wort gesagt für:

Verblüffung.

Ich werde völlig überrascht und habe tatsächlich beim ersten Anhören des Albums jegliche Nebentätigkeit eingestellt, um alles mitzubekommen. Denn das Hauptprädikat für das Album ist von meiner Seite aus: Völlig überraschend und voller Überraschung!

Das Album ist, zumindest bisher, nur auf CD erschienen, was für die Plattensammler wie mich natürlich schade ist, aber vermutlich darin begründet liegt, dass CRUADALACH noch keine allzu große Bekanntheit hat. Das Cover gefällt mir auf den ersten Blick bereits sehr gut. Kunstvoll, aber nicht übertrieben gestaltet. Das Album besticht insgesamt besonders mit seiner Vielseitigkeit. Es gibt keinen Song, der einem typischen Sound folgt oder einem der anderen Songs ähnelt. Im Gegenteil: entwirft der erste Song als Instrumental noch ein mittelalterliches, ruhiges Bild, so bricht schon der zweite Song dieses Muster auf, unter anderem zunächst durch den schrillen Gesang des Sängers und später durch einen Wechsel, der deutliche Hardcore-Anleihen erkennen lässt.

Der dritte Song „Relationshit“ besticht durch die Wut in der aggressiven männlichen Stimme, die auf einen sanften weiblichen Gegenpart trifft. Da das Lied sich textlich um eine endende Beziehung dreht, ist diese Konstellation klasse gewählt. Beim Namensgeber des Albums treffe ich wiederum auf verspielte Flöten und Pfeifen und eine perfekt mit den mittelalterlichen Parts harmonierende Stimme des Sängers. Dazu gesellt sich auch ein kleines aber feines Gitarrensolo.

Und auch der folgende Track hat eine Überraschung parat:

Einen weiblichen Gesangspart, der definitiv für den Wiedererkennungswert des Stückes sorgt. Mit fällt er allerdings deutlich zu poppig aus – daher ist das Stück das Schwächste für mich, was aber kein Grund zum Skippen ist! Aufgrund der Vielseitigkeit des Albums fügt sich auch dieser Song sehr gut in das Gesamtarrangement ein. Des Weiteren folgt ein grandios aufpeitschendes Zusammenspiel von Gitarre und Schlagzeug. Im sechsten Lied werde ich von Geigenspiel überrascht und es tauchen hier orientalische Töne und ein dazu passendes Zwischenspiel auf, welches das Highlight des Songs ist, ehe die schweren Instrumente fulminant wieder einsteigen und der Song gemeinsam beendet wird.

In „Gambit with Gaia“ liegt eine starke Message im Text. Hier geht es um den Umgang mit Mutter Natur und mit den, dem Hardcore entliehenen Forderungen des Sängers endet das anklagende Stück, das von einer entrückten Frauenstimme immer wieder aufgebrochen wird. Die Single-Auskopplung „Brave New Dawn“ ist eine sehr gute Wahl, denn hier wird in einem Stück eine große Bandbreite der Vielseitigkeit der Gruppe aufgezeigt: Mittelalterparts, ein starkes textliches Statement gegen Gewalt und Krieg und ein erstes Duett von weiblichem und männlichen Gesangspart.

Und gut ins Ohr geht der Titel außerdem!

Der vorletzte Song verzichtet als Einziger auf Pfeifen, Flöten und andere Mittelalteranleihen, dafür kann hier der Schlagzeuger sein Können mehrfach unter Beweis stellen. Ungewöhnlich und gut finde ich die weibliche Stimme, die sehr verträumt klingt, vor den Double-Bass oder den Shouts des Sängers. Mit einem Instrumental begann das Album, und konsequenterweise wird es auch so beendet, was einen gelungenen Abschluss darstellt. Das Album bricht so nicht ab, sondern klingt aus. Thematisch ist dieses Stück absolut passend, da die Melodie den Titel „Farewell too soon“ sehr schön wiedergibt.

Fazit

Uff, vor dem Teil habe ich mich gefürchtet – ich kann ja nicht das erste Album, was ich mit einem Artikel beschreibe, total in den Himmel loben. Aber eigentlich möchte ich das schon irgendwie tun, denn ich finde das ganze Album sehr gelungen!

Was mir besonders gefällt, ist einfach, dass jeder Song eine neue Facette aufweist. Also etwas, das in den anderen Songs nicht zu finden ist. Vielleicht ist diese Tatsache auch für den einen oder anderen abschreckend, denn wirklich einem Genre zuordnen lässt sich das Ganze nicht. Aber ich finde, es zeigt einfach das vorhandene Potential von CRUADALACH. Aus Neugier habe ich mir auch noch den Vorgänger angehört und muss deutlich sagen, dass dieser mir nicht so gut gefällt – sowohl gesanglich als auch von den Variationen her. Mich würde sehr interessieren, wie die Songs live umgesetzt werden und wie diese dann wirken. Falls ich damit Erfahrungen machen kann, werde ich das gerne hier wiedergeben. Auf jeden Fall hoffe ich, dass das Album den Jungs und Mädels viel Zuspruch verschafft. Denn ich finde, den haben Sie sich damit verdient!

Gut, ein Manko fällt mir dann doch auf: Es ist zu kurz! Leider nur 8 Tracks, wenn man die Instrumentals zu Beginn und Ende weglässt, und eine Komplettspielzeit von 35 Minuten – hier darf es ruhig etwas mehr sein! Vielleicht könnte man auch noch an der einen oder anderen Stelle der Screams etwas aussetzen, wenn man kleinlich ist.

Was ein wenig eine Achillesferse des Albums ist: Es setzt eine gewisse Offenheit beim Hörer voraus, in Bezug auf die verwendeten Instrumente, die verschiedenen Gesangsstile und die Zusammenspiele dieser Sachen. Was ich damit meine: es wird sicherlich Niemanden begeistern, der NUR Metalcore, oder Hardcore, oder Mittelaltermusik hört. Aber für jeden, der nicht festgefahren in seinem Geschmack ist, dürfte etwas dabei sein!

Autorenbewertung

8
Sehr abwechslungsreiches Album, das viele Hörer aufgrund seiner Vielseitigkeit überrascht zurücklassen dürfte. Einziges Manko ist die zu kurze Spielzeit, da man sich noch 2-3 Tracks mehr wünscht. Die deutliche Steigerung zum Vorgängeralbum macht neugierig darauf, ob man in Zukunft mehr von CRUDALACH hören wird.
ø 4.8 / 5 bei 3 Benutzerbewertungen
8 / 10 Punkten

Vorteile

+ unglaublich vielseitiges Album
+ ungewöhnliche Instrumenten-Gesangsstil-Kombination

Nachteile

- etwas kurz
- setzt eine gewisse Offenheit des Hörers voraus

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