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Darwin wäre stolz! EoM XVI

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Als (ehemals) Dresdner Kind, das dem Metal nicht abgeneigt ist, möchte ich behaupten, dass man inzwischen um den Sektor Evolution wohl kaum herumkommt. Seit nunmehr sechs Jahren basteln dort die Jungs vom „Evolution of Metal“ regelmäßig Konzerte zusammen, die vor allem Death und Melo-Death Fans anziehen. Demnächst steht die 16. Auflage der undergroundigen Konzertreihe an und ich werde nach langer Zeit mal wieder dort vorbeischauen.

Die Location

Ich für meinen Teil habe meine ganz eigene Geschichte mit dem Sektor Evolution. Die Location befindet sich weit im Norden von Dresden, auf halbem Weg von der Neustadt zum Flughafen – also etwas weit ab vom Schuss – und dann auch noch mitten im ehemaligen Industriegebiet. Ja, da draußen kann man Lärm machen. Und ja, dort gibt es Proberäume, in denen sich Bands zeitweilig oder auch längerfristig eingenistet haben. Ich bin also damals mehrmals wöchentlich rausgetingelt, um mit meinen Bandjungs zu zocken und das eine oder andere Bier zu vernichten. Wir werkelten so vor uns hin, bis eines Tages unsere einträchtige Ruhe mit der Eröffnung des Sektor Evolution gestört wurde. Denn anstatt bei dem eigenen Lärm Sonntag Nachmittags irgendwie ausnüchtern zu können, erbebte der Gebäudekomplex regelmäßig zu den letzten Ausläufern von offenbar mehreren Tagen andauernden Goa-, Trance-, und sonstigen Elektrogeschranze-Parties. Gestalten à la „3 Tage wach“ wankten durch die Flure, hinter dessen Türen sich unser Equipment verbarg.

We were not amused

Um so überraschender war es, als wir mitbekamen, dass sich eine Veranstaltungscrew formierte, die vierteljährlich den Sektor für sich einnahm und regional angesiedelte Metalbands aufspielen ließ. Ich hatte die vage Hoffnung, dass die Rumms-Bumms-Schranz-Fans vielleicht dadurch vertrieben werden… Irgendwann suchte ich diesen komischen Club, mit den sonst so seltsamen Gestalten, anlässlich eines Konzertes auf, um mir die Location mal von innen anzusehen. Ich wusste nicht, was mich hinter dieser riesigen, stählernen Doppeltür erwartete, die sonst vor Bässen nur summte und augenscheinlich jeden Moment Gefahr lief, aus den Angeln zu springen. Ich hatte die Vorstellung von einer Drogenhöhle sondergleichen, dekoriert mit fluoreszierendem Gedöns, bunten Pillen und sich selbst bekotzenden Junkies in allen Ecken.

Ich stemmte also eines Abends die Tür auf und…meine Fresse. Ich war ziemlich von den Socken. Ich trat in einen hohen, dunklen, kühlen Raum. Auf halbem Weg zur Bar trohnte ein riesiger, beeindruckender Motor als Deko.

Alles in des Metallers Lieblingsfarben – schwarz, dunkelschwarz und stahlgrau

Sowieso folgt die Inneneinrichtung einem schlichten, ganz klar auf Industrie weisenden Stil – Metall, Stahl und Maschendraht waren die dominierenden verbauten Materialien. Die Räume sind groß und machten trotz der massiven Einrichtung einen luftigen Eindruck. Außerdem: keine Spur von Junkies oder Pillen. Da wurde wohl gut aufgeräumt. Durchquert man den Barraum findet man sich im, mit einer großen Bühne und einer entsprechend fetten Anlage ausgestatteten, Konzertraum wieder. Am coolsten fand ich damals die Empore, auf der man sich niederlassen konnte und – ganz VIP-like – freie Sicht auf das Bühnengeschehen hatte. Welche Band ich da genau gesehen habe, weiß ich tatsächlich nicht mehr. Vermutlich habe ich die Jungs von THE LAST HANGMEN angehimmelt… Was ich allerdings noch ziemlich genau weiß, ist, dass ich von der Klarheit des Sounds beeindruckt war. Es war ordentlich laut und druckvoll, aber nicht schmerzhaft ohrenbetäubend.

Da ich zu diesem Zeitpunkt schon in Halle ansässig war, habe ich leider nicht allzu regelmäßig den folgenden Veranstaltungen beiwohnen können. Ich kann mich aber erinnern, über die Jahre Perlen wie DESERTED FEAR oder KADAVRIK gesehen und abgefeiert zu haben. Nun ist es demnächst endlich wieder so weit, dass es mich in die alte Heimat verschlägt. Und wie sollte es auch anders sein, wird just dann, um genau zu sein, am 25.06., wieder ein Evolution of Metal steigen, zu dem ich hoffentlich einige meiner alten Freunde im Sektor treffen werde.

Das Event

Laut Flyer erwartet mich eine eher unübliche Mischung aus Folk, Black, Alternative und Oldschool Death Metal. Folk ist meiner Beobachtung nach im Sektor bislang kaum vertreten gewesen, erst recht nicht als Headliner. Ich bin sowieso kein Fan von Folk Metal, aber ich lasse mich gern von CRAVING dahingehend belehren, dass eine Liveshow dieses Genres dennoch Unterhaltungspotenzial haben kann. Immerhin klingt das, was sie da in ihrem aktuellen Video „Wielder of Storms“ vom Stapel lassen, nach amtlichem Geknüppel. Dank Cleangesang inklusive Epicness und dem Einsatz von auffälligen Kontaktlinsen in besagtem Video (ich hoffe, ihr meint das nicht wirklich Ernst, sondern nehmt euch gern selbst auf die Schippe…) blicke ich dieser Kapelle noch durchaus kritisch entgegen.

Doch noch viel mehr bin ich auf die Blackmetaller von BLODSKUT gespannt, die meinem ersten Eindruck nach ordentlich rumpeln und in „Break Apart“ auch eine Prise düstere Atmosphäre nicht vermissen lassen.

Worauf ich mich bei NARPH einstellen muss, lässt sich kaum einschätzen. Alternative Metal ist eine eher schwer zu greifende Genrebezeichnung und mit den Songs, die auf Reverbnation hochgeladen sind, kann ich leider kaum was anfangen. Zeitweise walzen sich die Jungs gut durch die Gegend, zeitweise verliert sich die Härte jedoch wieder in den Passagen mit Cleangesang. Ich werde mich dann vor Ort von der Liveperfomance überraschen lassen und hoffe, dass ich noch einen Zugang zu ihrer Musik finden kann. Zur Musik von NARPH

Auf die Dresdner von INCREMATE bin ich, aufgrund ihrer Zuschreibung zum Oldschool Death, sowieso neugierig. Die beiden Songs ihrer kommenden Scheibe, die sie schon mal vorab veröffentlicht haben, klingen klassisch und solide. Ich bin gespannt, wie sie sich auf der Bühne machen.

Ich werde euch natürlich auf dem Laufenden halten, wie ich den Abend im Sektor Evolution verbracht habe. Aber ich habe schon die leise Ahnung, dass es ’ne steile Geschichte werden wird!

Zusammenfassung
Event
Evolution of Metal - Infernal Summer Edition
Ort
Sektor Evolution, An der Eisenbahn 2, Dresden, Sachsen 01099
Startet
06/25/2016
Preis
EUR 8 (bis 20Uhr), danach 10

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