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Deutschland, deine Festivals – #10: Bremen

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Bei den bisherigen Vergleichen von Bundesländern mit unabhängigen Städten – namentlich Berlin und Hamburg – kamen letztere, gemessen an ihrer Größe, immer relativ gut davon. Heute beschäftigen wir uns mit dem letzten Stadtstaat, den Deutschland zu bieten hat: Bremen. Die Hansestadt stellt mit etwas mehr als einer halben Million Einwohnern das kleinste Bundesland der Republik dar. Doch lässt dies auch darauf schließen, dass das Festivalangebot proportional zur Einwohnerzahl sehr klein ausfällt? Schauen wir uns das einmal näher an.

 

Gut und böse: Bremer Metal Festival

Das größte Metal-Festival in Bremen ist das Bremer Metal Festival. Das Ziel des Mitte November stattfindenden Indoor-Events sollte es ursprünglich sein, die Lücke zwischen den Sommerfestivals zu verkürzen und die lange Pause somit etwas unterhaltsamer zu gestalten. Schon die erste Auflage 2010 war mit dem Ausverkauf ein direkter Erfolg. Mit der Maßgabe, etwas für die aufstrebenden Bands zu tun – für die Bands, die einmal auf der Bühne stehen sollen, wenn die ganz Großen einmal tot sind – holt man daher Jahr für Jahr Bands ran, die noch auf ihren großen Durchbruch warten.

Das zweitägige Event in Bremens Innenstadt zieht an jedem der beiden Veranstaltungstage ungefähr 350 Besucher an – möglicherweise ein recht unterschiedliches Publikum. Während es sich bei der Musik am ersten, dem „bösen Tag“, nämlich hauptsächlich um Black, Thrash und Death Metal sowie um Grindcore handelt (oder mit den Worten des Veranstalters: „Alles, was hart ist!“), geben sich am „guten Tag“ Bands des Heavy, Symphonic und Opera Metal, aber auch des Hardrocks die Ehre („Alles, was melodisch ist!“). 2016 waren u.a. WORDS OF FAREWELL, MIRACLE MEN, MAGISTARIUM, HELLDORADOS, NAZGHOR und BLOODPUNCH dabei. Und weil es so gut läuft, steigt auch dieses Jahr wieder das Bremer Metal Festival – zum nunmehr achten Mal.

Von Musikern für Musiker: Bremen Metal Feast

Unter dem Banner des hansemosh findet seit 2012 jedes Jahr das Bremen Metal Feast statt. Eine Gruppe von Konzertgängern und Musikern sagte sich, dass es zu wenig größere Metalbands des extremen Geschmacks nach Bremen schaffen würden. Mit dem Ziel dies zu ändern, ging man die Planung an. Regionale und überregionale Underground-Bands supporten ein bis zwei größere Headliner, die sich aber dennoch dem Underground zurechnen lassen. Da die seit Beginn des Festivals gleichgebliebene Location, der Magazinkeller im Schlachthof Bremen, mit 200 Gästen ab der zweiten Auflage 2013 stets ausverkauft war, wird das Festival in absehbarer Zeit vermutlich nicht wachsen. Gut für alle, die eine gemütliche Größe ohne viel Gedränge bevorzugen. Mit seinem Termin Mitte April läuft das Festival außerdem keine Gefahr, zeitlich mit den Sommerfestivals in der Umgebung zu kollidieren – das Hauptargument für die Terminwahl der Veranstalter.

Da insbesondere extreme Genres den Geschmack der Veranstalter treffen, finden auch nur diese ihren Platz auf dem Festival. Thrash, Death, Black und Grind sind hier zu Hause. Wie ein Vampir den Knoblauch meidet, meidet das Bremen Metal Feast explizit alle Richtungen des Core. Traditionell treten fünf Bands auf. Zum fünfjährigen Jubiläum waren das namentlich DESASTER, DROWNED, IRATE ARCHITECT, GRAVEYARD GHOUL und CARAPAX. Und auch für die nächste Auflage sind mit HELLISH CROSSFIRE, ENDSEEKER, TERRORBLADE, FETOCIDE und FEAR CONNECTION wieder fünf Kapellen am Start. Diesen Samstag ist es bereits wieder soweit – vielleicht das richtige für einen Kurztrip nach Bremen?

Die Frage aller Fragen: Lohnt es sich, in Bremen Festivalgänger zu sein?

Nun ja, was soll man dazu schon sagen? Ganz objektiv muss man auf der einen Seite zugeben: Zwei Festivals sind bei Weitem nicht die Welt. Auf der anderen Seite muss man sich auch fragen: Was soll man von einer Stadt dieser Größe denn auch erwarten? Zwei Festivals sind für eine Stadt wie Bremen eine Bereicherung und bieten immerhin Möglichkeiten, sich mit Leuten aus der lokalen Szene zu treffen. Ansonsten muss man hier einfach so fair sein und darf nicht dieselben Anforderungen wie an die anderen Bundesländer stellen. Ob es sich lohnt, in Bremen Festivalgänger zu sein, muss sich hier jeder selbst beantworten. Und falls nicht: in den Nachbarbundesländern ist ja auch noch eine Menge los, nicht wahr?

 


Sind unter euch Leute aus Nordrhein-Westfalen? Dann könnt ihr euch warm anziehen. Auf euch wartet in den kommenden Wochen ein Bombardement von Festivals – ein Artikel wird da sicher nicht reichen!


 

Bilder mit freundlicher Genehmigung von Bremer Metal Festival und hansemosh

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3 Kommentare

  1. Ostseemetal
    10. April 2017 bei 20:06 — Antworten

    Um den Festivalwert von Stadtstaaten und Großstädten zu erfassen, würde sich vielleicht ein Bepunktungssystem eignen, das die Entfernung mit einbezieht und sich ansonsten hauptsächlich auf die Größe bezieht, wobei nicht die Kapazität, sondern die tatsächliche Zuschauerzahl im Vorjahr relevant ist. Und zwar bekämen Festivals bis 500 Zuschauern 1 Punkt als Grundwert, bis 1000 2, bis 5000 3, bis 10 000 4, bis 30 000 5 und alles mit noch mehr Zuschauern 6 Punkte. Für Festivals in der Stadt selbst und im Umkreis von bis zu 50 km bleibt der Wert so stehen. zwischen 50 und 100 km wird der Wert halbiert und bis 200 km durch 4 geteilt. Addiert man dann die Werte aller Festivals im Umkreis von 200 km um eine Großstadt, ergibt sich der Festivalwert der Stadt als Punktwert. Je höher, desto besser.

    • Lukas
      13. April 2017 bei 18:47 — Antworten

      Moin!
      Das klingt echt interessant, und als großer Fan jeglicher Statistiken würde ich mich sicherlich auch dafür begeistern.
      In das Format, wie ich es mit dieser Kolumne begonnen habe, passt das nicht ganz rein. Aber vielleicht hast du ja Bock, dich mal an sowas zu probieren und eine Kolumne über den Festivalwert von Großstädten zu schreiben? Ich würde das garantiert lesen 😉
      Grüße, Lukas

      • Ostseemetal
        14. April 2017 bei 13:50

        Also vor Ende September könnte ich das leider nicht schaffen. Ich muss für die Uni dieses Semester jede Woche ein anspruchsvolles Protokoll schreiben und da bliebe für eine derart rechercheintensive Nebenbeschäftigung einfach keine Zeit. Außerdem weiß ich nicht, wie glaubwürdig ich wäre, da ich (noch?) kein Festivalgänger bin. Ich würde mich freuen, wenn sich jemand damit beschäftigen würde, wäre sicherlich interessant, aber ich schaffe es leider nicht.

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