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Die Ruhe vor dem Sturm ist vorbei – CRAVING

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CRAVING – By The Storm
Veröffentlichungsdatum: 16.12.2016
Dauer: 78:51 Min.
Label: Apostasy
Genre: Melodic Black Metal/ Melodic Death Metal

Bereits anfangs dieses Jahres wehte uns von Seiten der deutsch-russischen Formation CRAVING ein Vorgeschmack auf das Album um die Ohren: Die vier-Lieder-EP „Wielder Of Storms“ ließ hohe Erwartungen aufkommen – und nun ist der damit angekündigte Sturm endlich da.

Nach einem atmosphärischen Instrumental-Intro wird sofort losgelegt. Quasi durchgehend im Uptempo-Bereich, peitschen einem die Tracks von erster Sekunde an nur so ins Gesicht. Scheint der Opener „By The Storm“ textlich wie musikalisch eher simpel gehalten, so bringt er aber direkt ein hohes Level an Energie auf, welches bis zum Ende der Scheibe nicht mehr loslässt. Spätestens beim dritten Song „Penelopes Prayer“ zeigen CRAVING dann allerdings ihre wahre Stärke: aggressiver, extrem schneller Black Metal, der sich in hymnischen, extra-melodischen Refrains ergießt, die einen im Kontrast dazu mit Clean-Gesang und epischen Hall-Chören förmlich überfluten. Das gleiche Rezept funktioniert auch im weiteren Albumverlauf wunderbar. So etwa bei „Seven Steps To Darkness“ oder meinem persönlichen Favoriten „Wenn Der Wind Sich Dreht“.

Ganz im Gegensatz dazu steht dann der achtminütige Epos „Eyes Of Winter“. Statt einen weiteren 250-BPM-Blastbeat-Sturm auf den Hörer loszulassen, präsentieren sich die Oldenburger hier von einer ungewohnt doomigen und düsteren Seite. Bedrückende Stimmung im Chorus, sowie in den Akustik- und Clean-Parts, und sogar ein kurzer pagan-angehauchter Zwischeneinwurf machen „Eyes Of Winter“ definitiv zum Ausnahmesong des Albums. In der Digipak-Edition der CD gibt es dann noch zwei Bonustracks dazu: eine Eigeninterpretation des „Game Of Thrones“-Mainthemes „Das Lied von Eis und Feuer“ und ein Remaster des EP-exklusiven Black Metal-Tracks „Torn Apart“.

Nach gewohnter CRAVING-Manier beehrt uns Fronter Ivan Chertov auch diesmal singend und schreiend auf Deutsch, Russisch und Englisch. Im Vergleich zum Vorgängeralbum „At Dawn“, büßt „By The Storm“ allerdings etwas an Abwechslung und Experimentierfreudigkeit ein. Dafür ist es aber noch weitaus direkter und straightforwarder als genannter Vorgänger. Großer Respekt gilt meines Erachtens nach auch dem Drummer – schlagzeugtechnisch ist dieses Album wirklich eine sportliche Spitzenleistung. Lars Ulrich (METALLICA) meinte einmal, als Drummer von SLAYER würde er wahrscheinlich vor Anstrengung einen Herzinfarkt bekommen. Vielleicht sollte er es mal bei CRAVING versuchen.

 

„By The Storm“ ist alles in allem eine konsequente Fortführung der „Wielder Of Storms“-EP. Den Erwartungen, die diese aufgewirbelt hat, wird das Album in allen Hinsichten gerecht. Es lässt einen nämlich nach einem kompletten Hördurchgang (78 Minuten!) ein bisschen so zurück, als hätte einem gerade ein wütender Orkan eine neue Frisur verpasst. Freunden von kaltem, seelenlosem Black Metal wird „By The Storm“ mit seinen vielen melodischen Parts wahrscheinlich immer noch etwas zu bunt sein – und vielleicht kommt einem der eine oder andere Refrain ein wenig zu langgezogen oder überladen vor. Aber alle, die auf schnelle, aggressive Musik mit einer Extraportion Epik stehen, sind bei CRAVING definitiv an der richtigen Adresse.

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Autorenbewertung

8
"By The Storm" ist eine konsequente Fortführung der "Wielder Of Storms"-EP. Wer auf straightforward Melodic Death und Black Metal mit epischen Refrains steht, sollte sich das Album auf jeden Fall anhören.
ø 3.1 / 5 bei 2 Benutzerbewertungen
8 / 10 Punkten

Vorteile

+ schnell
+ episch
+ aggressiv
+ melodisch
+ straightforward

Nachteile

- Refrains können manchmal etwas langatmig wirken
- weniger Abwechslung und Experimente als der Vorgänger

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2 Kommentare

  1. FuriousFry
    21. November 2016 bei 11:03 — Antworten

    Wen der Drummer mehr interessiert, er hat einen fantastischen Youtube-Kanal namens MorganVanHelsing, wo er seine Übungsroutine, Warmups und sein Setup vorstellt. Als jemand der selbst Drums spielt verdammt hilfreich und inspirierend.

    • Mich
      Mich
      21. November 2016 bei 12:11 — Antworten

      Ist mir bewusst, danke! 🙂
      Auf dem Album ist allerdings nicht Nechtan, sondern Maik Schaffstädter zu hören.

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