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Die Sause auf dem Berg – Dong Open Air

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Donnerstag: Tag 1

Unter dem Motto “Weird times for Rock’n’Roll” wurde auch in diesem Jahr wieder der DONG-Berg von einer Horde langhaariger, vermehrt schwarz gekleideter Menschen gestürmt. Ja, richtig gelesen: Bevor die ersten Klänge vor der Bühne genossen werden dürfen, muss erst der Anstieg bewältigt werden. Verschwitzte Gestalten, die Palette um Palette auf Bollerwagen die Serpentinen hochschieben, sind keine Seltenheit. Der erste Lohn ist im Anschluss – neben dem obligatorischen Kaltgetränk – eine fantastische Aussicht. Familiäres Klassentreffen vor traumhafter Kulisse, was will man mehr?

An meiner Seite berichtet der wundervolle Julian Preuss.

Auf nach Wacken!

Klar, Mucke! Den Anfang machen die beiden W:O:A Metal Battle-Finalisten DARKEST HORIZON und DETRAKTOR. Erstere geben sich dem melodischen Todesstahl skandinavischer Prägung hin, lassen dabei aber eine eigene Identität vermissen. Klar wird das Genre von deutschen Bands nicht so häufig bedient, bei einem Blick über die Grenze verfliegt aber der kleine Exoten-Bonus. Besonders gegen Mitte des letzten Jahrzehnts ist diese Richtung inflationär bespielt worden. Ein mäßiger Sound steht dem Hörgenuss im Weg, noch dazu wirken die Ansagen zwischen den Songs arg gekünstelt. Hat was von einem lustigen Onkel, der auf Super RTL die lieben Kleinen animiert. So springt der Funke trotz engagiert und routiniert vorgehender Band nicht wirklich über.

Hui, gleich im Anschluss kommt mit DETRAKTOR schon am frühen Nachmittag eine Band auf die Bühne, bei der es ordentlich scheppert. Der zweite Finalteilnehmer des Metal Battles bietet den schon recht zahlreichen Zuschauern brachialen Thrash Metal. Unter dem großen Zelt, wo sich die einzige Bühne befindet, ist der Sound ganz ordentlich, allerdings sind Gesang und Ansagen des Sängers absolut unverständlich. Könnte vielleicht daran liegen, dass der Sänger auch gleichzeitig auf die Drums eindrischt. Der Stimmung tuts keinen Abbruch – das Publikum geht in den Pits voll mit. Entsprechend fahren DETRAKTOR im August dann auch nach Wacken.

Quer durch den Genre-Garten

Etwas dezenter geht es bei MESSIAH’S KISS zur Sache: Ein Mix aus klassischem Heavy und Power Metal steht auf dem Stundenplan. Die Jungs leben die 80er-Attitüde auf der Bühne aus und liefern eine recht solide Show, allerdings ohne Wow-Effekt. Spielfreude und Bühnenpräsenz kann man der Band allerdings nicht abstreiten. Allerdings kommen die Ansagen des Sängers nicht wirklich bei den Zuschauern an, sodass der Funke kaum überspringt. Folglich zieht sich der 45-minütige Gig wie Kaugummi. Es könnte also getrost ein Pause am Bierstand eingelegt werden.

Gegen halb Fünf sind die meisten Besucher wohl fertig mit dem Aufbau ihrer Zelte, denn vor der Bühne steht auf einmal ein Vielfaches an Menschen. Möglicherweise haben die SISTERS OF SUFFOCATION auch schon ein paar Fans unter den Schaulustigen, denkbar wäre es auf jeden Fall. Die vier Damen aus den Niederlanden liefern nämlich ein sehr ordentliches Brett ab, das sich als schnörkelloser Old School Death Metal beschreiben lässt. In Zeiten, wo die Female-Fronted-Karte gerne ausgespielt wird, um musikalische Defizite zu überspielen, zeichnen diese Damen einen schönen Gegenentwurf, der sich allein auf Geballer und Gegrunze stützt. Hach, wie das vor und auf der Bühne mundet!

Richtig exotisch geht es bei VULTURE INDUSTRIES zu. Eine sehr reduzierte Bühnenshow lässt viel Raum für die Musik an sich, die gerne mal den Stoner-Bereich streift und auf Konventionen pfeift. Lustige Ansagen und dergleichen haben in diesem Klangkosmos nicht viel verloren, eher wird andächtig gelauscht. Während anfangs der Sound noch etwas mau ist, baut sich gerade gegen Ende der Show viel Stimmung auf, die sich in einem längeren Stück zum Abschluss entlädt. Frühes Highlight!

Zweimal hui, einmal – na, nicht ganz – pfui

Am frühen Abend geht es kompromisslos und vor allem ohne Clean-Gesang weiter. Die Marler Truppe WORDS OF FAREWELL hat sich vorgenommen, die Bühne ordentlich zum Beben zu bringen. Und das wird so auch ohne Wenn und Aber umgesetzt. Obwohl ich stilistisch anders orientiert bin, haben es die Ruhrpottler geschafft, mich auf ihre Seite zu ziehen. Rau, brachial und zu 100 Prozent authentisch kann man das Konzert zu den Top-Gigs des Festivals zählen. Der fehlerlose Sound tut sein Übriges.

Richtig groß spielen die Dänen von HATESPHERE auf. Nachdem sich die Band jüngst einige Achtungserfolge wie den Opener-Slot bei METALLICA sichern konnte, wird der Co-Headliner-Slot des ersten Tages mit Leichtigkeit gemeistert. Tonnenschwere Hassbolzen wie “Ressurect With A Vengeance”, “The Coming Of Chaos” und “Only The Strongest…” perforieren die Nackenmuskulatur. Überhaupt wohnt dem einstündigen Auftritt verdammt viel Magie (und Hass!) inne. Die Setlist könnte kaum besser sein und deckt nahezu alle Schaffensperioden ab, bevor das grandiose Abschluss-Doppel aus “Disbeliever” und “Sickness Within” für verbrannte Erde sorgt. Abgesehen vom überzogenen Hall auf dem Gesang lässt der Auftritt keine Wünsche offen.

Zum Abschluss des ersten Festivaltages betreten die Wikinger von ENSIFERUM die Bühne unter dem Zirkuszelt. Spätestens jetzt sind wirklich alle Besucher der Veranstaltung vor der Bühne, oder zumindest in ihrer Nähe. Auf eine großartige Show gespannt, haben wir uns die raren Plätze vor der Bühne gesichert. Tja, was soll ich sagen? Die Show wird solide runtergespielt, die Fans können sich über eine ordentliche Setlist freuen, die Klassiker wie „Lai Lai Hei“ beinhaltet. Allerdings sorgt der doch recht schlecht abgemischte Sound, insbesondere der Gitarrenbrei, für eine gedämpfte Stimmung. Der Tag schließt also mit einem eher mäßigen Auftritt des ersten Headliners.

Freitag: Tag 2

Opener des zweiten Tages sind FATEFUL FINALITY, die gleich mal mit derbem Thrash das erste Bier begleiten. Besonders im Kontext des Metal Battles am Vortag passt die Band, hat diese doch 2012 für Deutschland ins Finale ziehen dürfen. Damals noch eher mäßig begeistert von der Truppe, funktioniert der Auftritt an diesem Tag ganz gut. Zwar zeigen sich die Musiker auf der Bühne weniger agil als erwartet, dafür sitzt das Songmaterial. Ist ja auch noch früh, da tut die gedrosselte Hektik nicht so weh, zumal das Dargebotene in den Ohren richtig gut tönt.

Anstelle von ATOMGOTT spielen an zweiter Stelle MISANTHROPE MONARCH, die spontan eingesprungen und noch viel spontaner ihre CD-Veröffentlichung auf den Berg verlegt haben. Der Sound ist an dieser Stelle eher suboptimal mit viel zu präsenten Drums, dafür ist der Drummer aber auch ein richtiges Tier. Besonders die Gitarren geraten an dieser Stelle sehr ins Hintertreffen, was dem Auftritt einiger Facetten beraubt. Insbesondere deswegen bleibt Luft nach oben, als coole Truppe etablieren sich MISANTHROPE MONARCH vor dem leider noch etwas spärlichen Publikum aber dennoch.

Nach dem (guten) Mittagessen geht es zu AEVERIUM unters Zelt. Die Viersener bieten vielfältigen Alternative/Gothic Metal, der von weiblichem und männlichen Gesang vorgetragen wird. Es zeigt sich wieder einmal, dass für Ladies auf der Bühne gutes Aussehen alleine nicht unbedingt reicht. Jedes Mal ein kleines bisschen erleichtert, wenn die weiblichen von den männliches Vocals abgelöst werden, macht die Musik echt Laune. Man sagt ja, korpulentere Menschen seien lustig und sympathisch. Genau das trifft hier auf den Sänger zu, der mit knackigen Ansagen und Witzen über die eigene Figur für Heiterkeit sorgt. Hinzu kommt, dass der einsetzende Starkregen die restlichen Besucher unter das Zelt treibt und es somit an diesem Tag dort zum erstem Mal richtig voll ist.

Kleine Weltreise

Wahrscheinlich gar nicht amused von den äußeren und klimatischen Bedingungen sind die Brasilianerinnen von NERVOSA. Die zierlichen Mädels treten dem Publikum mit gängigem Thrash Metal in den Hintern. Ich muss dazu sagen, dass sich mir dabei allerdings die Nackenhaare aufstellen, denn ich finde weibliche Growls einfach unsexy. Das ist den Damen jedoch herzlich egal. Dementsprechend spielen sie mit einem verschmitzten Lächeln und einer gewissen Portion Selbstironie ihren Stiefel runter.

Interkontinental setzen WAR KABINETT an, denn die Jungs sind aus Mexiko angereist. Etwas ausufernd wird in jeder Ansage darauf hingewiesen, wie sehr sich die Truppe drüber freut, schon zum zweiten Mal auf dem DONG-Berg spielen zu dürfen. Dabei haben sich die Jungs auch einiges einfallen lassen, darunter ein kleiner Chor zur Unterstützung auf der Bühne. Dicke Sympathie-Punkte sind den Mexikanern sicher, zumal sie darum bemüht sind, ihre Ansagen auf (natürlich wackeligem) Deutsch vorzubringen. Dazu noch grundsolider Power Metal, und das Publikum zieht mit.

Vom Regen leicht genervt, bleiben viele einfach noch etwas länger unter dem Zelt und lauschen ACYL, die jedoch auf sich warten lassen. Mit einiger Verzögerung kann das Konzert dann endlich mit recht schlechter Stimmung beginnen. Das multimediale Bühnenbild und der Ethno-Metal heben die Laune des Publikums nur mäßig.

Ei, wie das knüppelt

„Von Brasilien über Mexiko und Algerien zurück nach Wuppertal im Ruhrgebiet“ lautet das Motto bei CONTRADICTION. Die Urgesteine zeigen den meiner Meinung nach bisher besten Thrash Metal. Ohne Soundprobleme hört sich eben vieles einfach besser an. Nicht nur die Band hat Spaß am Zocken, auch die Fans geben in den zu Dutzenden aufkommenden Pits wirklich alles.

Einen arschtighten Auftritt liefern GOD DETHRONED ab, leider auch an dieser Stelle vor einem dünn gesäten Publikum. Scheint am zweiten Tag das Schicksal vieler Kapellen zu sein, an der Qualität wird es sicher nicht gelegen haben. Hinsichtlich der Bühnenshow zeigen sich die Niederländer eher zurückhaltend, die Musik wird klar in den Vordergrund gerückt. Gerade die hymnischeren Stücke funktionieren tadellos und unterstreichen, wie schön es doch ist, die Band nach der Wiedervereinigung abermals auf den Bühnen der Welt erleben zu dürfen.

Herzschmerz haben die IN FLAMES aus der zweiten Reihe mitgebracht: DARK TRANQUILITY sind solide, aber auch nicht mehr. Was da geboten wird, ist wohl nicht schlecht, mag aber einfach nicht überspringen. Gerade wenn man an diesem Tag schon einige Male dem werten Björn Gooßes (manche nennen ihn Björn Goobes) über den Weg gelaufen ist, der als ehemaliger Frontmann von NIGHT IN GALES das Genre mitgeprägt hat, tut das im Herzen weh. Verkehrt nicht unbedingt, dafür aber enorm blutleer.

Um 22:30 Uhr soll es dann endlich so weit sein: der Tagesheadliner, für den sich ein beschauliches Publikum im Zelt einfindet, wird auf der Bühne erwartet. Doch das freudige Warten auf ICED EARTH zieht sich in die Länge. Grund für die 20-minütige Verspätung ist der Soundcheck, bei dem sich offenbar Probleme mit den Drums auftun. Nun ja, kann mal passieren, ist aber unschön. Das stimmungsvolle Intro von „Great Heathen Army“ ist der Auftakt zu einer grundsoliden, aber glanzlosen Show der US-Amerikaner. In erster Linie wird das neue Album „Incorruptible“ präsentiert, weshalb sich neben Klassikern wie „The Hunter“ drei Songs der neuen Scheibe in der Setlist wiederfinden. Eine Sache sollte aber noch angemerkt werden, die nichts mit der Show an sich zu tun hat. Ist es zu viel verlangt, als sich nach vorne drängelnder Kerl mit Schrankfigur einen Blick nach hinten zu werfen? Kann man nicht einen Schritt zur Seite gehen, wenn man merkt, dass hinter einem eine ca. 1,55 kleine Frau steht? Anscheinend ja, denn ein freundlicher Hinweis darauf endet fast in einer Prügelei.

Samstag: Tag 3 – Finaltag

“We are sailing, you are not (so, oder so ähnlich herausgehört)!” Preis für die peinlichste Textzeile des Festivals geht eindeutig an STORM SEEKER. Als erste Band des letzten Tages hat die Truppe das Zelt ordentlich gefüllt, auch Shirts der Band hat man auf dem DONG häufiger gesehen. Musikalisch geht es in die folkige Piraten-Richtung, dementsprechend wird zwar weniger Tiefe, dafür aber umso mehr Stimmung geboten. Manchmal doch etwas zu viel des Guten, vor allem bei Ansagen wie: “Der nächste Song ist ein Hit!”, und irgendwo klingt der Frontmann auch etwas übernächtigt. Als süffiger Einstieg in den Tag funktioniert die Sache aber tadellos.

Einen Augenschmaus bekommen die männlichen Fans bei SPOIL ENGINE geboten. Die Frontfrau der überwiegend belgischen Band geht bestimmt einigen Kerle nicht mehr aus dem Kopf. Die Band ordnet sich stilistisch in der Nähe von ARCH ENEMY ein. Der Nachteil an der ganzen Sache ist, dass sich Alissas Growls um einiges besser anhören. Man kann nicht behaupten, dass die belgische Kombo schlecht ist, aber sie ist eben auch nicht gut. Das könnte aber auch an meiner persönlichen Einstellung zu weiblichen Growls liegen.

Doppel-Folk mit ungutem Zwischenspiel

Exotisch wird es nachfolgend mit MUNARHEIM. Die achtköpfige (!) Truppe präsentiert eine Mixtur aus deutschen Folk und Black Metal, die sich in Teilen echt skurril anhört. Generell wäre es wohl besser, sich die Band im Liegen und mit geschlossenen Augen zu geben. So ließe sich die Baumknutscherstimmung (ich weiß, Klischee …) am besten aufnehmen. Atmosphärisch und mit authentisch sympathischen Ansagen weiß der Fronter der Coburger Formation allerdings vollkommen zu überzeugen.

Negativ-Highlight des Festivals sind die Australier von COPIA. Bevor jetzt Fragen aufkommen: Ja, das ist die Truppe, wo der Sänger – mit Kopfhörern bewaffnet – auf so ziemlich jedem deutschen Festival den Campground unsicher macht und versucht, einem das Album aufzuschwatzen. Zum Glück war ich dafür nie betrunken genug, denn so uninspiriert auf radiotauglich getrimmten Metalcore braucht man nicht wirklich. Dass der Gesang noch dazu schief und verwaschen klingt, gibt der Mucke den Gnadenstoß. Hat sich wohl einer zu lange auf dem Campground rumgetrieben.

Da wir ja grade schon beim Folk von MUNARHEIM waren, stürmt nach einer Core-Pause eine weitere Band aus dem Folk Metal die Bühne. Die Italiener von ELVENKING werden ihrem Namen vor allem optisch dank ihrer Bühnen-Outfits gerecht. Die Jungs springen energiegeladen auf der Stage auf und ab. So schaffen sie es, die Stimmung nach dem uninspirierten Metalcore wieder zu heben. Die sechs Elfen zocken ihre Mucke souverän runter und ernten verdienten Applaus seitens der tanzenden Fans.

Edler Fremdkörper und viel Durst

Ein besonderes Kleinod findet sich – leider mit viel zu dünnem Publikum vor der Bühne – mit LORD VIGO. Was für ein Brett! Die Truppe um den Sänger mit dem lustigen Helm spielt Epic Doom … nein, sie lebt den Epic Doom voll aus! Da ist jede Note, jeder Akkord mit so viel Gefühl und Seele vorgetragen, dass es eine wahre Freude ist! Durch die Tatsache, dass am letzten Festivaltag viel Süffiges zum Mitgrölen auftritt, lässt sich wohl das magere Publikum erklären, der Stilbruch ist nämlich sehr deutlich. Diesen Umstand kontern LORD HELMCHEN mit umso mehr Spielfreude, wobei besonders der Mann am Bass durch seine Bühnenpräsenz die Blicke auf sich zieht. Grandioses Ding, gleich mal tüchtig Merch gekauft!

So, nachdem sich LORD VIGO aus Rheinland-Pfalz mit Helmchen (und Schüppe?) austoben durften, ist es nun an der Zeit für richtig kern-asigen Rock ‘n’ Roll ausm Pott. Der urige MOTÖRHEAD-Sound von CROSSPLANE überzeugt jeden Einzelnen vor der Bühne, und Marcel „Celli“ baut mit gekonnten und ehrlich-authentischen Ansagen eine starke Bindung zwischen Fans und Band auf. Endlich mal eine Band, die frei Schnauze sagt, was sie denkt. Dass während des Gigs bei der Truppe statt Wasser eine ganze Menge Bier fließt, macht sie wohl noch sympathischer. CROSSPLANE malocht sich zu einem der Highlights auf dem DONG-Berg!

Wo GLORYHAMMER spielen, sind die Hoots-Chöre nicht fern! Gleich zu Beginn erklärt Frontmann Thomas Winkler, in seiner Welt hießen alle Deutschen Hansi. Na gut, in meiner Welt heißen auch alle Schweizer Uter Zörker! Zusammen mit sehr vielen anderen Hansis wird also ein schön kitschiges Power Metal-Fest zelebriert, das insbesondere von Uters debilen Ansagen, den Kostümen und viel Bier lebt. Positiv anzumerken ist, dass Herr Zörker nicht ganz so penetrant wie noch vor einigen Jahren auf Mitmach-Parts besteht – die ergeben sich ohnehin von selbst. Die Chaoten sind bemerkenswert schnell in ihr kleines Universum hineingewachsen, daher zündet das klischeeüberladene Weltraum-Rittertum auch augenblicklich. So viele ausgelassen feiernde Hansis sieht man nicht jeden Tag.

Das große Finale

Kurz vor Schluss bringen MEMORIAM um den ehemaligen BOLT THROWER-Frontmann Karl Willets noch etwas düsteren Old School Death mit. Abgenommen wird an diesem letzten Festivaltag aber wie beschrieben eher leichte Kost, weshalb auch hier das Publikum überschaubar ausfällt. Darüber hinaus scheint die Kapelle auch bei Freunden finsterer Klänge nicht ausschließlich Anklang zu finden. Während durchaus einige sehr glückliche Gesichter auszumachen sind, zeigen sich auch viele Skeptiker. Nicht unberechtigt, wie ich finde, denn der Funke will bei mir nicht überspringen. Der Sound ist mäßig – vor allem die Drums sind gruselig –, das Geschehen wirkt nicht sonderlich motiviert, und der legendär heisere Gesang will einfach nicht zünden. Ist es Erschöpfung, oder ist es einfach ein mauer Auftritt? Schwer zu beurteilen.

Puh, da hat man jetzt schon drei Tage vor der Bühne verbracht, da wird man praktisch noch gezwungen (Spaß …), zum Grande Finale bei IN EXTREMO abzugehen, mitzugrölen und sonst was zu veranstalten. Nee, jetzt mal ohne Mist, die Routiniers des deutschen Mittelalter-Metals ziehen eine Show ab, dass sich der Veranstalter im Prinzip den Zelt- und Bühnen-Abbau sparen kann. Eine Setlist, gespickt mit Klassikern wie „Störtebecker“, „Sternhagelvoll“ und „Spielmannsfluch“ als Zugabe, lässt keine Kehle stumm bleiben. Die Bühnenperformance mit Flammen und Feuerwerk ist schon beeindruckend und lenkt vielleicht auch vom ein oder anderen Problemchen beim Sound ab. Die anfangs noch belustigenden „Ruhrpott“-Ansagen von Krakeeler Michael sorgen auf Dauer doch für Augenrollen im Publikum, da sich das Festival am Niederrhein befindet. Na ja, wollen wir mal nicht pingelig sein, ist doch die Stimmung zum Festival-Abschluss grandios.

Fazit

Tja, was bleibt nach drei Tagen Festival auf dem DONG-Berg? Außer einer ganzen Menge leere Bierdosen und Schnapsflaschen? Wahrscheinlich schmerzende Füße vom täglichen Erklimmen der Halde und die Erinnerung an einen grandiosen Ausblick. Das Festival ist von der Größe her absolut perfekt, und die Bandauswahl umfasst ein paar Leckerbissen. Besonders auffällig ist in diesem Jahr die Anzahl der Bands mit einem (oder mehr) weiblichen Mitgliedern, die sich hier beweisen können. Noch dazu spielen nicht ständig die gleichen Gesichter, und auch Kapellen aus weiter Ferne landen auf dem Teller der knapp 3.000 Besucher. Überhaupt fällt alles sehr stressfrei aus, denn angesichts der Größe finden sich in erster Linie freundliche und motivierte Menschen ein, zudem wird mangels einer zweiten Bühne sowie der Nähe zum Campground der Festival-Alltag angenehm entschleunigt.

Dass es keinen echten Merch-Stand gibt, und hier seitens der Band munter improvisiert werden muss, ist eindeutig suboptimal. Dafür ist mit einem hochqualitativen und breiten Speise-Angebot für das leibliche Wohl gesorgt – liebe Grüße an den Stand mit den veganen Burgern, der mich geschmacklich richtig abgeholt hat! Für die suboptimale Parksituation kann der Veranstalter nichts, aber wie schon ein Freund von mir meinte:

“Man muss sich des DONG-Bergs erst einmal würdig erweisen!

Hier geht es zur Webseite!

Fotos: Alexander Prinz

Bild mit freundlicher Genehmigung von Dong Open Air

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1 Kommentar

  1. Johannes
    7. August 2017 bei 19:59 — Antworten

    Zum Glück ist der Beitrag eine eigene Meinung. Finde gerade den Bericht übers Metal Hatte komplett falsch. Aber da hat jeder seine Meinung.
    Ich finde es gut endlich mal wieder junge Bands zu haben, welche sich Zutrauen Melodien zu verwenden. Detektor hatten wirklich viel bumm und haben Spaß gemacht aber hier hat mir die Innovation gefehlt.
    Dennoch wünsche ich beiden Bands viel Erfolg auf ihrem weiteren Weg!

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