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Endzeit in Leipzig? Armageddon Tour 2016

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2014 sah ich sie auf dem Rockharz, 2015 auf dem Metal Frenzy. Doch dieses Jahr wollten sich EQUILIBRIUM einfach nicht auf den Festivals blicken lassen, die ich besuchte. Da traf es sich gut, dass sie dieses Jahr ihr neues Album veröffentlichten und im Zuge der zugehörigen Tour auch in Leipzig Halt machten. Auch der Support auf der diesjährigen Tour kann sich sehen lassen: Auf Heidevolk und Nothgard freute ich mich bereits, Finsterforst hingegen würde ich schon irgendwie ertragen können. Am 24.09.2016 zog es mich also zum Hellraiser nach Leipzig, um mir die „Armageddon Tour 2016“ zu Gemüte zu führen.

Volle Hütte zu jeder Zeit

19.00 Uhr geht es los mit FINSTERFORST, und ich stelle fest: Es ist voll! Bei den meisten Konzerten, die ich in der Vergangenheit besucht habe, wurde es erst kurz vor dem Auftritt des Headliners wirklich voll. Das sieht heute ganz anders aus. Das entgeht auch dem Sänger von FINSTERFORST nicht, der uns später fragt, ob wir sonst nichts zu tun hätten. Was mich angeht, ist das echt eine saublöde Frage. Ich bin Student, natürlich habe ich nichts zu tun …

Nun gut, wie dem auch sei, zurück zum Konzert. Dem Titel des neuen Albums „YOLO“ entsprechend, betritt Sänger Oliver mit blinkender Leuchtbrille die Bühne. Kann man von halten, was man will. Ich mochte FINSTERFORST schon vorher nicht, und so sarkastisch das alles auch gemeint sein kann, ich find’s doof. Eines muss ich aber gestehen: Zwischen Titeln wie „Auf Die Zwölf“, „YOLO“ oder „Mach Dich Frei“ zum Abschluss, wird mir während des 35 Minuten langen Auftritts nicht langweilig, und die Band unterhält mich besser, als ich gedacht hätte. Ich bin positiv überrascht. Wenn ich selbiges nur vom Sound behaupten könnte! Der lässt nämlich mal wieder zu wünschen übrig und könnte viel besser abgemischt sein. Es geht natürlich noch schlimmer, aber dazu später mehr.

Auch FINSTERFORST hat mit Titeln aus dem Album „YOLO“ neues Material zu bieten.

Kurzauftritt Nr. 2!

Pünktlich 19.55 Uhr beginnt mit NOTHGARD die zweite Band ihren Auftritt. Auch hier ist der Sound nicht perfekt, aber das hindert mich nicht daran, die Band zu feiern und mich am Auftritt zu erfreuen. Die Band von EQUILIBRIUM-Gitarrist Dom liefert gut ab. Auch die Stimmung im Hellraiser ist hervorragend, und so habe ich bei diesem Auftritt meinen Spaß. Ein kurzer Spaß – auch dieses Set dauert nur 35 Minuten, dann ist der Auftritt auch schon wieder vorbei. Finde ich aber nicht weiter schlimm, da mich überlange Auftritte von Vorbands eher nerven als begeistern. Bei einer musikalischen „Vorspeise“ muss ich noch nicht satt werden, daher bin ich mit der Setlänge vollkommen zufrieden.

Es geht ja doch!

Zwischen den Auftritten bewege ich mich nach draußen in den neu errichteten Außenbereich. Das ist auch bitter nötig, da die Luft im Hellraiser steht und sich stark erwärmt. Auch diesmal trifft mich die Hitze wie ein Schlag, als ich den Raum zum pünktlich beginnenden Auftritt von HEIDEVOLK betrete.

Das ist aber schnell vergessen, denn mir fällt etwas anderes auf. Etwas Positives: Der Klang ist hervorragend! Weniger laut als bei den vorherigen Auftritten, dafür viel angenehmer und besser verständlich erklingt der Folk- und Pagan-Metal der holländischen Formation in dem kleinen Konzertraum. Binnen weniger Augenblicke hellt sich meine Stimmung noch einmal deutlich auf. Der Auftritt dauert eine ganze Stunde, doch es gibt eigentlich keinen Augenblick, in dem ich mich dabei ertappe, mir das Ende des Auftritts herbeizuwünschen. Das habe ich schon ganz anders erlebt. Meine Stimmung ist auf einem hohen Level angelangt, sodass ich nun bereit für den Hauptakt des Abends bin: EQUILIBRIUM.

Zeit für das große Finale!

EQUILIBRIUM beginnt sogar zwei Minuten zu früh, sodass ich erst den Saal betrete, als der erste Song schon läuft. Es dauert keine fünf Sekunden, und jegliche Freude ist mir aus dem Gesicht gewichen: Nichts ärgert mich mehr als schlechter Sound bei einem Konzert. Nachdem der Opener „Sehnsucht“ und das anknüpfende „Erwachen“ ihr Ende finden, hoffe ich inständig, dass sich der Sound noch bessern möge. Immerhin ist die Stimmung ziemlich gut. Die Leute erfreuen sich am Auftritt und die Band hat Spaß. Das tröstet mich ein wenig, während die Band als dritten Song „Katharsis“ spielt.

Im Anschluss daran verlangt die feiernde Menge nach „Wirtshaus Gaudi! Wirtshaus Gaudi!“!, Robse entgegnet müde: „Wir trinken doch nicht mehr!“, nur um als Reaktion auf folgende Pfiffe kurz darauf hinzuzufügen „Aber auch nicht weniger! Euch kriege ich immer!“ Es folgt nicht „Wirtshaus Gaudi“, aber dafür ein anderer Titel vom letzten Album. Das charakteristische Vogelzwitschern ertönt, und das jubelnde Publikum weiß Bescheid: Es ist Zeit für „Waldschrein“! Wie könnte die Menge nicht jubeln, handelt es sich doch um den wohl besten Song der jüngeren Bandgeschichte.

Und es wird sogar noch besser: Es folgt mein Lieblingstitel der neuen Platte, „Heimat“. Aber man kann nicht alles haben: Der Bass übersteuert so heftig, wie ich es selten erlebt habe. Die Vibrationen fahren mir durch Mark und Bein. Das Ganze wiederholt sich während des Songs ungefähr zehn Mal, sodass ich den Song nicht genieße, sondern fluchend den Kopf schüttle. Ich beschwere mich beim Tonmann in gebotener Kürze, denn zwischen den Titeln ist nicht viel Zeit. Vielleicht bilde ich es mir ein, aber ich meine, dass der Ton bei „Karawane“ zumindest während der ersten beiden Minuten wieder ein wenig besser ist. Zum Ende hin steigt die Lautstärke aber erneut an. Da hat das Meckern wohl doch nicht geholfen.

Für Abwechslung ist gesorgt: Ausgewogenheit zwischen altem, neuem und ganz neuem Stoff

Zeit für einen weiteren Klassiker: „Blut im Auge“! Wär‘ schon cool, wenn sich die Härchen an meinen Armen nicht wegen der erneut übersteuernden Bässe aufstellen würden. Für gewöhnlich ist es kein gutes Zeichen, wenn man die Vibrationen während des Auftritts im ganzen Körper spürt. Es kommt mir gar vor, als hätte man nochmal die Lautstärke nach oben geschraubt, da mir jetzt selbst die höheren Screams von Robse Schmerzen bereiten.

Nach dem achten Song des Abends, dem vorab zum Album veröffentlichten „Prey“, verlässt eine Dame hinter mir den Raum und lässt ihren Freund allein. Der Grund: Es ist ihr zu laut. Ich kann es verstehen. So richtig viel Spaß macht das nicht. Allerdings bin ich knausrig und will sehen, wofür ich gezahlt habe. Aufgeben gibt’s nicht, also wird das jetzt durchgezogen!

Nächster Song: „Born To Be Epic“. Der vielleicht umstrittenste Song der neuen Scheibe. Meine Begleiter feiern diesen Song und verteidigen diesen, während ich mich zusammen mit meinem, ebenfalls dem Metal frönenden, Vater immer wieder darüber wundere, wie man nach diesem Spannungsaufbau in der Strophe, den ganzen Titel mit einer völlig deplatzierten Flötenmelodie so versauen kann. Nun ja, Geschmäcker sind äußerst unterschiedlich.

„Uns’rer Flöten Klang“ gefällt mir da schon viel besser. Das Lied ist rund und macht gute Laune. Das kann ich an diesem Abend gut gebrauchen. Es folgt ein weiteres Highlight, mit dem ich nicht gerechnet hatte: „Himmelsrand“! Wer einmal Skyrim gespielt hat, wird die Freude verstehen. Das epische Stück zum Spiel als Metal-Version schmeichelt den Ohren. Die Band hat ein gutes Händchen bewiesen, als sie sich entschied, gerade diese Melodie zu covern. Nach dem Song meint Robse im Spaß: „Ich habe in meinem Leben noch nie sowas Grauenvolles gehört!“ Selbstverständlich meint er damit die Mitgröhl-Versuche einiger Fans. Schmunzeln muss ich trotzdem, hätte dieser Spruch in der aktuellen Situation doch auch genauso gut von mir kommen können.

Die Band gibt noch einmal „Unbesiegt“ zum Besten, bevor sie sich nach 65 Minuten zurückzieht. Natürlich war das nicht alles. Die Menge schreit nach einer Zugabe und bekommt sie. Es geht noch einmal los, diesmal mit „Rise Again“. Es folgen noch „Freiflug“ und ein Stück aus einem älteren Album, ehe das Konzert nach 90 Minuten mit dem Titel „Eternal Destination“ abschließt.

Equillibrium Armageddon Tour

Es ist das Ende eines langen, unterhaltsamen, aber doch nicht gänzlich zufriedenstellenden Abends. EQUILIBRIUM machen immer noch Spaß, aber die Tonqualität im Hellraiser war schon besser. Ich weiß, dass sie es viel besser können. Im März war der Sound bei VICTORIUS, den GRAILKNIGHTS und VAN CANTO hervorragend.

Ich werde mich davon nicht abschrecken lassen und sicherlich bald wieder in Leipzig vorbeischauen. Dann vielleicht mit besserem Ton und erneut hochmotivierten Bands.


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