ENSIFERUM, EX DEO, WIND ROSE – Wikinger, Römer und Zwerge

Endlich wieder ENSIFERUM!

Mit diesem Gedanken stehe ich vor der Essigfabrik in Köln und freue mich. Zudem gibts neben dem Hauptact heute noch zwei weitere Bands – WIND ROSE und EX DEO.

FOLK, POWER UND ZWERGE

Als Opener spielen WIND ROSE aus den Tiefen von Moria dem warmen Italien – mit massiven Zwergenrüstungen und dicken Fellen überhangen. Das erste, was mir in den Kopf kommt, als die Folk/Power-Metaller die Bühne betreten: Der Sänger sieht ja wirklich aus wie ein Zwerg! Bevor ich diesen Satz zu Ende denken kann, ertönen auch schon die ersten energiegeladenen Melodien aus den Gitarren der LARP-gekleideten Mannschaft. Leider anfangs erstmal sehr leise. So leise, dass man das Schlagzeug besser von der Bühne hört als die Musik aus den Boxen. Auch wirkt der doch relativ große Raum zu diesem Zeitpunkt noch ziemlich leer. Es gibt viel Freiraum zwischen den einzelnen Besuchern. Aber dieser wird auch genutzt!

Schon zu Beginn herrscht im Publikum reges Mitmachen! Denn diese noch relativ unbekannte Band scheint den anwesenden Menschen genau das zu geben, weswegen sie hier sind: Folk Metal mit viel Power, noch mehr Melodien, tausend „Lai Lai Lai“-Mitsingpassagen und einen Frontmann, der weiß, wie man eine Crowd animiert.

WIND ROSE wirken ein bisschen wie ENSIFERUM in extra sketchy. Das Publikum liebt es. Auch der ein oder andere Clean Part mit SUIDAKRA-ähnlichen Vocals (hier ein Lob an die Stimme des Sängers!) und ein gelegentlicher Heavy-Metal-Headbang-Flair schleichen sich dazu ins Set und sorgen für Abwechslung. Was WIND ROSE hier bieten, ist zwar keinesfalls eine Neuerfindung des Rades, weiß aber definitiv, Eindruck zu schinden!

 

BROT UND SPIELE

Es folgt der Auftritt von EX DEO! Obwohl die kanadischen Römer mittlerweile schon einige Jahre durch die Metal-Landschaft marschieren, ist dies die erste Gelegenheit für mich, das Spektakel einmal live mitzuerleben. Dass es sich hier nicht um lustigen Folk-Metal-Quatsch handelt, wird ganz schnell klargestellt. Mit düsterem, ehrfurchterregendem Intro treten EX DEO in Legionärsmontur auf die Bühne. Ebenso schnell wird klar, dass hier jahrzehntelange Live-Erfahrung (siehe KATAKLYSM) ihre Spuren hinterlassen haben. Selbstbewusst und routiniert wissen die Kanadier genau, was sie tun. Sänger Maurizio hat das Publikum fest im Griff. Und ehrlich gesagt – ob man mit der ganzen Römeraufmachung etwas anfangen kann oder nicht – hier wird ein massives, martialisches Spektakel voll Testosteron und Männerschweiß abgeliefert. Und, Hallo? Ein Drum Solo mit epischem Backing Track und schreienden Legionen im Hintergrund? Fuck Yeah!

Bei „Final War“ entsteht dann auch endlich der erste Moshpit! Es wirkt fast, als hätte jeder Einzelne nur darauf gewartet, dass jemand endlich damit anfängt, so schnell und zahlreich wird sich daran beteiligt. Es folgt eine Danksagung seitens der Musiker, die das Projekt EX DEO vor einiger Zeit eigentlich begraben wollten. Ihre Fans hielten jedoch so stark dagegen, dass sich am Ende doch dazu entschlossen wurde, die Rüstungen wieder anzulegen und die Bühnen der Welt zu erobern. Ich muss sagen, ich fand die Band bisher nie schlecht. Was mir allerdings immer gefehlt hat, um wirklich Fan zu werden, war ein AHA-Moment, ein Funke, der das Ganze für mich zum Aufflammen bringt. Dieses Konzert war wohl jener Moment. Definitiv eine richtig überzeugende Live-Band! Nice.

EIN EPISCHES FIN(N)ISH

Nach längerer Umbaupause dann das Hauptkonzert des Abends: ENSIFERUM! Motiviert und frisch wie eh und je springen die Finnen auf die Stage, und legen los mit „Those Who Fight For Metal“, der energisch-mitreißenden Single ihres neuesten Albums. Die Bewegungshormone, die EX DEO im Blut der Crowd freigesetzt haben, sind immer noch aktiv. Es wird von erster Sekunde an gemosht und gefeiert. Zwar treten ENSIFERUM heute ohne Keyboard oder Akkordeon auf, das scheint aber niemanden zu stören. Die Partylaune ist auf 100%. Es folgen noch einige neuere Songs, darunter auch „King Of Storms“, zu dem im Pit nochmal eine Stufe draufgelegt wird.

Dass die Klassiker trotzdem immer noch mehr Anklang finden, sieht man dann, als die Wikinger „The Wanderer“ anstimmen. Das Publikum ist zu Tränen gerührt und wird vier Minuten lang in einen professionellen Gesangschor verwandelt. Und die im Vergleich zu der Crazyness, die sich bei „Twilight Tavern“ abspielt, wirken die vorigen Moshpits schon fast wie ein schäbiger Witz. Der Partylaunometer steht nun auf 200%. Die catchy, mitreißende Melodik der alten Werke wird wohl immer einen stärkeren Eindruck hinterlassen als die neueren, „erwachseneren“ Songs der Band. Selbst wenn diese den ersteren in Sachen Qualität in nichts nachstehen. Unerwarteterweise spielen ENSIFERUM dann gegen Ende einen meiner persönlichen Lieblingssongs – „The Longest Journey“ – ein zehnminütiges Epos mitsamt Intro auf Finnisch. Ich bin gerührt! Zum Abschluss werden dann noch „Into Battle“ und „Iron“ zum Besten gegeben, so dass auch definitiv jeder nach dem Gig glücklich nach Hause gehen kann.

FAZIT

Was soll ich sagen – glücklich bin ich auf jeden Fall! Mit EX DEO und WIND ROSE habe ich zwei Live-Acts kennengelernt, die beide auf ihre eigene Art zu überzeugen wussten. Dazu die alteingesessenen ENSIFERUM, die auf der Bühne noch nie enttäuscht haben, und diesen Status Quo heute wieder einmal aufrechterhalten konnten! Auch der Sound war, abgesehen von den ersten paar leisen Minuten, wundervoll und klar. Wer an diesem Abend keinen Spaß hatte, dem ist, glaub ich, einfach nicht mehr zu helfen.

 


Vielen, vielen Dank an Jörg Schnebele vom HELLFIRE für die Fotos!

Hier könnt ihr weitere seiner Bilder bewundern:

http://schnebele.de/

http://jspics.de/


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