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Haben ERDLING ihr Mana im Riders Cafe verteilt?

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Das Riders Cafe in Lübeck ist eine kleine, urige Location im Gewerbegebiet, die mit Auto und Öffis gut zu erreichen ist und Platz für knapp 350 Besucher bietet.

Hier waren wir also auf einem Freitagabend (30.01.2026): meine Frau, mein Fotograf und Freund Patrick Burkhardt und ich.
Wir sind extra etwas später da, um nicht in der Kälte stehen zu müssen. Und der Plan geht zum Glück auf. Vom Auto direkt in die Location. Drin bekommen Patrick und ich einen Presseaufkleber auf die Brust. Hab ich, glaube ich, diesmal das erste Mal.
Dann gehen wir vor die Bühne und sind schon mal überrascht, wie viele Menschen wieder da sind, die wir kennen. Auf der einen Seite vor der Bühne mein Arbeitskollege mit Frau und Tochter und rechts der Bühne Menschen, die wir auch aus anderen Communitys (HARPYIE und VOGELFREY) kennen. Eine schöne Überlappung, die immer wieder dafür sorgt, dass wir nur selten alleine sind. Vor allem da es zu diesem Zeitpunkt sehr leer in der Location wirkt. Schnell noch ein paar Getränke holen, die Preise sind wirklich moderat, und dann warten wir auf den Special Guest: AEVERIUM.

„Herzlinie“ Null oder nicht?

Beginn soll 19:00 Uhr sein. 18:54 ertönt plötzlich ein elektronischer Ton und alle zucken zusammen. Dann folgen Synthie Pop Klänge und die Band betritt die Bühne. Der Gitarrist Maarten Jung ist bereits halbnackt, was so ohne Kontext doch seltsam wirkt, aber später von Marcel Römer, dem AEVERIUM-Frontmann aufgeklärt wird. Bis dahin bleibt es irgendwie seltsam.

Mittlerweile ist auch der Laden gut gefüllt. Als wir ankamen, war es noch recht leer. Angefangen mit dem ersten Track „Return to Sender“ vom aktuellen Album „The Secret Door“ spielen sich AEVERIUM durch drei Alben und eine Standalone Single. Und ich muss gestehen, dass ich zu diesem Zeitpunkt nicht von der Livefähigkeit der Band überzeugt bin. Irgendwas wirkt seltsam, ohne dass ich es benennen kann. Die zweite Nummer „Living In Elysium“ hat mich dann aber doch langsam abgeholt, vermutlich auch, weil ich sie wenige Stunden zuvor noch auf der Arbeit gehört hatte.
Nebenbei gibt es Fistbumps von der Bühne von Sänger Marcel für zwei Kinder, die sich ihren Weg während des dritten Songs „Distrust“ nach vorne gebahnt haben.
Beim vierten Track „Whatever“ gibt es dann nach dem zweiten Refrain den „Oho“ Einsatz des Publikums. Und ich muss sagen, dass ich überrascht bin, wie laut die Leute mitsingen. Das habe ich bei einer Vorband, egal ob Special Guest oder Support, schon deutlich schlechter erlebt!

In den Pausen zwischen den Songs erzählt Marcel dann ein wenig was zur Band. Es fallen Sätze wie:
„Wir sind AEVERIUM und kommen aus… Ach egal, wir kommen von überall her.“
Oder auch: „Wir sind hier weil eine Band uns mitgenommen hat. Kennt kein Schwein. Setzt sich eh nicht durch: ERDLING.“ Die Zuschauer brechen in Gelächter aus und Marcel fährt fort: „Macht Backstage sehr viel Spaß. Mit Wetten, wo dann eben jemand kein Shirt tragen darf.“
Das erklärt also den halbnackten Gitarristen.
Und hier ist auch eine der Stärken deutscher Künstler, die noch nicht in großen Hallen spielen: Sie spielen nicht plump ihr Set durch, sondern interagieren mit der Menge.

Auch der Song „Break Out“, mit dem alles für sie beim Newcomer Contest auf dem M’ERA LUNA 2014 begann, darf natürlich nicht fehlen. Hierzu bittet er alle in die Hocke zu gehen um dann gemeinsam aufzuspringen. Dieser Part ist wirklich anstrengend, immer! Aber wir machen den Spaß auch jedes Mal mit. Egal bei welcher Band. Eventuell auch später bei ERDLING.

Auch um mit Klischees zu spielen, ist der AEVERIUM Frontmann sich nicht zu schade, denn auch eine Ballade ist im Set enthalten.
„Jetzt kommt eine Ballade. Alle Metaller so uuuhh. Das sind aber die, die als erstes heulen.“
Während der Ballade gibt es Soundprobleme, doch die werden souverän überspielt und schnell behoben. Und ohne Ankündigung holen die Konzertbesucher selbstständig die Handys raus um sie mit Licht hin und her gleiten zu lassen, was sehr schön aussieht, als ich mich im Raum umblicke.
Im letzten Track holen AEVERIUM nochmal alles raus. Nach anfänglicher Skepsis ein würdiger Opener, der das Publikum gut aufgewärmt hat.

Hier die AEVERIUM Setlist:

1. INTRO/RETURN TO SENDER
2. LIVING IN ELYSIUM
3. DISTRUST
4. WHATEVER
5. HUNTED
6. LOST AND FOUND
7. BREAK OUT
8. HOME
9. SAFE HARBOUR
10. HEAVENS BURNING

„LOS LOS LOS“

20:20 beginnt dann Neils Gesang. Es dauert ein wenig, bis ich erkenne, dass es eine Aneinanderreihung von Satzzeilen aus verschiedensten ERDLING Songs ist. Sowas gefällt mir sehr. „Und tobt der Krieg, sind wir Soldat. Wir explodieren wie Supernova.“ Mit dem Intro betreten ERDLING die Bühne und legen direkt mit einem Kracher los. Dem „Dominus Rex (Medley)“. Hierbei handelt es sich um eine Zusammenlegung der Tracks „Absolutus Rex“ und „Dominus Omnium“. Dies hat Neil schon in seinem Discord oder Twitch Kanal angekündigt. Aber dass man damit direkt am Anfang für Feuer sorgt, habe ich so nicht erwartet. Das Publikum, noch vorgewärmt von der Vorband, ist stimmungstechnisch direkt dabei. 220 Besucher, die einfach richtig Bock haben! Die ersten fünf Songs ballern einfach! Rohe Kraft!

Und auch Neil, der mit ERDLING letztes Jahr 10 Jähriges gefeiert hat, beherrscht das Spiel mit dem Publikum. Und so bringt er die Meute zum Lachen, als er fragt, wer denn das „Helheim“ Album habe und sich nur wenige melden mit den Worten: „Also Spotify zählt auch, also eigentlich ihr alle.“ Weiter führt er aus: „Da war ein Song drauf, der ist besonders wichtig für uns. Denn der hat uns tatsächlich viel weiter gebracht, als wir gedacht hätten. Das hätten wir dem Song nicht zugetraut, wie das nun mal so ist. Und dieser Song heißt „Götterdämmerung“!”

Mit diesem Song kommen erstmal die melodischen und mit „Supernova“ auch direkt der erste emotionale Song für meine Frau und mich. Ein Liebeslied ohne schnulzigen Liebesliedkram.
Zu „Mana“ verlost Neil dann zwei Dosen des hauseigenen Energy Drinks mit dem Namen Mana. „Wer den nächsten Song errät, kriegt einen.“ Einer aus dem Publikum ruft daraufhin „Zugabe!“ und Neil antwortet „Zugabe? Den haben schon so viele Bands gespielt.“ Das bringt das Publikum wieder mal zum Lachen.
Aber auch die Vorband und ihre Leistung wird gelobt. Diese haben nämlich ihr Album komplett ohne Management und Label veröffentlicht.
„Mein Element“ ist dann der Song auf ERDLING Seite, bei dem das Publikum in die Hocke gehen musste.

Dies ist der automatische Erdling Wetterdienst: „Blitz und Donner“ oder „Hinter dunklen Wolken“?

ERDLING liefern den ganzen Abend über ein Songgewitter voller Kraft und Power. Aber natürlich dürfen auch ein paar ruhige Momente im Set nicht fehlen!
Hierzu mussten erstmal Hocker auf der Bühne aufgestellt werden. Ein riesen Dank geht hier an Stagehand Dominik, der vom Publikum beim Umbau angefeuert wurde und gemeinsam mit dem Tour Manager eine schöne Tanzeinlage zur Musik vom Band dabei abgeliefert hat.
Aber bevor ERDLING wieder auf die Bühne kommen, testet die Crew erstmal kurz die Akustik Instrumente. Gemeinsam mit dem Publikum singen sie „Knockin‘ On Heavens Door“

Dann ist die Band wieder auf der Bühne und nimmt ihre Plätze auf den Hockern ein, die da nun stehen. Es folgt „Firmament (Akustik Version)“ und ist mit „Supernova“ und „Sternenschimmer“ über die Setlist verteilt fürs Emotionale verantwortlich. Gerade „Firmament“ hat mich in dieser Version echt berührt und zum Heulen gebracht. Das kam wirklich unerwartet. Aber schön, wenn ein Konzert auch diese Seite abdeckt.
Für solche Überraschungen gehe ich auf Konzerte! Das sind Momente, die man mit ner CD einfach nicht erlebt.

Genauso für den Moment zwei Songs später, als die Rede von einem Cover Song ist. Ich habe kurz ein wenig Sorge, dass da irgendein quatschiges Popsong Cover folgt, aber was dann erklingt, ist der Hammer: „Don’t Wanna Be Me“ von TYPE O NEGATIVE!

Und der Song passt einfach so geil zu Neils Stimme! Ich hoffe hier natürlich auf eine Studiofassung, mein Lieber!

Den Abschluss bilden dann „Wir sind Midgard“ und „Helheim“. Noch einmal große Gefühle und Publikumsinteraktion mit „OHO“-Chören! Ein mehr als gelungener Abschluss für einen Abend voller Überraschungen, witziger Ansagen und jeder Menge Emotionen! Ein Dank geht natürlich noch an den Tourmanager, der mir nach dem Konzert plötzlich auf die Schulter klopft und eine Setlist gereicht hat. 

ERDLING sind immer einen Konzertbesuch wert und bieten den Sound für unterschiedlichste Emotionen!  Und ihre Art mit dem Meet & Greet umzugehen ohne Geld dafür zu verlangen, finde ich auf jeden Fall deutlich besser gelöst, als bei anderen Bands. Ich bin kein Freund von diesem Bezahlkram! Bei ERDLING konnte man sich vorher auf der Homepage anmelden und dann fand das M&G eine halbe Stunde vor Einlass statt. Das zeigt, dass diese Fantreffen für ERDLING wichtig sind, aber eben auch, dass sie begrenzt sein müssen, weil der Veranstalter den Laden auch irgendwann schließen will. Ich war dabei als die Band letztes mal im Riders die sogenannte Cerfew gerissen hat. Das ist die Zeit, wann die Band aus einer Location sein muss, damit das Personal der Location alles aufräumen kann.

Und natürlich habe ich auch die ERDLING Setlist für euch. Insgesamt gibt es ein buntes Feuerwerk aus 23 Songs von fünf der sieben verschiedenen Alben. Und jede Menge lustige Einlagen und autobiographische Ansagen:

1. DOMINUS REX (MEDLEY)
2. ES GIBT DICH NICHT
3. LOS LOS LOS
4. BLIZZARD
5. GRENDEL
6. GÖTTERDÄMMERUNG
7. AM HEILIGEN HAIN
8. SUPERNOVA
9. STEH DEN STURM
10. LEUCHTFEUER
11. MANA
12. DRUMSOLO
13. PHOENIX
14. YGGDRASIL
15. HINTER DUNKLEN WOLKEN
16. STERNENSCHIMMER
17. BLITZ UND DONNER
18. MEIN ELEMENT
19. FIRMAMENT (AKUSTIK VERSION)
20. MIASMA
21. DON’T WANNA BE ME (TYPE O NEGATIVE COVER)
22. WIR SIND MIDGARD
23. HELHEIM

Hier gehts zu AEVERIUM.

Hier gehts zu ERDLING.

Und hier findet ihr das RIDER’S CAFE in Lübeck.

Mittlerweile haben ERDLING einen zweiten Part ihrer Tour für Ende des Jahres angekündigt. Diesmal dann aber mit JOHNNY TUPOLEV als Special Guest. Und vielleicht sehen wir uns ja in Hamburg wieder. Und bitte achtet drauf, die erste Nennung für Zwickau war am 06.11. und wurde auf den 20.11. verlegt.

 

 

 

Bild mit freundlicher Genehmigung von Patrick Burkhardt

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