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Fröne dem Honigwein! – Haggefugg

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HAGGEFUGG – Metgefühl
Veröffentlichungsdatum: 12.11.2016
Dauer: 39:19 Min.
Label: Eigenproduktion
Genre: Mittelalter-Rock

 

An Mittelalter-Rock mangelt es den Deutschen nicht. Mit Formationen wie IN EXTREMO, FEUERSCHWANZ und VOGELFREY schafft es die rockige Schunkel- und Sauf-Musik immer wieder auf die Bühnen verschiedenster Veranstaltungen. Neben den einschlägigen Gruppierungen, die schon einige Jahre lang auf Konzerten rumturnen, trauen sich auch immer wieder neue Musiker, mit einem solchen Projekt an den Start zu gehen. Mit dem Album „Metgefühl“ drängt nun eine neue Gruppe auf den Markt, um die Zuschauer zu unterhalten. Darf ich vorstellen: HAGGEFUGG!

Oder um es mit den ersten Worten des gleichnamigen Intros zu „Metgefühl“ zu sagen: „Herzlich willkommen zur METagszeit!“ Das knapp einminütige Intro erinnert mit dem schrägen Durcheinander-Gegröhle und Unsinn-Gequatsche stark an so manche Sprachnachricht auf Festivals, in der die ach so lustigen Begleiter ihren Teil beisteuern und die Nachricht um ein paar äußerst witzige Kommentare anreichern. Ich weiß bereits jetzt, dass sich die Truppe nicht allzu ernst nimmt und ich hier keine philosophischen Meisterleistungen erwarten brauche. Wer beim Titel „Metgefühl“ noch nicht wusste, was ihn erwartet, der weiß es jetzt.

Los geht’s mit „Met.Wirt.Bestellt!“. Und das fetzt! Der Refrain besteht aus selbigen Worten und ist demnach denkbar einfach, gleichsam aber auch sehr eingängig. Es dauert nicht mal bis zum Ende des Songs, da beginne ich schon mitzusingen. Heiterer Mittelalter-Rock, angereichert mit charakteristischen Dudelsack-Einlagen. Schnieke!

Eine Spur rauer, aber erneut mit einfach gehaltenen Texten zeigt sich „Trinkt Aus!“. Die klaren Gesangspassagen und der Refrain klingen gut, doch die rau gehaltenen Gesänge überzeugen mich nicht. In erster Linie erinnert das an Gekrächze – was angesichts des Künstlernamens „Gregor Krähenkehle“ von Yannick Delseit wohl sogar angestrebt worden ist. Vielleicht hätte man darauf aber lieber verzichtet, denn die klaren Abschnitte klingen doch erheblich besser. Trotzdem ein netter Song.

Schnörkelloser gibt sich da die „Krähenweise“, die mit weniger instrumentalem Bombast etwas ruhiger abläuft. Ein angenehmer Titel, der eine kleine Verschnaufpause bietet. Bevor es wieder richtig fix losgeht? Mehr oder weniger. Auch „Spielmannssünden“ ist etwas rauer und nicht ganz so unbeschwert wie der Beginn des Albums gehalten. Der schnelle, eher weniger melodiöse und wiederum krächzig gehaltene Gesang klingt eigenartig, gestaltet sich durch das Wechselspiel mit den zwischengerufenen Background-Gesängen aber durchaus faszinierend und hebt den Titel von anderen ab.

haggefugg-band

Wie schon erwähnt, sind die Klargesänge die stärkeren. Deshalb funktioniert „In Der Schenke“ mit seinen schnellen Textpassagen auch besser als „Tapferes Herz“, das auf einem Zusammenspiel von Krächzgesang und langsam-kraftvollen Klargesangspassagen fußt. Eins haben beide Titel aber gemeinsam: sie stehen klar im Schatten von „Met.Wirt.Bestellt!“, welches einen Start hingelegt hat, dem die folgenden Titel nichts entgegenzusetzen hatten.

„Ai Vist Lo Lop“ legt wieder etwas mehr Spielfreude an den Tag, während „Villemann Og Magnhild“ dahinplätschert, ohne starken Eindruck zu hinterlassen. Beide Titel kommen mit normalem Gesang aus, was gefällt. Richtig fette Highlights sind aber auch diese beiden Titel nicht. „Danse Du Ventre“ hinterlässt ein lachendes und ein weinendes Auge: der Refrain hat richtig Energie und ein wenig Härte (so viel Härte, wie man bei Mittelalterrock erwarten darf). Alles dazwischen ist aber eher schlecht als recht geraten und zieht den Song wieder runter. Da wäre mehr drin gewesen.

Mit „Seemannsgarn“ bietet man nochmal eine stimmige Ballade, die ins Ohr geht. Man möchte sein Feuerzeug rausholen und über dem Kopf hin und her schwenken. HAGGEFUGG zeigen hier endlich, dass sie auch mit langsamen Titeln überzeugen können. Abschließend folgt noch der zweieinhalbminütige Bonustrack „Plattgekontert“, auf den man aber besser verzichtet hätte. „Seemannsgarn“ wäre definitiv der bessere Ausklang gewesen!

Bild mit freundlicher Genehmigung von Haggefugg

Autorenbewertung

6
HAGGEFUGG präsentiert ein solides Debütalbum. Dabei hinterlässt der erste Track, der Partylaune aufkommen lässt, allerdings hohe Erwartungen, denen das Album in Summe nicht gerecht werden kann. Es fehlt an Qualität, welche die Kölner Band von anderen Mittelalter-Bands abhebt. Mit „Met.Wirt.Bestellt!“ und „Seemannsgarn“ sind der Gruppe trotzdem zwei hervorragende Titel gelungen, an denen sich die Band in Zukunft orientieren sollte. Vor anderen Bands des Genres wird man sich zumindest nicht verstecken müssen.
ø 4.3 / 5 bei 6 Benutzerbewertungen
6 / 10 Punkten

Vorteile

+ angenehmer Klargesang
+ Partytrack „Met.Wirt.Bestellt!“ und Ballade „Seemannsgarn“ als herausragende Highlights
+ durchweg solide, ohne Reinfälle

Nachteile

- nervige Krächz-Elemente
- Mangel an Besonderheiten, die die Band abheben
- Album hält Erwartungen nach erstem Titel nicht stand

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