Geiles Wetter dank The Thirteenth Sun

THE THIRTEENTH SUN – Stardust
Veröffentlichungsdatum: 12.05.2017
Länge: 50:28 Min.
Label: Aural Music
Stil: Progressive Metal

Viele unterschiedliche Genres unter einem Dach zu vereinen, ist ja schon fast ein Muss, um irgendwie bekannt zu werden. Vor allem zwischen Progressive Metal und seinem etwas snobbigeren Bruder Progressive Rock sind die Grenzen oft fließend. Diese mir komischerweise bisher unbekannte Formation aus Brașov im Herzen Rumäniens liefert einen abwechslungsreichen Mix der beiden Stile. Nichtsdestotrotz kommen in diesem auch Anteile von extremeren Gefilden vor. Eigentlich vom eher mäßigen Cover abgeschreckt, hörte ich sehr gern, was mir hier geboten wurde. Wenn ich die Einflüsse dieser Gruppe aufzählen müsste, würde ich mir nur den Mund fusselig reden. So viel sei aber gesagt, bei ihrem Debüt lassen THE THIRTEENTH SUN nichts aus. Dafür hat sicher auch der Produzent Edmond Karban, auch bekannt als Hupogrammos (ex-NEGURĂ BUNGET, DORDEDUH), gesorgt. Neben seiner Funktion hinter dem Mischpult, sang dieser zusätzlich einige Passagen ein.

Kein Wunder, dass sich nicht nur die eine Riff in „Pathways“ verdächtig nach NEGURĂ BUNGET anhört. Für das Mastering war übrigens Martin Zeller verantwortlich, der bereits Erfahrung mit Hupogrammos Wünschen hat. Für das Debüt von dessen Projekt SUNSET IN THE 12TH HOUSE übernahm er ebenfalls den Mix. Den merkwürdigen Zufall, dass zwischen dem Psychedelischen Post Rock-Nebenverdienst von Hupogrammos und THE THIRTEENTH SUN ein Zusammenhang besteht, möchte ich jedoch nicht weiter kommentieren. Denn beim Silence gibt es keine Spekulation über Verschwörungen!

Unschuldig beginnt mit „Universus“ die Reise in ungeahnte Gefilde. Der an GHOST erinnernde, schwebende Clean-Gesang driftet vor sich hin. Dass er das gerade auf ähnlich päpstlichen Instrumenten macht, scheint kein Zufall sein. Weniger poppig und mehr progressiv präsentiert sich die Interpretation der Rumänier jedoch. Sobald der seichte Ausflug vorbei ist, drängen sie den Hörer mit wummernden Gitarren und etwas mehr Brutalität in der Stimme in die Ecke. Schön ist, dass sich solche Elemente oft auf dem gesamten Album finden lassen. Black und Death Metal-Elemente wie in „Universe Is Burning“ und „Planes Of Creation“ machen richtig Bock auf die harte Seite der Jungs. Bei letzterem Song unterstützen sich die beiden Gesangsarten sehr gekonnt. Generell wird zum Glück am Gesang gespart. So dürfen sich die Instrumente in den langen Pausen richtig entfalten.

Nach einem funkigen Intro eruptiert „Fabric Of Time“, entschleunigt sich und entfaltet die gesamte Vielfalt von THE THIRTEENTH SUN. Obwohl es an groovigen Stellen nicht mangelt, fängt die himmlische Atmosphäre mich immer wieder ein. Die dafür verantwortliche Kombination aus Gitarre, Bass und Synthesizer hätte so auch in einem Prog Rock-Album der 70er auftauchen können. Über das gesamte Album hinweg muss ich nur leider feststellen, dass das Schlagzeug nie die Sau rauslassen darf. Es übernimmt die Rolle im Hintergrund gekonnt und spielt halt vor sich hin. Lediglich an dieser Stelle hatte ich mir mehr erwünscht. Glorreiche und ausschweifende Riffs hingegen gibt es zu Genüge. Trotzdem kriege ich bei dem hallenden, in den Hintergrund tretenden Gesang das Bild des Papa Emeritus von GHOST nicht aus dem Kopf.

Diese Ähnlichkeit ist für THE THIRTEENTH SUN Segen und Fluch zugleich. Natürlich haben sie den typischen Prog Rock-Sound mit vielen anderen Elementen ausgeschmückt, aber die kontemporären Bands in der gleichen Sparte bieten halt ähnliche, verdächtig gleich klingende Qualitäten an den seichten Stellen. Wer sich aber neugierig auf ein – für ein Debüt – großartiges Album stürzen möchte, ist hier genau richtig. Außerdem sind die Einflüsse von Hupogrammos deutlich zu hören. Wer nach dem tragischen Tod des NEGURĂ BUNGET-Gründers eine Sehnsucht nach neuen Projekten der Band hat, sollte hier Verbündete im Geiste finden. Denn auch wenn Hupogrammos 2009 ausgestiegen ist; er trägt die musikalischen Einflüsse dieser legendären Band immer noch mit sich. Und ja, es klingt auch oft nach ARCTURUS, worauf ich nicht herumreiten wollte.

Bandcamp
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Autorenbewertung

7
Nach diesem Debüt müssen die Rumänier einiges beweisen. Diese Musik live umzusetzen sollte dabei die geringste Herausforderung sein. Jedoch ein ähnlich gutes Nachfolge-Album zu zimmern dürfte sich als schwierig erweisen. Eine Band dieses Kalibers konnte bis jetzt so unentdeckt vor sich hin tüfteln, weil außer der ersten EP im Jahr 2012 nichts veröffentlicht wurde. Die Reifezeit dieses Albums spiegelt sich in der Qualität der Musik wieder. Da gehen alle Sonnen auf und beleuchten einen hoffentlich glorreichen Weg für diese Prog Metaller!
ø 4.5 / 5 bei 1 Benutzerbewertungen
7 / 10 Punkten

Vorteile

+ erinnert stark an GHOST
+ viele unterschiedliche Einflüsse
+ klarer und harter Gesang
+ lange instrumentale Ausschweife
+ reife Produktion
+ himmlische Riffs

Nachteile

- erinnert stark an GHOST und andere Progressive Bands, Austauschgefahr!
- Schlagzeug hält sich zurück

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