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Heavy Metal aus Kanada – UNLEASH THE ARCHERS

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UNLEASH THE ARCHERS – Apex
Veröffentlichungsdatum: 02.06.2017
Dauer: 60:44 Min.
Label: Napalm Records
Genre: Heavy Metal

Von Zeit zu Zeit lohnt es sich, den Blick über Europa hinaus schweifen zu lassen und zu schauen, welche aufstrebenden Bands sich auf anderen Kontinenten einen Namen machen. Dafür reicht es teilweise schon aus, bei hierzulande bekannten Labels nachzuschauen. Nachdem Napalm Records bereits 2015 das dritte Album der kanadischen Band UNLEASH THE ARCHERS herausbrachte, wurde am 2. Juli 2017 nun das zweite Album in gemeinsamer Kooperation und insgesamt das vierte Studioalbum der Band veröffentlicht. Insbesondere die Stimme der Frontsängerin Brittney Slayes erregte mit dem letzten Album meine Aufmerksamkeit, sodass auch ich mich mit Freude dem einstündigen „Apex“ zuwende.

Das Album

Bereits der erste Titel „Awakening“ erreicht genau das, was der Titel besagt. Mein Interesse erwacht sofort, als die energiegeladenen Gitarrenriffs mich wachrütteln. Es dauert nicht lange, bis mit Brittneys vielseitiger Stimme das größte Kapital der Gruppe ins Spiel gebracht wird. Es ist der Gegensatz aus dunkler Stimmfarbe und ihrer Befähigung, auch hohe Melodien mit enormer Kraft hervorzubringen, und damit eine fesselnde Wirkung entfacht. Durch einige Growls zwischen den Strophen angereichert, macht der gerade im Chorus verträumt anmutende Song früh Lust auf mehr.

Weniger verspielt steigt „Shadow Guide“ galoppierend mit einem Scream ein, ehe es in der Einleitung gesanglich zunächst ein wenig ruhiger zugeht. Es dauert aber nicht lange, ehe Brittney ihre Stimme erneut hebt und vermehrt Kraft in ihren Gesang legt, um im Refrain gewohnte Höhen zu erreichen, die durch die nun öfter eingesetzten Growling-Passagen hervorragend ergänzt werden. Der folgende Titel „The Matriarch“ hält von Beginn an das Tempo hoch, wirkt bedrohlicher und unterstreicht dadurch den Text, welcher von der mächtigen, angsteinflößenden Matriarchin handelt.

Damit wird der Weg gebahnt für „Cleanse The Bloodlines“, das nochmal deutlich düsterer und schwerer daherkommt und den Hörer genau durch diese Wirkung abzuholen weiß. Das sehr sparsam eingesetzte Growling, das sich hier auf gerade einmal zwei Zeilen beschränkt, sowie düstere Chöre ausgangs des Titels, sind perfekt platziert und setzen so stimmige Akzente, was den Titel zu einem der rundesten auf der Scheibe macht.

Knackts schon oder eher sprachlos?

Doch auch „The Coward’s Way“ kann zu Beginn des Titels mit ballerndem Schlagzeug auf sich aufmerksam machen, während der Titel im weiteren Verlauf, insbesondere durch den eingängigen, obgleich relativ langen Refrain, punkten kann. Relativ lang deshalb, da sich der Text in den vorangegangenen Stücken zumeist auf wenige Worte beschränkte.

Der bisher gemächlichste Titel ist „False Walls“, welcher die zweite Hälfte des Albums einläutet. Damit ist zwar ein an sich angebrachter Kontrast zu den bisher oft zügigen Songs gegeben. Leider fehlt es hie und da an knackigen Lines und herausstechenden Ideen, die es schaffen, mich über die vollen acht Minuten zu unterhalten. An dieser Stelle des Albums steht der Titel recht gut, kann für sich aber nur halbwegs überzeugen.

Mehr Hoffnung weckt da „Ten Thousand Against One“, das mit der gleichlautenden, chorisch vorgetragenen Parole zu Beginn des Songs mit einem Schlag viel dynamischer wirkt. Leider bleiben jene Stellen, an denen genau dieser Ausruf getätigt wird, die interessantesten. Dazwischen ist der Song zwar souverän, wirkt aber etwas farblos. „Earth And Ashes“ ist da ganz ähnlich. Zuerst weckt ein akkustischer Einstieg die Erwartung, dass da etwas Neues kommen möge, ehe in den zu lang geratenen Strophen bereits Ermüdungserscheinungen bei mir auftreten, da ich mir schon den nächsten Titel herbeisehne. Da hilft auch der Gesangspart von Gitarrist Andrew Kingsley nicht mehr besonders viel, da der Titel im Ganzen etwas fade wird.

Der vorletzte Titel „Call Me Immortal“ ist aufgrund des gestreckten Refrains und der eingängigen Gitarren-Bass-Kombi nochmal etwas zackiger und kann sich besser hervorheben als die vorherigen Titel. Sehr gut gefällt mir auch das Titelende, bei dem nicht mit einer langgezogenen letzten Gesangsnote der Titel ausklingt, sondern stattdessen nochmal ein kraftvolles halbminütiges Instrumental angehängt wird.

Das Finale

Mit dem Titelstück „Apex“ folgt gleichsam das Finale. Es geht anfangs angenehm langsam und ohne starken Einsatz von Schlagzeug und lediglich minimalistischen Einsatz anderer zu Werke, was einen angenehmen Gegensatz zum fast durchweg schnell voranpreschenden Album darstellt. Wer nun aber eine Ballade erwartet, wird spätestens nach zwei Minuten eines besseren belehrt, als einen deutlichen Gang höher geschaltet wird. Melodisch ist das Titelstück interessanter als die anderen Stücke der zweiten Albumhälfte, was möglicherweise auch daran liegt, dass man hier der Frontsängerin die Bühne überlässt und auf Gesangsparts anderer Bandmitglieder verzichtet wird. Auch ein längeres Gitarrensolo darf natürlich nicht fehlen, ehe das Album mit weiteren Wiederholungen des Refrains und einer ausleitenden Strophe einen ruhigen, versöhnlichen Ausklang findet.

Bild mit freundlicher Genehmigung von Unleash The Archers

Autorenbewertung

6
Mit "Apex" ist den Kanadiern ein solides Album gelungen. Leider können sich die meisten Titel nur schwach gegeneinander abgrenzen und bleiben auf einem Niveau, das sich zwar absolut sehen lassen kann, die hype-auslösende Gütestufe aber deutlich verpasst. Ein Album, dem die Highlights fehlen, ist trotz hörenswerter Qualität im Endeffekt nur ein durchschnittliches Werk. Mehr Variation – gerade in Hinblick auf Geschwindigkeit, Song- und Refrainstruktur sowie Stimmung der Einzeltitel – wird notwendig sein, wenn man die nächste Stufe erreichen will.
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6 / 10 Punkten

Vorteile

+ einzigartige Stimme Brittney Slayes‘
+ solider Heavy Metal
+ keine Totalausfälle

Nachteile

- ab der Hälfte des Albums ist die Luft raus
- hochkarätige Highlights sucht man vergebens
- es fehlt an Variation, insbesondere durch die Abwesenheit langsamer Titel

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