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In Frankreich gibt es nicht nur Käse

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ENTROPIA INVICTUS – Human Pantocrator
Veröffentlichungsdatum: 24.02.2017
Dauer: 40:57 Min.
Label: M & O Music
Genre: Symphonic Black Metal/ Symphonic Death Metal

In Frankreich gibt es nicht nur Käse, sondern auch gute Musik

Die Band ENTROPIA INVICTUS kommt aus einer Region in Frankreich, die mir vorher nur aus meinem Französisch-Lehrbuch bekannt war – die Auvergne. Musikalisch bewegt sich die Band in Richtung Symphonic Black bzw. Symphonic Death Metal. ENTROPIA INVICTUS lässt sich am ehesten mit Bands wie SEPTICFLESH und FLESHGOD APOCALYPSE vergleichen, aber auch Bands wie DIMMU BORGIR, CARACH ANGREN und SHADE EMPIRE scheinen die Band zu inspirieren. Textlich geht es vor allem um die Menschheit, ihrem Platz im Universum, und deren Macht etwas zu erschaffen aber auch zu zerstören. Laut ENTROPIA INVICTUS heißt „Human Pantocrator“ übersetzt soviel wie „allmächtiger Mensch“ und ich finde, das trifft es ziemlich gut.
Zuvor hat die Band in gleicher Besetzung unter dem Namen ENTROPIA Melodic Black Metal gespielt. Da die Platte „Human Pantocrator“ aber musikalisch doch in eine andere Richtung geht, kann diese Scheibe als Debüt-Album gewertet werden. Und was für eins, sag ich euch!

Es donnert und gewittert in der Auvergne

Der Opener des Albums „I will Overcome“ geht sofort ins Ohr. Achtung! Das könnte eine neue Hymne werden! Die Melodie ist absolut episch und harmoniert fantastisch mit dem gutturalen Sound des Sängers. Es fällt sofort auf, dass der Sänger Jérôme Bougaret Talent hat und seine gutturale Stimme sowohl sehr tief als auch etwas höher und kratziger in Szene setzen kann. Absolut beeindruckend.
Die orchestrale Untermalung des zweiten Songs „Euphoria’s End“ erinnert mich stark an FLESHGOD APOCALYPSE. Kein Wunder, dass ENTROPIA INVICTUS in Frankreich Support-Act für diese waren. Ab der 2. Minute setzen alle „krachmachenenden“ Instrumente aus und es beginnt ein trauriger Klavierpart, bis dann bei Minute 3:10 wieder das absolute Geschredder losgeht. Einfach nur großartig!
In „The Builder The Destroyer“ wirken die industriellen Klänge wie ein bedrohlicher Herzschlag. Mit seiner unrhythmischen Instrumentalisierung löst er ein kleines Stück Wahnsinn in mir aus.
Der Song „In the Attic“ ist für mich der klassische Symphonic-Black-Metal-Song. Die kratzigen Vocals harmonieren hier mit dem allseits bekannten Chorgesang. Man merkt jetzt schon, dass mit jedem Song etwas anderes kanalisiert wird. Ich bin schon jetzt absolut hin und weg von der Platte!
Cosmogenic Pandemonium“ hört sich für mich wie ein Erbe der ersten Alben SEPTICFLESHs an, klingt aber deutlich bedrohlicher.

Kommen ganz ohne Corpsepaint aus – ENTROPIA INVICTUS

Kurzweil’s Dream“ ist, wie der Name schon sagt, ein kurzweiliges Interlude, um den Hörer auf die zweite Hälfte dieser epischen Scheibe vorzubereiten. Hier kommt wieder der Mecha-Heartbeat von „Entrophia’s End“ ins Spiel.
Im nächsten Song „Singularity“ untermalt der geschickte Einsatz von Streichern die kraftvollen Growls des Sängers.
In „Tree of Creation“ werden die Vocals durch orchestralen Sound ergänzt. Auch hier hör ich wieder ein wenig SEPTICFLESH heraus.
Der nächste Song dreht sich um das Selbstbild der Menschheit und heißt deshalb treffenderweise „Reflection“. Nicht nur die Lyrics gehen hier unter die Haut.
Imperfect God“ ist melodisch und hält den Menschen und deren arrogante Art des Seins einen Spiegel vors Gesicht.
Der Song „Among Us“ schließt die Platte würdig ab, indem er klassisch-symphonische Passagen enthält, aber auch einen Part mit Akustik-Gitarre.

Für wen ist die Scheibe geeignet?

Die Scheibe hat mich von der ersten Minute an fest gepackt und mir den Atem verschlagen. Ich kann die Platte jedem Symphonic-Black- bzw. Symphonic-Death-Metal-Fan ans Herz legen. Wer die orchestrale Umsetzung in Alben von SEPITCFLESH und FLESHGOD APOCALYPSE zu schätzen wusste, sich das Ganze aber immer etwas bedrohlicher gewünscht hatte, dem ist „Human Pantocrator“ wärmstens zu empfehlen.
Besonders gefällt mir die Thematik des Albums, denn es verzichtet komplett auf Horror, Tod und Verderben. Stattdessen spricht es die Schwächen des Menschseins an. Sehr gelungen! Das Album läuft bei mir mindestens ein Mal pro Tag. Ich finde dieses Album ist ein absoluter Geheimtipp und die Band muss sich nicht verstecken. Ich hoffe darauf, dass sie in Deutschland auch bald live zu sehen sein werden. 

Bild mit freundlicher Genehmigung von Entropia Invictus

Autorenbewertung

8
Ein solides Debüt! Abwechslungsreich und ausdrucksstark! Ich kann (fast) nur Positives über dieses Album sagen.
ø 4.8 / 5 bei 1 Benutzerbewertungen
8 / 10 Punkten

Vorteile

+ eingängig und abwechslungsreich
+ perfekte Harmonie der Vocals und der orchestralen Passagen
+ Umsetzung jedes Songs verschieden, trotzdem stimmiges Gesamtkonzept
+ positive Klangqualität
+ interessante Thematik

Nachteile

- die erste Hälfte ist ein bisschen dramatischer als die Zweite

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