Startseite»Lifestyle»Interviews»Interview mit KORPIKLAANI – So planen, als wäre alles normal

Interview mit KORPIKLAANI – So planen, als wäre alles normal

0
Geteilt
Folge uns auf Pinterest Google+

Ja, wir hatten diese Band schonmal im Interview. Ja, das war, als noch alles so war, wie wir es mögen. Laut und dreckig und mit vielen Leuten. Es war auf einem Festival. Ihr Ferk… Ok, sorry.

Diesmal haben wir mit Bassist Jarkko gesprochen, über Skype. Der tiefenentspannte Finne schien mit der Situation soweit klar zu kommen, als dass in Finnland der Umgang mit Corona an sich bereits durch die niedrigere Einwohnerzahl des Landes anders läuft als in Deutschland. Dass man trotzdem versucht, sich nicht ständig von nur diesem einen Thema lenken zu lassen, und wie seine Band momentan plant, hat er in dem wirklich angenehmen und offenen Gespräch erzählt.

S: Hallo Jarkko! Vielen Dank für deine Zeit! Ich hoffe, dir geht es gut. Du hattest heute ja vermutlich schon mehrere Interviews.

Jarkko: Danke, alles gut. Nein, das ist erst das zweite heute. Daher, alles super. Ich bin noch frisch. Gemessen daran, wie es sein könnte, geht es uns wirklich gut. Niemand aus der Band ist momentan erkrankt oder hat einen Fall in der Familie.

S: Das freut mich. Hat sich die momentane Situation denn irgendwie auf das Miteinander in der Band ausgewirkt? Oder hat sich das privat gar nicht so ausgewirkt?

Jarkko: Nein, eigentlich nicht. Außer, dass wir aktuell durch keine Konzerte kein Einkommen haben, weil es ja keine Konzerte gibt, das nervt uns schon. Aber so an sich hat es sich nicht groß auf das Zwischenmenschliche ausgewirkt.

Durch die CD-Verkäufe kommt ein wenig was rein, und die Produktion vom neuen Album war ja vor der Pandemie schon genau geplant, daher… Das lief ja schon letztes Jahr im Frühling. Alles drumherum war plötzlich gecancellt worden, aber wir sind trotzdem wie geplant ins Studio gegangen und haben da unser Ding gemacht. Nur danach nicht auf Tour gehen und Shows spielen zu können fühlte sich ziemlich merkwürdig an. Du hast ein neues Album und gehst normalerweise auf Tour und promotest es. Aber diesmal fiel das halt plötzlich weg. Wir haben dann einfach versucht, das Beste aus der Situation zu machen. Das ist der Grund, weshalb in der Zeit so viele Videos für das neue Album entstanden sind. Es gibt daher bereits fünf Videos. So haben die Leute dann trotzdem etwas, was sie sich dazu ansehen können.

S: Das ist ein wirklich toller Weg, mit der Situation umzugehen. So haben ja auch beide Seiten was davon. Das heißt aber auch, dass das Album nicht von der Pandemie beeinflusst wurde und quasi als Lückenfüller entstanden ist?

Jarkko: Ja, das schon. Wobei es natürlich insofern anders lief, als dass wir nach den Aufnahmen ja plötzlich ganz viel Zeit hatten. Wir hatten im Vornherein eine super Pre-Produktion dafür. Wir sind bereits vorher, bevor wir ins Studio gegangen sind, die Instrumente alle ziemlich genau durchgegangen und waren gut vorbereitet. Dadurch ist das Album bereits schon interessant geworden. Durch die zusätzliche Zeit konnten wir dann einfach noch mehr an Details arbeiten und uns das anschauen. Das hat es besonders gemacht.

S: Das ist doch bestimmt auch später gut und interessant für euch, wenn ihr wieder auftreten könnt, dann mit diesem zusätzlichen Input auf die Bühne zu gehen, oder?

Jarkko: Ja, wir haben einfach mehr geübt dadurch. Wenn wir mit einem neuen Album auf Tour gehen, finden ja schon auch neue Songs ihren Weg ins Liveset. Jetzt mit dieser Grundlage werden die Gigs wahrscheinlich etwas entspannter, wenn die neuen Songs für uns schon nicht mehr so neu sind. Mal sehen, ob wir sie live spielen können, bevor wir nicht bereits noch ein neues Album haben.

S: Hoffen wir das mal nicht.

Jarkko: Ja, was soll man machen. Wenn nichts passiert, schreiben wir weiter neue Songs.

S: Ihr hattet in der Zeit ja auch einen Wechsel im Lineup. War es so denn leichter, den neuen Drummer in die Band zu integrieren?

Jarkko: Die eigentliche Integration findet normalerweise auf der Tour statt. Mi Samuli haben wir aber lediglich ein paar Shows in Russland und Finnland gespielt. Danach sind wir noch in Japan gewesen. Aber letztendlich, bevor alles gecancelled wurde, waren es insgesamt wahrscheinlich keine zehn Shows. Wirklich nicht viele. Es wäre schöner gewesen, ein paar mehr mit ihm spielen zu können. Aber wir kennen ihn und wissen, was er drauf hat. Daher ist es aus dieser Sicht nicht so schlimm. Als wir das Album aufgenommen haben, inklusive der Pre-Produktion, war er bereits dabei und hatte dadurch schon Einfluss darauf. Er war zusammen mit Jonne in dessen Heimstudio und konnte so eine Zweitmeinung abgeben, die uns sehr willkommen war.

S: Habt ihr denn spezielle Orte, an denen ihr noch auftreten wollt? Mal unabhängig davon, was irgendwann wieder möglich ist.

Jarkko: Ich denke, jede Band ist begierig darauf, wieder zu spielen, wo auch immer sie es wieder können. Wir haben schon das ganze letzte Jahr lang Pläne gemacht und Shows gebucht, bzw. sind gebucht worden. Aber alle sind nach und nach gecancelled worden. Wir müssen ja aber weiterarbeiten. Wir planen und buchen so als würden die Shows stattfinden, einfach weil sie eines Tages nicht mehr wieder gecancelled werden. Und dann ist es gut, ein paar Shows gebucht zu haben. Klar, wenn die Lockdowns überall aufgehoben werden, wird jede Band versuchen, eine Tour auf die Beine zu stellen. Daher ist es gut, dann schon eine geplant zu haben.

S: Die Umbesetzung wird dann ja schon eine Weile zurückliegen. Oder legt ihr gar nicht so viel Wert auf das direkte Feedback auf sowas?

Jarkko: Bei den wenigen Shows vor einem Jahr haben wir bereits ein ziemlich gutes Feedback bekommen. Ich denke, das wird aus der Sicht kein großes Problem werden. Und es gibt ja auch schon die fünf Videos. Er ist daher schon bereits bekannt. Außerdem haben wir Samuli ja auch schon überall vor die Kamera gestellt, ein Kameragreeting gemacht etc., jetzt kennt jeder sein Gesicht (lacht).

S: Viele eurer Alben haben ja auch einen thematischen Background o.ä. Klar, ihr habt das aktuelle vor der Pandemie produziert. Hat es für euh trotzdem einen zusätzlichen Touch dadurch?

Jarkko: Nein. Wie gesagt, es ist ja bereits davor entstanden. Es ist eigentlich, wie gesagt, besser geworden durch die Pandemie, weil wir ja mehr auf Details eingehen konnten und plötzlich mehr Zeit hatten. Es wäre natürlich einfach, sowas zu behaupten, weil viele Songs sterbenskranke Menschen behandeln und nicht so schöne Themen ansprechen. Das wäre einfach, das auf die Pandemie zu schieben, aber das stimmt nicht. Das entstand ja alles schon vorher.

S: Einige Bands empfinden das ja so, dass es irgendwann anstrengend wird, weil momentan einfach alles irgendwie von diesem einen Thema behaftet ist. Man kann es eigentlich kaum umgehen. Umso wichtiger ist es, mit anderen in Kontakt zu bleiben, und auch eine Beziehung außerhalb der Pandemie aufrecht zu erhalten. Wie geht es euch denn damit?

Jarkko: Ja, in Finnland haben wir es damit wirklich etwas leichter als andere Länder. Zumindest letztes Jahr. So an sich konnten wir eigentlich ziemlich normal arbeiten. Außer natürlich, dass es keine Auftritte gab. Der Rest lief eigentlich ziemlich normal.

S: Ok. Das macht es ja zumindest einfacher, mit der Situation umzugehen.

Jarkko: Ja, auf jeden Fall. In der Pandemie haben wir sogar mehr geprobt als sonst.

S: Wow, ok. Das ist echt anders als hier. Aber naja, als Band spielt man ja auch zusammen, um aufzutreten. Irgendwann vermisst man das ja trotzdem.

Jarkko: Eben. Aufzutreten ist für viele der Grund, weshalb sie ja eine Band haben. Es ist einfach schön, zusammen zu kommen und zu spielen und mit den anderen eine gute Zeit zu haben.

S: Mit welchem Gefühl geht ihr momentan mit der CD um? Falls es das überhaupt gibt, denkt ihr, das ist momentan eine gute Zeit, ein neues Album zu veröffentlichen?

Jarkko: Ich weiß es wirklich nicht. Es wird interessant zu sehen, wie sich die Verkaufszahlen entwickeln werden. Ob es mehr oder weniger wird als sonst, oder ähnlich, wir können es echt nicht abschätzen. Das wird auch nochmal interessant, wenn die Liveshows wiederkommen, weil wir nicht wissen, wieviele Leute dann noch zu den Konzerten gehen. Vielleicht haben wir viele Leute verloren, die sich während der Pandemie dazu entschieden haben, nie wieder auf ein Konzert zu gehen. Ich persönlich mag das Album und freue mich darauf, die Songs live zu spielen. Ich bin wirklich gespannt darauf zu sehen, wie das Album ankommt.

S: Ich denke, die Leute werden wiederkommen. Vermutlich hören viele die Musik, die jetzt erscheint, genauso öfter, wie ihr sie probt. Und dann kennen sie die Songs auch schon wirklich gut. Ich denke, viele sind genauso gespannt darauf, das dann live zu hören.

Jarkko: Heavy Metal Fans sind da ein sehr schönes Publikum. Unserer Erfahrung nach bleiben sie bei ihren Bands und kommen dann auch zu den Konzerten, wenn sie deren Platten gekauft haben. Sie unterstützen die Bands. Sie sind sehr loyal. Das ist für uns wirklich schön. Wir haben für September Shows gebucht. Mit etwas Glück können wir die ja wirklich schon wieder spielen.

 

Nach dem Gespräch war ich irgendwie erleichtert. Trotz der bereits so lang andauernden Ausnahmesituation war der Bassist eigentlich sehr optimistisch. Nicht weinen, weitermachen! So kriegt man auf lange Sicht so eine Situation in den Griff, keinem ist damit geholfen, sich in den Kopf regnen zu lassen. Ich freue mich auf jeden Fall, das neue Album von KORPIKLAANI in voller Länge hören zu können und die Band auch bald wieder live sehen zu können. Der Wille ist auf jeden Fall auf beiden Seiten groß.


Du liest diesen Beitrag, weil unsere Autoren lieben, was sie tun - wenn du ihre Arbeit liebst, kannst du uns, wie andere schon, unterstützen. Wie? Mit einem kleinen monatlichen Beitrag über silence-magazin@patreon Patreon
letzter Artikel

ARCHITECTS - Für alle, die gern existieren?

nächster Artikel

BRAND OF SACRIFICE - (Lebens)Blutspende

Keine Kommentare

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.