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Ist denn die ganze Welt verrückt geworden?

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SUICIDAL TENDENCIES – World Gone Mad
Veröffentlichungsdatum: 30.09.2016
Dauer: 56:15 Min.
Label: Suicidal Records

„Ist denn die ganze Welt verrückt geworden? Bin ich denn hier der einzige Idiot, dem Regeln noch irgendwas bedeuten?“

 

Was mir hier vorliegt, ist ein Album, das man in das präferierte Abspielgerät legt/schiebt/läd und sofort gute Laune hat!
Ein einzelner D-Beat eröffnet den ersten Song „Clap Like Ozzy“ und wird wenig später von Bass und Gitarre ergänzt, bis schließlich der Gesang Mike Muirs einsetzt und keinen Zweifel mehr übrig lässt: SUICIDAL TENDENCIES sind wieder da. Also Mützenschirm hochklappen, Bandana gerade rücken und die Boxen aufdrehen!

„World Gone Mad“ heißt das mittlerweile elfte Album der Kalifornier. Was sich anhört, wie eine Beschwerde alter Männer darüber, dass früher alles besser war, entpuppt sich schnell als Mittelfinger, der rigoros alles und jedem entgegengereckt wird, der die Welt heute zu dem macht, was sie ist. So bekommen unter anderem Politiker und Führungskräfte („One Finger Salute“), die Medien und das Internet („World Gone Mad“), und Fastfoodketten („The New Degeneration“) verbal auf die Schnauze. Man ist so wütend wie eh und je.

SUICIDAL

 

Dass Frontmann, Sänger und einziges verbliebenes Gründungsmitglied „Cyco Miko“ Muir im Laufe der Jahre immer wieder neue Musiker um sich geschart hat, und die Liste aller ehemaligen Bandmitglieder ungefähr so umfangreich ist, wie die Anzahl der Frauen mit denen Hugh Hefner im Laufe seines Lebens…ach lassen wir das.
Jedenfalls wurden auch im Vorfeld des neuen Albums Änderungen im Line-Up vorgenommen.
Die größte Überraschung stellte dabei vermutlich die Meldung dar, dass auf dem neuen Album der kalifornischen Hardcore/Thrash/Funk-Pioniere niemand geringeres als Dave Lombardo hinter dem Schlagzeug Platz nehmen würde.

Und was soll man sagen? Lombardo macht einen erwartbar guten Job, allerdings bleibt alles im festgesteckten Rahmen. Der Ex-SLAYER-Drummer bekommt hier und da Platz, um einige nette Drumfills einzubauen („Living For Life“), wird ansonsten aber nicht künstlich in den Vordergrund gerückt, sondern fügt sich sehr organisch in den Bandsound ein. Denn wo SUICIDAL draufsteht, ist auch SUICIDAL drin. Oder mittlerweile besser gesagt: Mike Muir. So überrascht es nicht, dass dieser für das Songwriting aller Songs verantwortlich ist, was man nicht nur im Booklet nachlesen kann, sondern auch zu jeder Sekunde spürt.

 

Es wimmelt an allen Ecken und Enden von völlig wahnwitzigen Gitarrensoli, der Bass sorgt wie gewohnt für den nötigen Funk und Muirs Gesangsrhythmik ist so unverkennbar wie immer. Alle Trademarks, die die Band seit Jahrzehnten ausmachen, sind vertreten. Langweilig wird es hier trotzdem nicht.

Hin und wieder wird das Tempo auch gedrosselt und die Band schlägt ruhigere Töne an, was vor allem zum Ende des Albums und beim abschließenden, grandiosen „This World“ der Fall ist. Doch auch das steht Mike Muir und Konsorten gut zu Gesicht.

Und so befinden sich auf „World Gone Mad“ elf Stücke, die schlicht und ergreifend ins Ohr gehen und Spaß machen. Keine Füller, keine Durchhänger.
In jedem Song gibt es Textzeilen, die man schon nach dem ersten Hören mitsingen kann. Das liegt zum einen daran, dass sich Meister Muir akribisch darum gekümmert hat, dass der jeweilige Songtitel auch essenzieller und mitschreibbarer Teil des Refrains ist. Andererseits sind die Songs eingängig und unterhaltsam, was nicht zuletzt am Wortwitz und der spürbaren Energie liegt, die hier vermittelt werden.

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Bild mit freundlicher Genehmigung von

Autorenbewertung

8
SUICIDAL TENDENCIES liefern auch auf ihrem elften Full Length Album nichts als Qualität. Technisch ist jedes Bandmitglied über sämtliche Zweifel erhaben, wesentlich wichtiger sind jedoch Humor und Punk-Attitüde, die wie immer mitschwingen. Wenn man nach ner geilen Autofahrplatte sucht, dann ist man hier richtig. Alleine aus Sympathiegründen müsste man die Höchstnote geben, da ich aber noch nicht genügend Hördurchläufe hinter mir habe um die Langzeitwirkung zuverlässig zu beurteilen und nicht permanent zum Raser werden kann, verbleibe ich knapp darunter.
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8 / 10 Punkten

Vorteile

+ eingängige Songs
+ hoher Unterhaltungswert
+ technisch einwandfrei

Nachteile

- Langzeitwirkung bleibt noch abzuwarten

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