Home»Reviews»Heavy Metal»Jetzt wirds düster – Edenbridge

Jetzt wirds düster – Edenbridge

0
Shares
Pinterest Google+

EDENBRIDGE – The Great Momentum
Veröffentlichungsdatum: 17.02.2017
Dauer: 54:45 Min.
Label: STEAMHAMMER / SPV
Genre: Symphonic Metal

Jede Formation forciert mit ihrer Musik ein bestimmtes Auftreten. Eine bestimmte Außenwirkung, die sie erzielen will. Bei Bands wie FREEDOM CALL oder GLORYHAMMER wird klar, dass sie sich nicht allzu ernst nehmen und vor allem das Publikum bespaßen möchten. MANOWAR und MAJESTY hingegen wollen männlich wirken, unbesiegbar, hart wie Stahl. Und wenn man fragen würde, wer in erster Linie komplexe, vielschichtige Musik erzeugen möchte, würden sich möglicherweise die Kollegen von XANDRIA zu Wort melden.

Wer sich “The Great Momentum” anhört, das neunte Studioalbum der österreichischen Symphonic-Metal-Band EDENBRIDGE, bekommt sehr schnell den Eindruck, dass die Musik der Band vor allem darauf abzielt, nachdenkliche und gedrückte Stimmung zu verbreiten. Der Opener “Shiantara” lässt zunächst die Möglichkeit offen, dass man etwas härter zu Werke geht. Im Midtempo-Bereich lässt man Gitarren und Schlagzeug genug Raum, den Titel dann und wann etwas schneller zu gestalten, während der Gesang das Tempo eher drosselt und insbesondere im Chorus etwas Bedrückendes ausstrahlt. Auch “The Die Is Not Cast” vermittelt ebendiese Stimmung und drückt mich weiter in ein Loch. Ich glaube zwar, dass solche Art von Musik echt geil sein kann – in diesem Fall wirkt das Ganze aber eher unrund und fügt sich nicht so richtig zusammen. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass “The Moment Is Now” in eine völlig entgegengesetzte Richtung verläuft. Vor allem der Refrain, in dem vom “eigenen Weg zum Ruhm” gesungen wird, dem “Jetzt oder Nie”, dem “Entzünden des Feuers”, untermalt von hoffnungsfrohen Klängen. Es ist der erste Titel der CD, den ich mir freiwillig mehrfach anhören würde, lässt die beiden vorangegangenen Tracks aber wirklich alt aussehen.

Ich bin letztendlich ziemlich froh, dass es vorbei ist.

“Until The End Of Time” ist eine solide Ballade. Etwas Schmalz, ruhiges Tempo, durchscheinende Romantik – geht in Ordnung. Weniger zufrieden bin ich mit dem, was danach kommt. Ab dem fünften Titel “The Visitor”, schleicht sich nämlich das anfänglich erwähnte Credo zurück in die Musik – vergesst die Hoffnung, hier kommt das Unbehagen! Dieser Titel ist noch relativ gut gemacht und schafft es mithilfe eines (angesichts der bisherigen Stimmung) spritzigen Refrains, mich bei Laune zu halten. Danach geht es deutlich bergab.

Tragischer Musikcharakter kann sehr geil sein, wenn man es richtig anstellt und hier eine Prise Bombast, da ein Fünkchen Hoffnungslosigkeit und zwischendrin einen Hauch Action einbaut. Was EDENBRIDGE macht, wirkt hingegen akzentlos. Das Schöne an der Musik sind die Emotionen. Schwermütige Musik kann die sentimentale Seite in einem wecken, jemanden in eine Art meditativen Zustand versetzen oder Erinnerungen an vergangene Ereignisse wachrufen. Nachdem das einfallslose “Return To Grace” mich langsam abwirft und das langsame “Only A Whife Of Life” mir dann endgültig eins mit dem Hammer der Eintönigkeit überbrät, ist in mir allerdings nur ein Wunsch geweckt: Der Druck auf die Taste mit dem kleinen Quadrat, mit der ich die Vorstellung beende. Ich quäle mich noch durch die letzten beiden Titel, die leider ebenso öde verlaufen, und bin letztendlich ziemlich froh, dass es vorbei ist.

EDENBRIDGE Online & Facebook

Autorenbewertung

3
EDENBRIDGE liefert ein farbloses Album ohne nennenswerte Akzente. Es gibt für mich keinen Grund, die CD in Zukunft zu hören, gibt es doch – so hart muss ich das leider sagen – viel bessere Alternativen im Symphonic Metal. Zumindest erschließt sich mir, wie das Album "The Great Momentum" zu seinem Namen kam: Läuft das Album, fühlt sich jeder Moment plötzlich wahnsinnig lang an.
ø 0 / 5 bei 0 Benutzerbewertungen
3 / 10 Punkten

Vorteile

+ "The Moment Is Now" und "Until The End Of Time" sind nicht so langweilig wie der Rest des Albums
+ langweilig, aber nicht schrecklich

Nachteile

- akzentlose Abfolge von Titeln, insbesondere in der zweiten Hälfte des Albums
- fast durchgängig bedrückender Musikcharakter wird schnell eintönig
- schlechter als andere Bands des Genres

Du liest diesen Beitrag, weil unsere Autoren lieben, was sie tun - wenn du ihre Arbeit liebst, kannst du uns, wie andere schon, unterstützen. Wie? Mit einem kleinen monatlichen Beitrag über silence-magazin@patreon Patreon
Vorheriger Beitrag

Die 5 Hymnen der Verzweiflung - HYMN

Nächster Beitrag

Deutschland, deine Festivals - #07.2: Schleswig-Holstein II

Keine Kommentare

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.