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Jubiläumsparty an der Küste: 20 Jahre Barther Metal Open Air

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Ich fahre also auf das diesjährige BARTHER METAL OPEN AIR und es schwebt bereits bei der Anfahrt scheinbar eine große melancholische Wolke über dem Gelände. Mein Camp, hauptsächlich bestehend aus jahrelangen Stammgästen des Festivals aus dem hohen Norden, ist schon zu Beginn sichtlich angekratzt. Der Gedanke steht während des ganzen Festivals im Raum, oft wurde er auch schon vor dem Festival angesprochen, ja eigentlich täglich: sind wir alle das letzte Mal auf dem BARTHER? Was passiert im nächsten Jahr? Immerhin hat noch der Veranstalter noch Anfang August angekündigt, dass es vermutlich das letzte BARTHER sein wird. Eine traurige Stimmung irgendwie. Ein Gefühl, das nur von guter Musik getragen werden kann. Von tiefgründigem, atmosphärischem Black Metal zum Beispiel. Oder auch von mutigem, starkem Viking/Pagan Metal, der dafür steht, mit welcher Kraft sich das Festival bisher gehalten hat – in guten wie in schlechten Zeiten. Und natürlich auch von heiterem, auflockerndem Folk, der zum Feiern aufrufen soll. Feiern, dass wir nochmal da sein dürfen und auf all das, was wir hier erlebt haben. So hängt diese Wolke da – ok, gut es gab keine Wolke, auf dem ganzen Festival ist das Wetter top, bevor wer fragt – aber die Stimmung ist während des gesamten Festivals bei fast allen Gästen schon merklich bedrückt.

Sophia | Silence Musik MagazinBETALMAND

Donnerstag: Mit Death Metal in den Tag starten und geistreich einschlafen

Schon bei der ersten Band BETALMAND stehen eine Menge Leute vor der Bühne, zumindest in Anbetracht der Tatsache, dass es sonst bisher keine Death Metal-Opener auf dem BARTHER gab. Die Berliner überzeugen mit starken Riffs und zugegeben – mich macht es auch immer froh, mal eine Frau auf der Bühne zu sehen. Und die trinkt auch noch Schnaps, jaa! Denn zum Beginn des Festivals mal anzustoßen, gehört einfach dazu. Zugegebenermaßen ist der erste Tag musikalisch gesehen nicht ganz so meins, da ich das BARTHER hauptsächlich für die tollen Pagan und Viking Metal Bands besuche. Aber SACRIFIZED können mich doch trotz mäßigen Sound, mit dem die Band nicht ganz so glücklich scheint, für sich gewinnen. Ein Mix aus 80er-Heavy Metal, Thrash und Black Metal finde ich richtig gut. Rhythmisch abwechslungsreich, aber dafür gibt es hier ein paar ziemlich lange Intros.

BETALMAND

Verloren wirkt auf mich leider KÂHLD, die viel mit Licht und Nebel arbeiten. Atmosphärisch ist der Auftritt zwar, aber das hätte wohl besser in der Dunkelheit der späteren Stunden gepasst. Immerhin gibt es hier viele instrumentale Parts, ganz nach dem Motto: “Einfach mal die Fresse halten und die Musik genießen”. Insgesamt ist der Auftritt aber nicht schlecht, einfach nur nicht ganz mein Geschmack. Was mir dafür sehr gut gefällt ist PILLORIAN. Melodische, starke Riffs werden von einer Licht- und Feuershow begleitet, die massig Leute vor die Bühne zerrt. Verdient! Hier ist headbangen Pflicht!

Highlight des ersten Abends sind dann definitiv EIS, die mit einer Special-Show begeistern. Das ist eben immer das Schöne auf diesen kleinen Festivals wie dem BARTHER – hier bringen die Bands auch mal richtig alte oder brandneue Songs auf die Bühne. Daher spielen die Jungs aus Porta Westfalica hauptsächlich die alten Titel aus ihren Geist-Zeiten, wie dem Album “Kainsmal“, und bringen damit vor allem älteren Fans zum Schlüpperwerfen.

PILLORIAN

Freitag: Endlich nordische Männer auf der Bühne und mein persönliches Hightlight NORTHLAND

Nach einer langen Nacht gibt es nichts Besseres als mit Viking Metal den Met-Humpen zu heben? Eben, nichts. Und daher bin ich auch gleich zu HAMARSHEIMT vor der Bühne. (Später besuchte ich die Jungs noch im Nachbarcamp – ein Foto davon konntet ihr bereits auf unseren Social Media Kanälen sehen!) Die Berliner haben sich am Morgen um 13:45 Uhr erstmal im Shampoo vergriffen und offensichtlich in Kunstblut geduscht. Warum erst so spät? Zum Glück gibt es auf dem BARTHER gutes Internet, denn einige meiner Campkollegen stellten fest, dass WALDSCHRAT aufgrund einer Verletzung des Drummers nicht spielen konnten. Daher übernehmen HAMARSHEIMT ihren Platz.

Aber musikalisch gibt’s hier gar nichts zu meckern und generell verschwindet hier der Kater sehr schnell durch die gute Laune der Bandmitglieder und lustige Ansagen. Angeblich war es sogar schon ihr zehnter Auftritt auf dem BARTHER – also gleich noch ein Jubiläum! Das einzige, was mich sehr stört, ist die doch sehr statische Bewegung auf der Bühne. Ihr habt echt keinen Grund, aufgeregt zu sein! Nur der Ersatzgitarrist, der normalerweise in der Berliner Melodic Death Metal Band SENPAIS spielt, und für seinen verletzten Kumpel einspringt, schaffte es, die Power der Songs richtig umzuwandeln und bewegte sich voller Energie. Da geht noch was! 

HAMARSHEIMT
VALKENRAG

Ähnlich ist es dann musikalisch bei VALKENRAG. Auf diese Band hab ich mich eigentlich sehr gefreut, da sie bereits beim MV METAL MEETING einen überzeugenden Headliner Auftritt spielten mit großartigen AMON AMARTH-Coversongs. Gut, auf dem BARTHER geht das sicherlich nicht wegen der GEMA. Schade, denn so geht diese Band wahrscheinlich an den meisten Leuten dabei, da es sich halt nur um Standard-Viking-Metal handelt. Zumindest sind wenig Leute vor der Bühne. Aber man muss zugeben, dass der Sänger optisch schon was von Johann Hegg hat. Aber es hat eben auch etwas Gutes, dass VALKENRAG nicht AMON AMARTH ist: hier geht es in den Texten eben noch um mehr als Schlachten, Met und Bruderschaft. Die Band beschäftigt sich viel mit Mythologie, aber auch mit gängigen Problemen, die nicht nur Wikinger haben und lässt damit Interpretationsspielräume.

Danach stehen ANDRAS auf der BARTHER-Bühne. Die Jungs aus dem Erzgebirge können vor allem mit hervorragend vielseitigem Gesang und schnellen Rhythmen überzeugen. Wer sich denkt: “Höh! Die hab ich doch schon mal gesehen!” – der liegt ganz richtig. Denn einige der Mitglieder waren schon im vergangenem Jahr bei TEMPLE OF OBLIVION dabei. Ich hab die Band leider vorher noch nie gesehen. Daher war mein erster Gedanke beim Anblick des Sängers: “Hmm, ist das Eric Fish?” – großes Fettnäpfchen, aber ich stehe dazu. Musikalisch befindet sich ANDRAS nämlich in ganz anderen Bereichen und der Gesang ist auch besser. Die Texte sind tiefgründig und trotzdem ist der Sound von ANDRAS einfach nur individuell. Hört es euch unbedingt mal auf Platte an, da soll das noch besser sein!

Spätestens bei den Spaniern von NORTHLAND ist dann mein persönlicher Höhepunkt des Tages erreicht. Hier gibt es mit Dudelsack und Violinenmusik eine ordentliche Ladung gute Laune. Und zum Song “Where the Heroes die” die erste Wall of Death. Was soll man dazu noch viel sagen? Die Ränge sind gefüllt, auf der Bühne herrscht viel Bewegung und auch ältere, einheimische Besucher bewegen sich mal vor die Stage. NORTHLAND darf gerne wieder kommen und dann ein fünftes Mal das BARTHER Publikum zum Schubsetanz animieren. Der Gesang passt soundtechnisch perfekt im Gegensatz zu bisherigen Aufnahmen der Band. Live-Musik ist eben doch oft besser! Außer NOMANSLAND ist dann der restliche Abend doch recht Black Metal-lastig. Die einzige Band, zu der ich dann noch gehe, ist FORGOTTEN TOMB, die durch ihren Old-School Stil und der doomigeren Musik zumindest etwas von der Standard Black Metal Szene abweichen. Trotzdem ist mir die Musik am Rest des Abends zu eintönig.

Der letzte Tag und der größte Headliner

Da ich das erste Mal mit meiner neuen Kamera auf einem Festival fotografiere, darf ich an diesem Tag erstmalig bemerken, wie schnell sich ein Akku leeren kann. Deshalb hab ich vom letzten Tag leider keine Fotos und kein Videomaterial. Denn tatsächlich habe ich bis dahin versucht, ein paar Ausschnitte meiner persönlichen Favoriten für euch festzuhalten. Eine der Bands, die mich an diesem Tag am meisten überzeugt, ist WOODSCREAM. Die kleine, hübsche Frau am Mikrofon hat ordentlich etwas auf dem Kasten, gesangstechnisch und im Flötenspiel. Einer der Russen sieht sogar etwas aus wie der bekannte LetsPlayer Gronkh. Russen? Richtig! Daher erinnert der Auftritt auch stark an ARKONA, aber keine Angst – es besteht keine Verwechslungsgefahr mit WOODSCREAM. Sängerin Valentina Tsyganova bevorzugt nämlich klaren Gesang zu dem Violinenspiel (das hier per Einspieler kam) und harten Riffs. Auf der BARTHER Bühne spielt die Band unter anderem “Alan“, ihren bisher bekanntesten Song.

Danach spielen CTULU, die sich in ihren Tracks hauptsächlich mit den Werken von H.P. Lovecraft beschäftigen. In schwarzen Kostümen und mit weißen Gesichtern stehen sie auf der Bühne. Und irgendwie ziemlich oft über den Nebelmaschinen, um sich unter den Rock wehen zu lassen. Zumindest empfinden das meine Campkollegen und ich so, weshalb der Auftritt für uns dann doch recht lustig ist. Musikalisch gibt es eher Standard Metal. Dazu gehören hauptsächlich Tracks von ihrer letzten Scheibe aus dem Jahre 2016.

BARTHER

Weitere Highlights des letzten Tages sind für mich dann noch die Pagan-Metaller von GRIMNER und der Hauptakt schlechthin: 1349. Zu GRIMNER? Was soll man da groß sagen? Die Party startet spätestens ab diesem Punkt. Mit harten Gitarren und melodischen Flötenspiel sind die gut gelaunten Schweden immer wieder ein Live-Erlebnis wert. Es herrscht gute Laune im gesamten Publikum und auch die letzten harten Metaller stürzen sich nun ins Getümmel vor die Bühne. Es gibt einige ihrer neusten Songs, wie „En Fallen Jätte“ zu hören, aber auch ihr wohl mit bekanntester Song „Eldhjärta“ schaffte es in die BARTHER-Playlist.

Spät in der Nacht startet dann das größte Event – 1349 gehen auf die Bühne. Die Lichttechniker stellen auf rote und schwarze Töne um und generell verschwindet die Band fast auf der Bühne. Was wohl eine Feuershow werden soll, wirkt etwas irritierend auf das Publikum. Immerhin kommt nur eine Person auf die Bühne und pustet kurz etwas Feuer in die Luft. Aber gut, es herrscht ja auch immer noch extreme Dürre – da kann man schon mal vorsichtig sein. Viele meiner Bekannten haben sich vor allem auf den Drummer Kjetil-Vidar Haraldstad (SATYRICON) – oder besser bekannt als Frost – gefreut. Der ist bei dem Auftritt allerdings leider nicht dabei. Trotzdem kommen nach dem Festival einige Leute zu mir, die mit dem Sound bei der letzten Band nicht ganz zufrieden waren. Ich finde den Auftritt authentisch und passend zu den Norwegern. Alles in allem ein krönender und besonderer Abschluss.

Fazit und Zukunftsvorhersagen

Barther Essen

Alles in allem hab ich mich sehr gefreut mal wieder auf dem BARTHER zu sein, denn es gehört zu den ersten Festivals, die ich jemals besuchen durfte. Damals im Jahre 2010 war noch einiges anders als jetzt zum Jubiläum. Zum Beispiel gab es da noch nicht dieses großartige Essen von der eigenen Festivalküche zu angenehmen Preisen. Vor allem die Nudeln mit Wurstgulasch waren bei meinem Camp sehr beliebt. Desweiteren kann ich es nur empfehlen, mal das Fleisch vom Spieß zu probieren, dass es bei den Buden gab. Generell waren die Verkäufer sehr nett und es herrschte gute Stimmung in den hinteren Rängen. Der Sound war das gesamte Festival meiner Meinung nach auch sehr gut. Egal, wo ich wann stand, ich konnte alles gut hören.

Einzige Kritikpunkte sind die fehlenden Duschen und die Kontrollen am Eingang zum Festivalground. Beim Thema Duschen kann ich mir gut vorstellen, dass das finanziell nicht so leicht ist. Trotzdem ist es nun mal auf den meisten Festivals, die drei Tage und länger gehen, Standard. Vielleicht lässt sich da ja mal was machen. Fände ich gut! Zum Thema Kontrollen … also Bändchen an den Armen wurden schon kontrolliert, jedoch wurde weder bei mir, noch bei anderen Besuchern mal in die Tasche geguckt. Oder vielleicht hab ich das nur immer verpasst. Außerdem gab es diverse Besucher mit fragwürdigen Shirts auf dem Campingplatz und vor der Bühne. Ich finde dieses Vertrauen, das damit signalisiert wird super. Aber trotzdem hab ich mir doch ab und zu Gedanken darüber gemacht, wer hier was reinschleppen könnte.

Um jetzt aber endgültig die Stimmung zu heben: Es wird wieder ein BARTHER METAL OPEN AIR im nächsten Jahr geben!!! Erste Bands wurden von den Veranstaltern (ja, es sind jetzt mehrere) bereits angekündigt. Dazu gehören unter anderem DORNENREICH, ASAGRAUM und PANYCHIDA. Also kein Grund mehr zum Kopf hängen lassen! 🙂


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1 Kommentar

  1. Doom Hammer
    31. Oktober 2018 bei 17:29 — Antworten

    Uff.. an sich ein guter Bericht aber es gab so viele Highlights die hier nicht mal Erwähnung finden.. Urn, Isgalder, Sargeist, Lugubre, Nornir, Sarkom.. waren alles fantastische Konzerte.. und allesamt, entgegen der Erwartung, besser als der Festivalabschluss von 1349, was im Prinzip nur schnelles Geprügel mit wenig anderweitigen Qualitäten (außer dem Kultstatus) war

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