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Kann weniger Hass mehr sein?

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ASTROPHOBOS – Enthroned In Flesh
Veröffentlichungsdatum: 26.08.2016
Dauer: 21 Min.
Label: Triumvirate Records

Kann Black Metal eigentlich zu wütend sein? ASTROPHOBOS aus Schweden haben sich 2009 gegründet und veröffentlichen nach einer EP im Jahr 2010 und einem Album vier Jahre später nun ihre zweite EP, die es auf knapp vier Titel bringt. Stilistisch lassen sich die drei Schweden nicht zu knapp von den skandinavischen Black Metal-Kapellen der Neunziger inspirieren. Das Fundament bilden hierbei ein mächtig angefressener Mikael Broman an Mikro und Bass, dazu ordentlich durchgezogenes Schlagzeuggewitter und entsprechend fixes Geschrammel an der Gitarre. Nichts weltbewegend Neues also, aber bewährt hat sich diese Kombination in der Vergangenheit schon oft.

Während der einleitende Titeltrack gut nach vorne geht und dadurch auch ganz spaßig ausfällt, treten ASTROPHOBOS im nachfolgenden „Tabula Rasa“ ziemlich auf der Stelle. Klar ist es in Ordnung, wenn sich einmal zwei oder drei Lieder in ihrer Art und Weise recht ähnlich sind, allerdings wird es in diesem Fall zum Problem: „Enthroned In Flesh“ umfasst vier Titel, von denen nur das abschließende „The Cadaver Monarch“ so richtig aus der Reihe tanzt. Dort zeigen sich ASTROPHOBOS auch von ihrer besonneneren Seite und erweitern ihren Sound gleich um mehrere Facetten. Dazu haben sie ja auch gut Zeit, schließlich knackt der Titel locker die acht Minuten. Die drei Lieder davor fallen ziemlich gleichförmig aus und wetteifern darum, wer denn dem Hörer am festesten die Gehörgänge durchpusten kann.

Auf einem Album könnte so ein aggressives Dreiergespann ja durchaus funktionieren, aber bei den vier Songs der EP bleibt einfach der Eindruck zurück, die Band habe nicht unbedingt mehr zu sagen. Da ist es dann auch schade, dass ASTROPHOBOS eigentlich ganz gut in dem sind, was sie machen. Innovationspreise gibt es wie schon eingangs erwähnt zwar nicht, aber die Schweden halten ein stattliches Hass-Niveau aufrecht, bauen konsequent die gewünschte Stimmung auf und haben die ganze Angelegenheit zudem mit einer wirklich gefälligen Produktion abgerundet. „Blood Libation“ fällt streckenweise sogar richtig catchy aus und spielt etwas mehr mit den Extremen.

Mit einer durchschnittlichen oder gar schlechten Band haben wir es hier nicht zu tun, eher im Gegenteil. Es stellt sich eben nur die Frage nach der Motivation hinter „Enthroned In Flesh“. Für einen bleibenden Eindruck fehlen hier nämlich entweder die Länge, damit sich die Atmosphäre so richtig entfalten kann, oder mehr pfiffigere Ideen. Rein handwerklich und stilistisch macht die EP dagegen Lust auf das nächste Album, wo sich ASTROPHOBOS zwangsweise mehr Zeit lassen und sich hoffentlich auch um etwas mehr Abwechslung bemühen. Erwähnenswert ist vielleicht noch das untypische Cover-Artwork, das glatt einem Comic entstammen könnte und dadurch richtig erfrischend wirkt.

Autorenbewertung

5
"Enthroned In Flesh" scheitert weder an der handwerklichen Umsetzung noch am Songwriting. Problem ist an dieser Stelle das gewählte Format oder eher der Umgang damit, weshalb sich ein Blick auf die Band zukünftig lohnen dürfte. Nur eben "Enthroned In Flesh" dürfte in der momentanen Form lediglich beinharte Fans des Genres richtig glücklich machen.
ø 3.3 / 5 bei 2 Benutzerbewertungen
5 / 10 Punkten

Vorteile

+ verdammt hart
+ passender Sound
+ maximal angefressener Gesang

Nachteile

- funktioniert in diesem Format nicht so wirklich
- eingangs fehlende Abwechslung

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