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Der Weg einer Freiheit im UT Connewitz

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31.3.2016

„Ey Flori, kommste mit ins UT? Saufen spielen!“ So oder so ähnlich muss sich der erste Schritt zur Planung des Konzertbesuchs abgespielt haben. Das UT CONNEWITZ ist ein Laden sondersgleichen und grundsätzlich immer eine gute Adresse, nicht zuletzt da sich auf der anderen Straßenseite die Zwille befindet. Jener Schuppen, in dem schon nach so manchem UT Konzert noch der Abend aus der Erinnerung getrunken wurde, mit Freunden, solchen, die es werden sollten und Frauen die allesamt Simone heißen. Aber das ist eine andere Geschichte…

Bereits kurz vor vier kündigt mir Freund Blase via Whatsapp an, dass er nach Erledigung seiner Wege und um die Wartezeit auf mich sinnvoll zu überbrücken, trinken muss. Gesagt, getan. Zwei Stunden später informiert er mich vom Fortschritt seines Schaffens: „Sitze vor der Uni un leddre mir volles Pfund de Lymphknoten dicht“, unmittelbar gefolgt von: „Du musst mich von hier abholen. Mir drehts schon bissel.“ Originalton. Ich liebe den Typen.

Wenig später geht’s dann also auf nach Leipzig. Das Wetter ist miserabel, die Sicht schlecht, die Stimmung an Bord: prächtig.

Vor Ort angekommen macht man die Entdeckung, dass noch gar nicht mal so viele Leute anwesend sind. Aber schon wenig später füllt sich die Halle dann doch beträchtlich, und das zum Donnerstag.
THE GREAT OLD ONES eröffnen den Abend in leider nur mäßigem Soundgewand. Die sechs Jungs aus Frankreich zocken ihr Brett ziemlich reglos runter, allesamt in Kapuzenmäntel gehüllt. Vorne, in der Mitte der Bühne: eine eiserne Nachbildung vom Antlitz Cthulhus. Sympathisch.
Nach wenigen Songs einigt man sich im freundschaftlichen/kollegialen Zuschauerkreis darauf: Black Metal und atmosphärische Post Rock Gitarren sind einfach unfassbar geiler Scheiß!

Besonders positiv bleibt mir bei TGOO das Zusammenspiel von Lichtshow und Musik hängen, das nüchtern betrachtet recht unspektakulär konzipiert, aber sehr zielführend eingesetzt ist. Was von der Musik selbst zurückbleibt ist soundbedingt jedoch eher wenig. Das Sextett kann das, was sie auf ihren Alben versprechen (und was nicht wenig ist), heute Abend leider nicht vollständig halten.

Zweiter Act des Abends: HARAKIRI FOR THE SKY

Zu fünft entern die Österreicher die Bühne, gesäumt von Bannern, die auch zu einer modernen Hardcore Kapelle gehören könnten. Aber ich bin ja zum hören und nicht zum sehen hier. Der melancholische Post Black Metal der Jungs weiß zu gefallen, entfaltet jedoch erst nach ein paar Songs wirklich seine Wirkung. Die Melodien arbeiten sich hervorragend ins Ohr, die Arrangements sind eingängig und bleiben auch gut hängen. Für mich persönlich könnte der ein oder andere Part zwar eine Wiederholung weniger und einen Blastbeat mehr vertragen, insgesamt zocken HARAKIRI aber sehr konsequent und souverän durch ihr Set. Mir kommt es nur das gesamte Konzert über so vor, als wäre die Bühne zu groß für die 5 Bengels, Punktabzug in der B-Note.

 

Tobias Schuler (Schlagzeuger DWEF Anm. d. Red.) zerlegt bereits beim Soundcheck alles, was im UT zuvor so erklungen ist. Meine Fresse!
Nach kurzem Umbau beginnt das Set von DER WEG EINER FREIHEIT mit einem stimmungsvollen Intro, bevor selbiges durch ‚Eiswanderer‘ zerknüppelt wird. Schnell wird klar, dass die vier Jungs in Höchstform sind. Was mir auffällt ist, dass die zahlenmäßig schwächste Band des Abends die Bühne zum Bersten füllt. Nikita und seine Mitstreiter stehen vom ersten Ton an über allem und das soll bis zum Ende des Konzerts auch so bleiben. Innerhalb von rund 80 Minuten Spielzeit lässt sich von mir ein (!) versemmelter Snareschlag ausmachen, der von Tobias und Nikita grinsend weggenickt wird. Diese Band kratzt immer wieder an der Perfektion und spielt so tight wie nur wenige. Respekt! Hier erfreut sich das Musikerherz nicht nur an den gespielten Titeln, sondern an der technisch grandiosen Umsetzung dieser.
Entgegen der Erwartungen liegt der Fokus heute Abend nicht streng auf dem neuen Album „Stellar“, sondern es werden Songs aller Veröffentlichungen gespielt und das in ziemlich ausgewogener Form. Der Sound ist eine Wand, die Bandmitglieder angemessen agil und das Zusammenspiel eine wahre Freude. Menschen, die den gesamten Abend über reglos vor der Bühne verharrt haben, beginnen zu bangen, als gäbe es kein Morgen mehr.

Nach über einer Stunde Spielzeit beenden die Würzburger ihr Set und verlassen die Bretter für einen Moment, der nicht lange andauern wird. Dem Publikum dürstet es nach mehr. Als letzter Song des Abends wird ‚Lichtmensch‘ durch das UT geballert, ein gelungener Abschluss.

Die Jungs lassen sich nicht lumpen und nehmen sich noch ausgiebig Zeit für Fans und Freunde, bevor die Besucher zurück in die ekelhaft verregnete Leipziger Nacht entlassen werden.

Zwille fällt heute aus, aber da wir alle saumäßig Hunger haben, beschließt WANDAR Drummer Totz uns noch fürstlich in eine nahe gelegene Drehspieß-Servier-Lokalität/Kneipe/Stammtisch auszuführen. Aus irgendwelchen Gründen kommen wir dort noch mit einer jungen Frau ins Gespräch, die eigentlich nur wollte, dass ihr jemand Kohle wechselt. Auf einmal finden wir uns in einer Diskussion über Metal und Hardcore wieder in der die Dame erläutert, wie unfassbar voll SLIPKNOT Konzerte heutzutage ja geworden sind. Doch Professor Totz kennt die Lösung all deiner Probleme: „Hättste einfach zwei Tickets jekauft, da hättste mehr Platz jehabt!“

Wenig später verabschieden wir uns mit einem herzlichen „Schön, dasser da wart!“ von den Stammtischjungs und steuern nach Hause, mit dem festen Vorsatz, UT Konzerte viel öfter zu besuchen. Nächstes Mal wieder mit Zwille. Und Simone…UND Simone.


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1 Kommentar

  1. Tante Hedwig
    14. Mai 2016 bei 23:25 — Antworten

    Der Song von Harakiri geht doch richtig nach vorne! Das trifft mal wieder komplett meinen Nerv. Zu der Show kann ich leider nicht viel sagen 🙂

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