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Langweilig trotz neuem Konzept? – Musikmesse Frankfurt

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Ach ja, MUSIKMESSE. Quasi DER Termin für alle Musiknerds und -liebhaber. Europas größte Messe in dem Bereich ist berühmt. Früher noch ein richtiges Happening, als sie noch in den niedrigzahligen, großen Hallen der Messe Frankfurt stattfand, kamen allein am Samstag, dem Besuchertag, mehrere tausend Menschen. Jede Instrumentengruppe hatte eine eigene Ebene, auf mehrere Hallen verteilt. Dazu Recording und Mikrofonierungstechnik, Noten, Instrumentenbau, Handel etc. In den Bereichen für E-Gitarren und Schlagzeuge sollte/durfte man keine kleinen Kinder mitnehmen und bekam Eingangs den Hinweis, lieber Gehörschutz zu tragen, wegen der hohen Lautstärke. Herrlich.

Alles neu, alles gut?

Und heute? Die MUSIKMESSE hat einen Hallentausch mit der gleichzeitig stattfindenden Messe PROLIGHT AND SOUND hinter sich, was eine Verkleinerung in quasi allem bedeutet. Kleinere Hallen, kleinerer Innenhof, weniger Bühnen, weniger Aussteller. Für viele war die Messe nicht mehr rentabel und interessant genug. Einige der Hallen beherbergen nun sogar mehrere Abteilungen. Beispielsweise Halle 8, wo sich zum einen akustische Instrumente (akustische Saiteninstrumente, Percussion etc.) befinden, zum anderen aber auch die Blasinstrumente. Früher undenkbar, da in dem Bereich der letzteren Gruppe ebenfalls ein extrem hoher Lärmpegel herrschte. Dieses Jahr ist es jedoch wirklich erträglich, was aber auch an entsprechenden Restriktionen liegt. Zwar werden in den betroffenen Bereichen entsprechende Maßnahmen ergriffen, um eine Regulierung durchzusetzen, jedoch trägt das gegebene eher niedrige Maß an Instrumenten, welche angespielt werden können, ebenfalls seinen Teil dazu bei. Im Bereich der Saxophone beispielsweise (man muss vorher seine Mundstücke anmelden, um auf der Messe damit Instrumente anspielen zu können. Da Handel vor Ort nicht erlaubt ist, wird damit Missverständnissen vorgebeugt), findet man wirklich nur noch 2-3 große Namen. Das ist sehr Schade.

Gitarren / Bässe / Drums

E-Gitarren/-Bässe und Schlagzeuge teilen sich ebenfalls eine Ebene in einer anderen Halle (11). Damit wird einem Publikum mit ähnlich gelagerten Interessen Rechnung getragen. Zudem wird hier ein Konzept verwirklicht, welches auch von dort auftretenden Künstlern sehr positiv aufgenommen wird. Um die Besucher nicht einfach nur vor den Ständen der Aussteller alleine zu lassen, wurde ein Drum-Camp und ein Guitar-Camp im Zentrum der Halle, sprich in dem Bereich, wo die Trennlinie der beiden Abteilungen verläuft, installiert. Jedes Camp teilt sich in einen Ausstellungsbereich und eine ca. 5x12x3 Meter große, schalldichte Box auf. In dem Ausstellungsbereich wird das aktuelle Equipment (Schlagzeug/Gitarren) der auftretenden Künstler auf Risern präsentiert. Ein Mal pro Tag hat jeder Künstler ca. 30 Minuten, sein Equipment live in der Box vorzustellen. Dafür wird der Riser einfach in die Box gefahren, schnell an die dort installierte Anlage angeschlossen, und schon kann es losgehen. Sehr effizient, und die Zuschauer können mal aus der Nähe betrachten, worauf Herman Li (DRAGONFORCE), Jen Majura (Evanesence), Jost Nickel (Jan Delay), Karl Brazil (Robbie Williams) und einige andere spielen. Damit wird eine Nähe zwischen bekannten Musikern und Publikum erzeugt, stellt aber gleichzeitig eine Möglichkeit für die Hersteller dar, für ihre Produkte zu werben. Und die Musiker können Neuerungen an ihrem Equipment präsentieren.

Rahmenprogramm

Was das Rahmenprogramm betrifft, so wird in dem Innenhof auf dieser Seite des Messegeländes Programm auf zwei Bühnen geboten, sowie noch kleinere Stationen, die jedoch weniger abwechslungsreiches Programm bieten. Finden auf der Central Stage etwa Konzerte des School Jam statt (Yeah, Musik als Wettbewerb. Scheinbar immer noch sehr beliebt.), der Bundeswehr Big Band (musikalisch immerhin wirklich sehr gut) oder verschiedener internationaler Acts, welche mit einem Kurzprogramm weitere längere Konzerte abends in der Stadt bewerben, statt. Daneben gibt es noch eine kleinere Bühne, welche an das WOODSTOCK DER BLASMUSIK gebunden ist. Ja, auch so etwas gibt es … Und dementsprechend treten hier auch hauptsächlich Brassbands auf. Passend dazu gibt es an den umliegenden Essensständen eigentlich nur Wurst in verschiedener Verarbeitung. Alternativ Burger. Immerhin gibt es auch einen Stand mit Flammkuchen.

Fragt man einige Besucher nach ihrem Eindruck, so sind viele der Befragten dieses Jahr zum ersten Mal auf der Messe. Von “langweilig” und “ich hätte mehr erwartet” gehen die Eindrücke zwar auch über “an sich schön aufgezogen”, jedoch haben sich viele vorher keine Gedanken darüber gemacht und sind dementsprechend mit keinen speziellen Erwartungen zur Messe gefahren. Bemängelt wird oft, nicht so viele Instrumente anspielen zu können, quasi das komplette Fehlen von E-Bässen und einer Restriktion bei dem Antesten der Instrumente. Jen Majura ließ im Interview zwar verlauten, das neue Konzept mit den Cams sehr zu begrüßen, und die Nähe zu den Fans sehr zu schätzen, jedoch fiel auch ihr die Veränderung in den Örtlichkeiten auf, was auch dazu führte, dass sie ihren Stand erst gar nicht gefunden habe, da dieser (die Camps insgesamt) relativ weit abgelegen in einer der hinteren Hallen war. Das bringt die Umstellung eben mit sich. Ein etwas eingedampftes Angebot, weniger große Namen, mehr Fernost, weitere Wege trotz kleinerer Hallen. Naja …

Weniger ist nicht immer mehr

Natürlich sind die Umfragen nicht repräsentativ, und es steckt ein erkennbares Konzept hinter dem momentanen Aufbau der Messe, dennoch ist sie nicht mehr mit früheren Ausgaben vergleichbar. Das Feeling fehlt irgendwie, bzw. ist nicht mehr dasselbe. Selbst am Samstag am frühen Nachmittag wirkt der Hof beinahe leer. Das Ganze wirkt irgendwie nüchterner, mehr auf Darstellung der Aussteller fokussiert. Der Flair ist weg. Wo es auf dem früheren Gelände auf dem Innenhof noch ein großes, geschlossenes Zelt mit eigener Bühne (die Agora Stage) gab, auf der ebenfalls Sessions stattfanden, gibt es hier nur noch die zwei bereits erwähnten “Themenbühnen”, und damit sogar noch weniger als vorheriges Jahr, als die Messe ebenfalls bereits auf diesem Areal stattfand. Stattdessen gibt es ein kleines, geschlossenes Zelt im Hof mit dem Motto “Discover Music”. Dort konnten Kinder verschiedene Musikinstrumente ausprobieren. Schön. Trotzdem, dem Gros der Besucher ist damit wenig geholfen.

Bleibt zu sagen, dass die Messe anders geworden ist. Sie stellt immer noch einen wichtigen Termin im Jahr dar. Man hat als Besucher die Möglichkeit, bekannte Persönlichkeiten aus der Branche direkt zur treffen, sich auszutauschen und zu informieren. Dennoch, steigende Eintrittspreise und die veränderte Situation führt zu einer Veränderung im Publikum. Es ist nicht mehr so voll wie sonst, es herrscht nicht mehr dieser Musikmesse-Flair. Durch das Fehlen vieler großer Hersteller, deren Instrumente, Equipment o.ä., welches man hätte testen wollen, muss man gegebenenfalls lieber woanders hinfahren. Schade.


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1 Kommentar

  1. FuriousFry
    11. April 2017 bei 22:51 — Antworten

    Leider wahr. War fie Musikmesse vor fünf Jahren noch der Ort für Kreativköpfe der akustischen Natur, so scheint das Konzept des Gesundschrumofens nicht wirklich aufzugehen. Ich habe im Gegensatz zum Autor sogar eher das Gefühl, dass der Musikmesse ein Konzept fehlt. Es war zwar schön, im Biergarten vor der Woodstockbühne in der Sonne zu sitzen, aber viel mehr hätte ich mir doch gewünscht, dass mehr Aussteller ihre Instrumente präsentieren. Mir als Blechbläser und Drummer wurden 2 oder 3 bekannte Blechmarken wie zB Adams vorgestellt, und drei weitere Drummarken. Das ist doch dürftig, konnte ich vor 5 Jahren nich einen halben Tag allein mit Tromoeten verbringen. Wenigstens die Stars der Camps waren spitze, mit Talenten wie Herman Li oder Annika Nilles. Wünschenswert wäre eine größere Herstellerpräsenz. Wenn dazu notwendig ist, dass auf der Messe verkauft werden darf, so nehme ich das billigend in Kauf.

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