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LOVE METAL – Das Ende der Ära HIM

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Sicherlich hat es der ein oder andere mitbekommen, HIM haben letztes Jahr ihre Auflösung bekanntgegeben. Warum mich das beschäftigt, möchte ich euch in diesem Artikel näher bringen. Also dann, One Last Time

NOVEMBER 1999 – DER ERSTE KONTAKT

Seit ich angefangen hab, Musik wirklich wahrzunehmen, nicht einfach nur zu hören, hat mich eine Band stets auf meinem Weg begleitet: HIM. Ich weiß noch genau, wie es dazu kam. “Join Me” lief als Neuvorstellung im Radio. Dieser Song hatte etwas, das mich sofort in seinen Bann zog. Direkt am nächsten Tag bin ich zum “Golden Sound”, einem Musikgeschäft in meiner Heimatstadt Riesa. Ja, zu der Zeit gab es noch den Einzelhandel für CDs und an “Ich bin doch nicht blöd” war noch gar nicht zu denken. Die Verkäuferin meines Vertrauens kannte mich bereits gut und das übliche “Was darfs denn heute sein?” ließ nicht lange auf sich warten. Sie zeigte mir die Maxi CD (Single hat irgendwie niemand gesagt) und ich ihr mein Geld. Nun wollte ich aber auch mehr, also stöberte ich im Regal. Das zugehörige Album “Razorblade Romance” erschien aber erst einen Monat später, weshalb ich einfach das andere mitnahm, welches da noch rumstand: “Greatest Lovesongs Vol. 666”. 

INFIZIERT ODER BESESSEN?

Meine neuerworbenen Silberlinge liefen von da an nun in Dauerschleife. Als ich dann das pinkfarbene, zweite Album mein Eigen nennen konnte, war es aus. Es gab in meinem Kosmos praktisch nichts anderes mehr. “Join Me”, “Resurrection”, “Wicked Game”, “For You”, all diese Songs und das großartige Billy Idol-Cover “Rebel Yell”, in der Liveversion auf der Maxi, wurden Begleiter, Dauerbrenner, sozusagen musikalische Freunde. Die Musik war aber auch nicht alles. HIM hatten schon immer eine gewisse Magie, eine Art Aura, die die Band umgab und mich nicht mehr los ließ. Überall sah ich das Heartagram, malte es auf Papier und im Winter an beschlagene Scheiben (was ich auch heute noch tue, das Kind in mir halt). Aber sind wir doch mal ehrlich: dieses Logo ist ein Geniestreich! Mittlerweile ziert es auch meinen Arm, aber Tattoos waren damals noch nicht hipp genug (oder ich einfach zu jung, wer weiß das schon). 

MUT ZUR MUSIK

Irgendwann stellte sich heraus, dass viele die Musik von HIM als kitschig oder schnulzig bezeichneten. Das hab ich zwar mitbekommen, aber konnte es nie wirklich nachvollziehen. Zumal sich die Band ihrer Ausrichtung ja bewusst war. So wurde Album Nr. 4 “Love Metal” getauft, und fortan definierte diese Bezeichnung auch das Genre. Diese Bezeichnung war mindestens genauso treffend, wie das Bandlogo. Und auch wenn es Leute gab, die Fans wie mich belächelt haben, so stand ich immer zu meiner Liebe zur Musik. Ich trug nahezu täglich irgendwelchen Merch. Vom Shirt, über Hoodies, Geldbörsen, Uhren, bis hin zu einem Aufnäher auf meiner Lederjacke. Es war mir einfach egal, was andere dachten. Kennt ihr Bam Margera? Bis auf das Skaten (und das sonst so Durchgeknallte) war ich quasi das Equivalent. Irgendwo zeigte ich immer, wer meine Lieblingsband war. 

THE BEGINNING OF THE END

Die Jahre vergingen, ich nahm jedes Konzert mit, welches in meiner Nähe war, kaufte jeden Release, wurde älter, wechselte meinen Kleidungsstil, was man halt so tut, wenn man erwachsen sein will/soll. Einige Bands haben versucht auf den Zug aufzuspringen, schafften das aber nie. Es gab zwar gute Versuche, aber die Magie von HIM blieb unerreicht. Meine Sammlung an CDs ist weitestgehend komplett, so manches Shirt liegt immernoch in meinem Kleiderschrank und wenn ich etwas hübsches, neues finde, kaufe ich das auch immernoch. Und plötzlich wurde vergangenes Jahr die “Farewell Tour” angekündigt. Der Abschied, das Ende von HIM. Schon beim Lesen der Ankündigung wurde ich etwas emotional. Erst der Ausstieg von Drummer Gas und dann das?! Die Band trennt sich aber im Guten, jeder einzelne möchte weiterhin Musiker bleiben. Nur das Projekt HIM findet ein Ende. Immerhin alles ohne Streit. Ohne die Stimme von Ville Valo wäre die Musikwelt ja sowieso nicht mehr das, was sie ist. Auch außerhalb von Szenegrenzen. Dass das funktioniert, konnte man in der Vergangenheit ja schon gut beobachten. 

(M)EIN LETZTES MAL

Die Tickets für das Konzert in Leipzig hab ich mir natürlich auch direkt bei Verkaufsstart gesichert. Dieses fand am 4.12.17 im Haus Auensee statt. Eine super Location übrigens, schon meine vergangenen Konzerte von HIM habe ich dort genossen. Ein gigantisches Heartagram, gefertigt aus Trägern, schmückte den Bühnenbackground. Schon dieser Anblick war beeindruckend. Als die Band endlich die Bühne betrat, wurde eine Setlist abgefeuert, die sich gewaschen hat. Man spielte sich durch die gesamte Diskographie und bis auf ein, höchstens zwei Wünsche meinerseits, war für jeden Fan mindestens ein Highlight dabei. Dass ich mehr als nur einmal feuchte Augen hatte, brauch ich eigentlich nicht erwähnen. Das war nicht nur ein gelungenes Abschiedskonzert, sondern auch das Beste, welches ich bisher von HIM erleben durfte. Ich hab mich zwar wiedermal sehr über einige Anwesende aufgeregt, weil sie der Meinung waren, ganze Songs mit ihren Handys (mit eingeschaltetem Licht!) aufzunehmen, aber das steht auf einem anderen Blatt. Einen gewissen Moment musste ich allerdings auch festhalten, da er bei allen Konzerten ein ganz besonderer ist: 

Für mich war dieses Konzert ein würdiger Abschluss einer (sehr persönlichen) Ära. Die Musik bleibt natürlich auf ewig bestehen, und wird immer einen Platz in meiner Playlist haben. Ich bin mir sicher, dass wir auch in Zukunft noch einiges von Ville und Co. hören werden, auch wenn es kein Love Metal mehr ist. Ich hoffe, der Einblick in meine 18 Jahre mit HIM konnten euch etwas unterhalten, mir lag dieser Artikel sehr am Herzen. 


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1 Kommentar

  1. Ingeee
    7. Januar 2018 bei 10:55 — Antworten

    Wahre Worte, Du sprichst mir aus der Seele.
    Vom ersten (HIM-) Tattoo vor gefühlt 100 Jahren bis heute. HIM waren eine prägende Ära und ich bin glücklich sagen zu können dass ich immer noch wie ein Teenie ausflippe wenn ich sie höre. 🙂

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