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Metal mit Swag, YOLO!

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FINSTERFORST – #YOLO
Veröffentlichungsdatum: 16.09.2016
Dauer: 41 min
Label: Napalm Records

„Wer kommt auf so einen Blödsinn?“, mag man sich im ersten Moment fragen, wenn man die neue FINSTERFORST-Scheibe hört. Daran ändert sich auch im zweiten und dritten Moment nichts, die vorliegende Idee ist so gewagt wie bizarr: Eine Kapelle extremer Gangart geht hin und wirft jegliche Ansprüche an Trveness und dergleichen über Bord, um dann munter über Fußball zu singen und MILEY CYRUS zu covern. Ja, da muss sich wirklich jemand „YOLO!“ gedacht haben, anders lässt sich das Ding wirklich nicht erklären. Überraschenderweise funktioniert das Konzept an sich sogar ganz gut.

Was FINSTERFORST auf „#YOLO“ abliefern, erinnert irgendwo an eine nicht ganz so hektische Variante von TROLLFEST. Der Vergleich mit den Klamauk-Kollegen sagt es schon: Zwar ist „#YOLO“ vom Ansatz her geradezu verstörend, aber unter dem bewusst hässlichen Äußeren steckt, rein musikalisch, ein recht ansehnlicher Kern. Anspruch sollte man aber gar nicht erst mitbringen, dafür ist „#YOLO“ erwartungsgemäß nicht das richtige Album. Trotzdem sind die meisten Tracks, wie schon das einleitende „Bottle Gods“ sofort aufzeigt, stabil umgesetzt und machen Spaß. Ja, auch das „Wreckingball“-Cover überzeugt, bzw. insbesondere dieses überrascht durch einen zielsicher ausgespielten Trash-Faktor*.

Weniger gut ist „#YOLO“ genau dann, wenn das Metallische und eigene Einflüsse auf der Strecke bleiben. Das K.I.Z.-Cover „Der durch die Scheibeboxxxer“ tönt beispielsweise kaum anders als das Original mit Metal-Drums. Braucht die Welt ein Cover wie dieses? Nicht wirklich. Das oft verwurstete „Beat It“ gewinnt auch keinen Innovationspreis, hält aber immerhin ein paar nette Einfälle bereit, auch wenn andere Bands, wie RAINTIME, aus dem Song schon vor Jahren mehr herausgeholt haben. Das KASSIERER-Cover „Das schlimmste ist, wenn das Bier alle ist“ mag nicht sonderlich spektakulär sein, ist aber clever kurz vor Schluss positioniert und hat auch diesen herrlichen Trash-Faktor*.

Interessanterweise blühen FINSTERFORST erst in den Eigenkompositionen so richtig auf. Diese sind durch die Bank gelungen und es ist offensichtlich, wie viel Spaß die Band beim komponieren hatte. Losgelöst von allem Ernst, siedeln sich FINSTERFORST hier zwischen ihrem regulärem Stil und herrlichem Klamauk an – insbesondere hier greift der TROLLFEST-Vergleich. Die Idee, mit reinem Ranz allen gleichzeitig ans Bein zu pinkeln, ist eigentlich richtig gut. Schade ist, dass sich FINSTERFORST beim Covern dann aber eher scheu zeigen und ihr Album damit der nötigen Konsequenz berauben. Statt einen ultimativen Partykracher geschaffen zu haben, ist „#YOLO“, trotz der Dauer von 41 Minuten, nur in der ersten Hälfte so richtig zwingend. Da kann auch der süffige Abschluss „Wild Rover“ – allein von der Vorlage her deutlich interessanter als die übrigen Cover, da weiter hergeholt – nichts ändern: Das Album hinterlässt aus qualitativen Gründen gemischte Gefühle beim Hörer. Vielleicht hätte es ja ein HASSELHOFF-Cover gerichtet.

*[Anm. d. Red.: hat nichts mit Thrash-Metal zu tun. Trash im Sinne von Schrott, Müll. Aber das hättet ihr natürlich auch so gewusst.]

Autorenbewertung

6
"#YOLO" sitzt zwischen den Stühlen: Es will anecken und ist damit auf seine Cover-Versionen angewiesen, punktet dann aber bei den Eigenkompositionen. Für einen solchen Rundumschlag sind erschreckend zahnlose Passagen enthalten.
ø 1 / 5 bei 5 Benutzerbewertungen
6 / 10 Punkten

Vorteile

+ gutes Konzept
+ starke Eigenkompositionen

Nachteile

- nicht konsequent genug
- langweiliges K.I.Z.-Cover

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3 Kommentare

  1. Andre
    6. Oktober 2016 bei 11:50 — Antworten

    6/10 Punkten? Das ist aber wirklich wirklich extrem gutmütig. Freundschaftspunkte wahrscheinlich.

    Ich mag Finsterforst und die letzten beiden Alben haben mich sehr begeistert. Vor allem „Rastlos“ zählt für mich mit zu den musikalisch und auch thematisch wichtigsten Alben in meiner Musiksammlung. Aber mit „#YOLO“ haben sie sich leider so einige Sympathiepunkte als ernstzunehmende Musiker bei mir verspielt. Ich versteh den Sinn des Albums nicht, denn ich finde es leider grottenschlecht. Ich war total gespannt auf die Coverversion von „Wreckingball“, denn ich finde dass bei sowas wirklich etwas spannendes herauskommen kann und war dann aber mehr als nur erschrocken und enttäuscht. Wirklich schlechter Gesang, ganz miese englische Aussprache und bis auf das seltsame Gegröhle beim Refrain ist das auch kein innovatives Cover, total langweilig und einfach schlecht.
    Natürlich muss man sagen, bei manchen der Coversongs klingt ganz ganz leicht die musikalische Genialität, die diese Band innehat und die diesen Finsterforst-Wiedererkennungswert ausmacht, durch, aber eben nur im Ansatz und viel zu schwach.

    Und nach so wahnsinnig anspruchsvollen lyrischen Ergüssen wie „…fucking hangover, I’ll never drink again!…“ habe ich mir ernsthaft gewünscht, ich könnte kein Englisch, denn selten musste ich mich so fremdschämen bei einer Band, von der ich eigentlich viel mehr erwarten würde. Die Notlösung war aber einfach: Schnell ausmachen. Und nie wieder anmachen. Grauenhaft!!!

    Mir ist klar, dass das Album nicht ernst gemeint ist, ich habe auch nichts gegen Party-Metal und Lobpreisungen ans Bier. Aber wenn, dann bitte konsequent und mit ein bisschen mehr Niveau. Und vielleicht sollte man sowas nicht raushauen, wenn man vorher so Meisterstücke wie „Rastlos“ erschaffen hat, das passt einfach nicht. Mit „#YOLO“ sind Finsterforst sich selbst kein bisschen gerecht geworden. Echt schade.

  2. oceansizer
    5. September 2016 bei 18:57 — Antworten

    Ich hoffe nur, dass sie auf Tour mit Equilibrium/Heidevolk/Nothgard weiterhin die „alten“ Sachen spielen. „Mach dich frei“ natürlich auch. Und nicht dieses Gekröse. Ich frage mich nur, warum Finsterforst unbedingt dieses Album machen wollte. Das reguläre Zeugs hat dich funktioniert.

  3. minuslik
    4. September 2016 bei 21:44 — Antworten

    Schade. Ich hab »Auf die Zwölf« vor ein paar Wochen auf einer Napalm-Records-Promo-CD entdeckt und fand es ziemlich gelungen (vor allem die Idee, in diesem Stil über Fußball zu singen 🙂 ) Bei sdieser Rezension überlege ich mir allerdings zweimal, ob ich mir das Album wirklich antun soll.

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