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„Musik für Übermenschen“ Mgla machen mit ihrem neuen Album Exercises in Futility eine klare Ansage

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Wer der Meinung ist das nur die Norweger Spitzenreiter in Sachen Black Metal sind, der weiß nicht was die Osteuropäer alles drauf haben. Spätestens mit dem Album „With Hearts Towards None“ wurde das von der polnischen Band MGLA bewiesen, welche dadurch zu einem absoluten Geheimtipp im Underground geworden ist. Doch seit der Veröffentlichung 2012 hat sich musikalisch und Live einiges getan. So hat das Duo auf der Bühne zwei Sessionmusiker dazu bekommen um sich mal richtig austoben zu können, wobei austoben hier wohl der falsche Begriff ist. Mit schwarzen Lederjacken und Kapuzen stehen sie regungslos da und ziehen, ohne jegliche Einbeziehung des Publikums, ihr Ritual durch. Um guten Black Metal zu machen braucht es also kein Corpsepaint, Nietenarmbänder oder Patronengürtel um etwas darzustellen was musikalisch einfach nicht rüber gebracht wird.

Fällt bei Liveauftritten der Strahler in die Gesichter der einzelnen Mitglieder, so trägt es den Anschein als würde man eine leere Hülle vor sich haben. Es entsteht ein Gegensatz von absoluter Leere und eingängigen Riffs wo man abgehen möchte, welcher die Musik so klar herüber bringt, was wiederum die Band in der Szene so besonders macht. Mit ihrem einmaligen Stil konnten sich MGLA so im Black Metal etablieren.

Die spannende Frage bleibt aber, was das neue Album „Exercises in Futility“ verspricht. Ganz einfach formuliert klingt es nach MGLA, aber durchdachter und detailreicher. Das neue Album sollte die Weiterentwicklung der Band in Klang und Komplexität widerspiegeln. Einschlägige Riffs und durchdringende Melodien verleihen einen nihilistischen Charakter und der Zuhörer wird in eine Art Trance versetzt. Ich persönlich finde, dass sich das Album beim ersten anhören schon im Kopf festsetzt und einfach wieder und wieder gehört werden will. Man erkennt erst nach einigen Durchläufen die Feinheiten, welche die Band hier vermitteln will. Durch gegenläufige Arpeggien auf der Rhythmusgitarre entsteht eine Dynamik die einfach nicht ermüdend wird.

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Schon mit dem ersten Song des Albums wird man in einen Zustand versetzt, der einen alles um sich herum vergessen lässt. MGLA an, Welt aus! Kraftvolle und klare Vocals tragen zur perfekten Gesamtleistung bei. Höhepunkt dabei ist im zweiten Song das geschriene „Nether! Again nether!“ was eine ziemlich eingängige Wirkung auf den Zuhörer hat. Track fünf zeigt im speziellen die Weiterentwicklung der Band, da der Track nicht Typisch nach MGLA klingt mit seinen disharmonischen Riff, aber einmal im Kopf drin, bekommt man auch das nicht wieder heraus. Außerdem legt sich Schlagzeuger Darkside mit seinen im Wechsel erklingenden Becken und einer aufbauenden Zerstörung mal wieder richtig ins Zeug. Zuletzt erst gehört beim siebten Track des vergangenen Albums. Nicht für umsonst gehört er wohl zukünftig zu einen der besten Schlagezuger seiner Szene. Sein schnelles Spiel und seine krassen Wechsel lassen einfach keine Langeweile aufkommen und die Köpfe automatisch mit wippen. Das sechste Stück der Platte ist für mich das Sahnestück, eine Melodie welche prägend in den Ohren bleibt, schnelle Riffs, und ein Schlagzeug was an Blast Beats kaum zu übertreffen ist, machen das Album zu einem Ganzen.

Auf diverse Klischees wie Satan oder gestürzte Kreuze, muss man bei dieser Band verzichten. So wie MGLA ihre Musik auf der Bühne bei Liveauftritten präsentieren und als einzelne Menschen hinter einer schwarzen Hülle verschwinden so steht bei diesem Album ein gesamtes Konzept im Vordergrund und nicht der einzelne Song. Wie schon am Anfang beschrieben ist auch dieses Album ein Ritual, welches von Anfang bis Ende durchgezogen wird. Was wichtig ist, da das Album aufeinander aufbaut und auch wie schon bei der vorhergehenden Platte keine einzelnen Songnamen existieren, sondern lediglich von I bis VI durchnummeriert wird.

„Nicht für umsonst wäre Nietzsche Mgla-Fan gewesen!“ (Der Dunkle Parabelritter)

Mit dem dritten Album spielt die Band in einer hohen Liga, was einen kommerziellen Erfolg mit sich ziehen kann. Auch mit der geplanten Tour im Herbst 2016, wo MGLA mit Behemoth und Secrets oft he Moon auf Tour gehen, beweist die Band wiedermal, dass sie auch mit den großen Truppen der Szene mithalten können.

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Ob das den Fans des Underground gefällt oder irgendwann die Musik kommerziell für die breite Masse geschaffen wird, ist fraglich. Ich denke ich spreche für die Fans, wenn ich sage, dass die Band ihrem einschlägigen Stil treu bleiben soll. Für mich ist es das Jahreshighlight 2015 im Bereich Black Metal und wer sie noch nicht kennt ist selber Schuld!

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6 Kommentare

  1. Julian
    22. Mai 2016 bei 21:28 — Antworten

    Polen gehört wohl zu den momentan stärksten Ländern, was Schwarzmetall angeht. Und Mgła zeigt das, wie El Zecho ja auch herausstellt, vorbildlich.
    Eingängige, atmosphärische, künstlerisch hochweritge und kreative Musik, exzellentes Drumming, Authentizität und jede Menge Stil.
    Und eine Tour von Behemoth und Mgła? Da muss ich hin!

  2. Seek3r1
    9. Mai 2016 bei 13:49 — Antworten

    Eigentlich war ich dem Black Metal immer eher negativer eingestellt und habe mich demnach länger nicht damit befasst. Erst als der geehrte Herr Parabelritter die eine oder andere Band gezeigt hat, dachte ich mir, dass ich doch einmal aus meiner Welt der Vorurteile gegenüber dem Black Metal ausbrechen sollte und auch mehr als nur einmal diverse Songs anhören sollte. Ursprünglich gefiel mir das Ganze rein musikalisch nicht sonderlich, jedoch wurde ich dann auf Mgla aufmerksam gemacht. Sie haben es geschafft, dass ich mich mehr und mehr mit dem BM beschäftige und immer mehr Gefallen an ihm finde. Deswegen würde ich sagen, dass „Exercises in Futility“ ein sehr gutes Einsteigeralbum für den BM ist, ohne dabei an Tiefe zu verlieren, denn sie schaffen es wirklich grandios, dieses Gefühl des Nihilismus rüberzubringen – textlich wie melodisch. Hut ab dafür!

    • Aggronorm
      9. Mai 2016 bei 19:41 — Antworten

      Geht mir ähnlich, fand BM Live immer ganz cool aber so zum hören irgendwie zu langweilig. Was sich mit Mgla nach einmaligem hören schlagartig geändert hat. Das Album läuft zur Zeit rauf und runter😊

    • Steve
      6. Juni 2016 bei 20:39 — Antworten

      Dem kann ich nur beipflichten ! Ebenfalls sehr zu empfehlen: „UADA – Devoid of Light“. Könnten die Brüder von Mgla sein ! Sowohl stilistisch, als auch Musikalisch. „Exercises in Futility“ ist auf jeden Fall eines der Besten Alben.

  3. Toni
    9. Mai 2016 bei 12:58 — Antworten

    Mgła.. Eine Band der Extreme.. Für mich die beste (osteuropäische) black metal band, mit dem für mich besten album des letzten Jahres, auf dem einer der besten drummer spielt die ich kenne.. Live: einfach großartig.. Gänsehaut !

  4. Tobias
    9. Mai 2016 bei 12:46 — Antworten

    einer meiner neuen favo bands 🙂

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