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Negativität und ewig währende Schwärze. ÅND – „Aeternus“

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ÅND – Aeternus
Veröffentlichungsdatum: 04.11.2016
Dauer: 25:56 Min.
Label: This Charming Man Records

Bei ÅND handelt es sich um eine junge Band aus Berlin, die sich erst 2015 gründete und Post Black Metal spielt. Aufmerksam wurde ich auf die vier Jungs aus der Hauptstadt anfang diesen Jahres auf einem kleinen Konzert in Leipzig. Seitdem erwarte ich sehnsüchtig das Debütalbum, welches nun anfang November erscheinen wird. Im Vorfeld gab es nur einen Song zu hören, der, zumindest bei mir, deutlich Lust auf mehr gemacht hat.

Wer nun gedacht hat, dass der Vorabtrack „Schatten“ die einzig relevante Marschroute für „Aeternus“ vorzugeben gedachte, der täuscht! Sehr viel facettenreicher arbeiten sich ÅND durch die Boxen und in die Gehörgänge. Angenehm atmosphärisch und dennoch komplex beginnt das Album und arbeitet sich immer weiter in den Abgrund vor.

Schon bei dem Opener „Auferstehung“, der zwar recht zahm, aber klirrend kalt beginnt, fallen die eigenwilligen Gitarrenlinien auf. Diese erinnern mitunter an DEATHSPELL OMEGA und pendeln permanent zwischen Konsonanz und Dissonanz, wobei sie stets nachvollziehbar bleiben. Selbst zieht die Band Vergleiche zu TERRA TENEBROSA und (späten!) ALTAR OF PLAGUES, was ich nur untermauern kann.

Die Produktion, die im Hidden Planet Studio in der Hauptstadt stattfand, ist angemessen schwarzmetallisch und dennoch schön differenziert. Die Instrumente lassen einander Raum, was der Gesamtstimmung nur zuträglich ist. ÅND haben ein Faible für Dissonanzen, wobei sie glücklicherweise weder die Notwendigkeit verspüren, ununterbrochen zu lärmen, noch alles mit Blastbeats vollzupflastern.

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Der Grundgedanke soll bei der Gründung der Band gewesen sein, etwas zu schaffen, was gleichermaßen von Punk und Black Metal beeinflusst ist.

Tatsächlich merkt man den Punkeinfluss wohl am ehesten bei der geringen Länge der Songs, die sich zwischen 3 und 4,5 Minuten befinden. Keine Ahnung, ob in diesen Dimensionen der Begriff „Post“ noch gerechtfertigt ist, aufgrund der Stimmung ist er es auf jeden Fall. Wunderschöne Momente, wie in „Verstoßene“, blitzen auf, und könnten für mich ruhig noch eine Viertelstunde länger andauern, tun sie aber nicht. Stattdessen wird man kurz darauf wieder zurück in die Schwärze gerissen. ÅND wissen definitiv, wie man Dynamik aufbaut und die Songs interessant hält. Somit sind die Songs nicht nur kurz, sondern auch kurzweilig, was die ohnehin knapp bemessene Spielzeit von 26 Minuten noch schneller vergehen lässt. Hier geschieht in dreieinhalb Minuten mehr, als bei manch anderen Black Metal-Bands auf Albumlänge. Wobei man hier klar differenzieren muss. ÅND sind Post Black Metal, ohne sich dafür viel Zeit nehmen zu müssen.

Einzig aus dem psychotischen Ambientstück „Dämmerung“ werde ich nicht so recht schlau. Blickt man auf die Länge, so haben wir es hier mit einem vollwertigen Song zu tun. Eine Notwendigkeit für ein Zwischenspiel verspüre ich jedoch zu keinem Zeitpunkt des Albums. Wer weiß. Vielleicht haben ÅND auch einfach Bock auf Ambient, bei Kollegen wie ANCST funktioniert das ja auch.

ÅND legen ein starkes Debütalbum hin, das interessanten, facettenreichen Black Metal fernab ausgelutschter Standards und Gesichtslosigkeit bietet und damit deutlich Lust auf mehr macht!
Eine Veröffentlichung, die allen Leuten gefallen dürfte, die Profound Lore und Debemur Morti zu ihren Lieblingslabels zählen.

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Bild mit freundlicher Genehmigung von Henriette Brune

Autorenbewertung

7
ÅND haben eine erfrischende Vorstellung davon, wie Black Metal anno 2016 zu klingen hat und wissen diese auf „Aeternus“ gekonnt umzusetzen. Mit dem Ambienttrack werde ich auf Dauer nicht wirklich warm, ansonsten bleibt ein starkes, wenn auch recht kurzes Debüt einer Band, von der hoffentlich noch einiges kommen wird. Sieben Punkte, mit deutlicher Tendenz nach oben!
ø 0 / 5 bei 0 Benutzerbewertungen
7 / 10 Punkten

Vorteile

+ starke, dynamische, facettenreiche Songs
+ keine Langeweile, keine Durchhänger
+ guter, passender Sound

Nachteile

- geringe Länge
- gewöhnungsbedürftiges Ambientstück

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1 Kommentar

  1. […] der Berliner Black Metal-Band ÅND, die mit ihrem ersten Album „Aeternus“ nicht nur bei mir einiges an positivem Eindruck hinterlassen konnten. Grund genug, um den Jungs aus der Hauptstadt […]

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