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Pain – ein Arsch voll Schmerz

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PAIN – Coming Home
Veröffentlichungsdatum: 09.09.2016
Dauer: ca. 45 Min.
Label: Nuclear Blast
Stil: Avantgarde Industrial Metal

„That’s me, designed to piss you off!“

Jaja, wir hatten versprochen, dass wir total objektiv und rational an unsere Artikel und die Berichterstattung herangehen und die klumpigen Schleimstückchen, die wir aus Versehen (!) mal über gewisse Bands verschüttet hatten, in Zukunft bei uns behalten. Aber hey, hier geht es um den Bewahrer der Augenringe, den Mastermind von HYPOCRISY und PAIN, den Begründer der legendären Abyss-Studios, den Produzenten von DIMMU BORGIR, IMMORTAL, MARDUK, OLD MAN’S CHILD, CRADLE OF FILTH, SABATON und, und, und …

Mimimimi, alles diese Kommerz-Bands, Verrat am Metal, untrver Mist, Ausverkauf! Das ist natürlich Ansichtssache. Der eine mag es roh und scheppernd, der andere klar und differenziert produziert. Ich bin Freund von Letzterem, da ich als Musikliebhaber in meinem Klangkuchen jedes noch so kleine Notenkrümel sehen und schmecken möchte.

Und Tägtgren kann das? Ja, man! Obwohl ich „Coming Home“ jetzt nicht unbedingt als DAS PAIN-Album schlechthin bezeichnen würde, hat Tägtgren anscheinend seinen Groove gefunden, welchen er sich schon auf „You Only Live Twice“ und „Cynic Paradise“ zurechtlegte. Klar findest du viele, also sehr viele, Anleihen an diese, seine älteren und kommerziell erfolgreichen Alben, was mir doch ein wenig „Pain in the Ass“ beschert. Aber „Coming Home“ möchte mehr als ein Mal gehört werden, was, wenn ich „Call Me“ (welches ohne Gastsänger Joakim Brodén von SABATON so geil sein könnte) erstmal weiter skippe, mir „Black Knight Satallite“ und der Titelsong „Coming Home“ (mit Peters Sohn Sebastian an den Drums) in bombast-grooviger, bzw. nachdenklich-hymnischer Art und Weise zu verstehen geben.

pain3
Artwork by Stefan Heilemann

Tägtgren ist Perfektionist an jeder Front und anscheinend in jeder Lebenslage. „Absinthe-Phoenix Rising“ erzählt da eine kleine Geschichte über einen Vorfall vor einer Leipziger Absinth-Bar, welche wohl in einem Handgemenge zu Ungunsten der angesäuselten Skandinavien-Fraktion endete. Cool, da kann man ja mal nen Song daraus machen. Kann man, hat auch gut geklappt! Dass der „alte“ Schwede auch ein Faible für 70er/80er-Jahre Rockmusik hat, zeigte er verschmitzt mit seinem Cover zu „Here Is The News“ vom ELECTRIC LIGHT ORCHESTRA. Nein, der Song ist nicht hier drauf. Da ELO aber damals schon Rock mit spektakulären Orchesterparts kombinierten und Tägtgren diese Passion schon seit Jahren auslebt, gehört das einfach mal hier erwähnt. Denn wenn der Kenner seine Lauscher mal richtig auf Empfang stellt, wird er auf „Coming Home“ so viele fein ausgearbeitete Nuancen im Orchestersound hören, dass ihm das Grinsen nur mit der flachen Hand aus dem Gesicht gewaschen werden kann.

Dass HYPOCRISY und PAIN nichts, aber auch gar nichts miteinander zu tun haben, sollte sich mittlerweile auch leidlich rumgesprochen haben, von daher spare ich mir die Vergleiche. Zumal mir Peter vor Jahren erzählte, dass ihn die ständigen Vergleiche zwar gehörig auf den Sack gehen, er es aber recht spannend findet, wie viele gestandene Death Metaller sich mittlerweile auch für PAIN interessieren. Auf die Frage, ob es an seiner Person liegen könnte, schob er nachdenklich sein Tabakkissen von der einen in die andere Mundhälfte und sagte schließlich:

„Fuck me sideways, I am not a fuckin´ Rockstar. I’m a musician!“

PAIN online:
www.painworldwide.com
www.facebook.com/officialpain
www.nuclearblast.de/pain

Zusammenfassung
Veröffentlicht

Autorenbewertung

8
Als Songschreiber für 2 Bands, Vollzeit-Produzent und Multi-Instrumentalist hat Tägtgren nicht viel Langeweile. Diese kommt bei "Coming Home" erstaunlicherweise auch nicht auf, obwohl sich die Zutaten zum Endprodukt seit Jahren nicht verändert haben und sein Arbeitspensum enorm sein muss. Ja, es ist ein "typisches" PAIN-Album. Und ja, es groovt und drückt wie Bolle. Ich hätte mir allerdings ein wenig mehr, wie soll ich sagen, unkonventionelleres und weniger vorhersehbareres Songwriting mit mehr Mut (oder Zeit!) gewünscht.
ø 4.7 / 5 bei 1 Benutzerbewertungen
8 / 10 Punkten

Vorteile

+ Gesamteindruck
+ Groove
+ Produktion natürlich

Nachteile

- zu wenig Experimente
- Joakim Brodén

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