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Paleface Swiss Live-Review: Wenn Schweizer Käse auf musikalische Können trifft

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Erstens: Es kommt immer anders und zweitens: als man denkt! Am 27.1.2026 verschlug es mich ausnahmsweise in die Tonhalle nach München – mitten in eines der interessantesten Viertel, die die Stadt zu bieten hat: das Werksviertel. Ein Quartier, in dem Kunst, Kultur, Arbeiten und Leben Hand in Hand gehen. Und während auf einem der Dächer Schafe grasten (die ich direkt von meinem Hotelzimmer aus sehen konnte), spielten in der Tonhalle gleich nebenan PALEFACE SWISS. Mit dabei: ihre Freunde von STICK TO YOUR GUNS und die Briten von STATIC DRESS.

Ursprünglich wollte ich die Show in Oberhausen besuchen – ja und , im Nachgang habe ich viel FOMO – denn natürlich habe ich die Fotos und Videos meiner Fotograben-Mitstreiter gesehen. Aufgrund einer Dienstreise musste ich aber ohnehin „ins Ausland“ und das Ruhrgebiet verlassen. Also habe ich die Akkreditierung kurzerhand geändert und die Tonhalle in mein Repertoire aufgenommen. Keine schlechte Entscheidung, wie sich herausstellen sollte.

Schon bei der Ankunft, auf der Suche nach etwas Essbarem, konnte ich von draußen den Soundcheck hören. Kurios: ein Fandom, das ich so aus der Szene im Ruhrpott nicht kenne, eher wie bei Taylor Swift. Knapp drei Stunden vor der Show stand schon eine Traube von Menschen mit Schildern in der Kälte und rief hier und da nach Zelli. Weird, aber hey: Solange es euch Freude macht – packt euch wenigstens warm ein! 

Static Dress – Gute Crowd-Dynamik, aber nicht mein Fall

Jap – ich fange ganz ehrlich und straight an. Musikalisch waren die Briten für mich persönlich kein Volltreffer, der hohe Emo-Gesang ist einfach nicht meins. Die Crowd feierte sie trotzdem, die Hütte brodelte bereits. Licht und Dynamik auf der Bühne funktionierten, das Spiel mit Schatten und Effekten war nett.

Was mir im Kopf blieb: die Entscheidung, keine Fotograf*innen in den Fotograben zu lassen. Für mich ein klarer Minuspunkt, denn Musikjournalismus ist Kulturjournalismus. DIY-Online-Zines füllen die Lücke, dokumentieren die Szene, geben Reichweite – ob Bands nun für 10.000 Handys performen wollen oder lieber mit der Crowd connecten, ist eine Bandentscheidung. Für mich gab das aber einen miesen Beigeschmack – aber hey. Vielleicht sind „Konzertfotos“ auch einfach nicht Kunst genug *hust*

Stick To Your Guns heizen der Halle ein

STICK TO YOUR GUNS betraten die Bühne, und die Halle war sofort on fire. Jesse Barnett (Vocals), Chris Rawson und Josh James (Gitarren), Andrew Rose (Bass) und George Schmitz (Drums) hatten die Crowd sofort im Griff – wie immer. 

Immer wieder öffneten neue Moshpits – zwischendurch fiel mir jemand vor die Füße, aber natürliche bildete sich direkt eine Traube, um die Person wieder hochzuziehen – das funktionierte hier genauso tip top wie im Pott.

Die Lichttechnik war hier leider eher standardmäßig, aber ok–  aber schade (Side-Eye nach Oberhausen, wo man für den ÖR alles aufgefahren hat). Dennoch: Jesse hielt die Energie,  während die Gitarrenfront für die nötige Wucht sorgte und Andrew gemeinsam mit George gewaltig den Druck hielt. 

Man merkte, dass die Band die Leute liest und auf sie reagiert. Keine Show, kein Kalkül, einfach Hardcore, der funktioniert – die Fans mittendrin, die Band vorne, alles andere egal.

 

Setlist:

  • Diamond
  • What Choice Did You Give Us?
  • Such Pain
  • Invisible Rain
  • Married to the Noise
  • Nothing You Can Do to Me
  • More Than a Witness
  • Keep Planting Flowers
  • Spineless
  • Amber
  • Against Them All
  • Nobody

PALEFACE SWISS – Weniger Cave-Man, aber immer noch wütend!

Endlich: PALEFACE SWISS. Marc „Zelli“ Zellweger (Vocals), welcher vor der Halle ja bereits dringlichst erwartet wurde, Yannick Lehmann (Gitarre), Tommy Lee (Bass) und Cassiano „Cassi“ Toma (Drums) präsentierten Songs vom aktuellen Album „Cursed“ (2025) und der neuen EP „The Wilted“ (2026). Beide Tonträger sind tragend für die neue Richtung, welche die Schweizer Hardcore-Garde jüngst einschlagen hat. Mit den neuen Veröffentlichungen bewegt die Band sich deutlich weg von ihren Beatdown ursprüngen: musikalisch deutlich weiter und emotionaler, zeigen die vier Käse-Happen, dass sie mehr können, als nur knüppeln – und genau das demonstrierten sie auch live in der Tonhalle. Songs wie „Let Me Sleep“ und „Everything Is Fine“ strahlten diese emotionale Bandbreite aus, während „Instrument Of War“ zusammen mit STICK TO YOUR GUNS ein echtes Highlight wurde. Die Band ist besser als je zuvor – und immer noch wütend. 

Neben der durchweg überzeugenden Performance lag den Jungs von PALEFACE SWISS allerdings ein weiteres Thema sehr am Herzen: Käse. Von Fondue bis Raclette, Schweizer Käse – scheinbar am Vorabend ordentlich gegessen – war jede Menge Erwähnungen wert. 

 

Setlist:

  • I Am a Cursed One
  • Hatred
  • …and with hope you’ll be damned
  • Nail to the Tooth
  • Withering Flower
  • Best Before: Death
  • The Orphan
  • Everything Is Fine
  • The Rats
  • Enough?
  • The Gallow
  • My Blood on Your Hands
  • Let Me Sleep
  • River of Sorrows
  • instrument of war
  • Love Burns
  • Please End Me

Friendship beyond borders

Besondere Momente: Tourmanager Ron, oder das heimliche,  fünfte Bandmitglied, hatte bekanntermaßen eine tragende Rolle bei der Überarbeitung von River Of Sorrows“.  Bei der akustischen Live-Darbietung des Songs, durfte er entsprechen nicht fehlen und ich würde behaupten, dass ich selten sowas emotionales live gesehen habe. 

Auch die enge Freundschaft zu STICK TO YOUR GUNS war deutlich spürbar. „Instrument Of War“ gemeinsam live zu spielen war natürlich Pflicht – kein Feature, sondern echte Kollaboration. Jesse und Zelli auf der Bühne, die Crowd am Kochen – Crowdsurfer um Crowdsurfer – DA KANN MAN NICHT MECKERN!

Pyro, Lichtshow und geballte Breakdowns kombiniert mit den charmanten Käse-Momenten – brutal, witzig, emotional, und eine perfekte Demonstration dessen, wohin die Band aktuell musikalisch steuert. I like very much. Definitiv Jay approved und so warte ich nun sehnlichst darauf, PALEFACE SWISS hoffentlich schon bald wieder live sehen zu können. 


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