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Pokémon Go war gestern!

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Na? Wen hats hier auch erwischt? Hand aufs Herz: Wer ist hier noch so am Absuchten und fängt Pokémon? Auch wenn ich dafür schon die eine oder andere verbale Ohrfeige kassiert habe: Ich feire den Rotz ohne Ende! Zwar zocke ichs vergleichsweise inkonsequent und eher selten, aber Pokémon Go ist schon ’ne ziemlich witzige Angelegenheit, wenngleich auch ziemlich vereinnahmend, wenn man sich darauf einlässt.

Ich muss sagen, ich verstehe wenn es Leuten, die es nicht zocken wollen, auf den Sack geht, mit kleinen Viechern zugespamt zu werden. Wenn man mit den kleinen (und auch großen) Monstern nichts in Verbindung bringen kann, keine Assoziationen mit ihnen verknüpft, will man bloß seine Ruhe! Was interessiert es mich da, ob jemand ’n scheiß Onix in der Pestalozzistraße gefangen hat!?

Und irgendwie erinnert man sich durch dieses neue – private Nutzerdaten klauende – Handy-Game an diese Zeiten zurück.

Ich bin jedoch ein Kind der 90er. Als ich in die Grundschule ging, war nichts so angesagt, wie Pokèmon-Karten zu tauschen oder die entsprechenden Gameboy-Spiele zu „entdecken“. Und die Spiele waren der Wahnsinn! Was habe ich die Kristall-Edition geliebt! Und irgendwie erinnert man sich durch dieses neue – private Nutzerdaten klauende – Handy-Game an diese Zeiten zurück. Und das tut man gern – ich zumindest.

Warum sollte soetwas nicht mit Musik klappen?

Wenn ich also mal wieder Merch bestellt habe und der Postbote mich nicht angetroffen hat, nehme ich den Fußbus, hole mein Paket von der Post ab und lasse nebenbei Pokémon Go laufen. Und die Verbindung von Merchandise und Pokémon Go hat mich auf eine Idee gebracht. Das Game ist in meinen Augen eine Art Geocaching mit sowohl mobilen als auch festen Zielpunkten. Warum sollte so etwas nicht mit Musik klappen?

Pokémon Go_2

Die Idee ist natürlich nur ein Hirngespinst, aber ab und zu verfalle ich in eine Schreckstarre der geistigen Umnachtung, und dann fällt mir solch ein Dünnschiss ein. Spinnen wir diese Idee doch einfach mal etwas durch. Als allererstes erstellt man sich einen Avatar – allerdings keinen Pokemon-Trainer, sondern so ’nen Typen mit ordentlich Zotteln auf der Platte. Man nehme anschließend die Funktionsweise dieses Spiels an sich und tausche als erstes die Pokébälle des Spielers, oder der Spielerin (… das kann man durchaus falsch vertehen, wenn man möchte), gegen leere Jewelcases bzw. einfache leere CD-Hüllen aus.

Im nächsten Schritt müssen außerdem die Pokémon gegen Musikwerke ausgetauscht werden, sodass man am Ende mit der leeren CD-Hülle ein „wildes“ Album, eine EP oder ein Demo fangen kann. Jetzt stellt sich nur die Frage: Woher die Musik? Hierfür könnten Solo-Künstler und Bands ihre Musik dem Game und dem Spieler zum Download oder Stream zur Verfügung stellen, wenn sie möchte (das heißt also, es kooperiert lediglich die Kapelle, die den Willen hat, dies zu tun), sodass dem Avatar, voller Durst, neue Musik zu entdecken, nichts mehr im Wege steht und er voller Inbrunst rufen kann: „Jewelcase, loooos!“

Nun begibt man sich nach draußen in die große, weite Welt um Tonträger zu entdecken und mit der Leerhülle „einzufangen“. Damit der Spieler ein wenig Unterstützung erhält, wird nicht, wie bei Pokémon Go, in der rechten unteren Ecke angezeigt, welche Monster sich in der Nähe umherbewegen, sondern es werden die Cover der Werke aufgeführt, die sich in der Nähe befinden. Also wird man auch hier nun etwas geduldig sein und suchen müssen, bis man schließlich fündig wird.

Der Spieler kann sich ein Stück einverleiben, auf das er in eigener Recherche nie gestoßen wäre.

Wurde das Werk mithilfe eines Jewelcases erfolgreich „eingefangen“, gibt es neue Musik auf die Ohren. Man erhält eben einen Download-Link (oder dergleichen) und kann sich so das eine oder andere Stück einverleiben, auf das man in eigener Recherche vielleicht nie gestoßen wäre. Der Spieler hat also neben dem Spaß an der Freude auch die Möglichkeit, vielleicht hier und da noch eine Perle der handgemachten Musik zu entdecken, die ihn total anspricht. Auch für die Musiker eröffnet sich eine neue Pforte, denn durch das Game an sich haben die Werke eine viel größere Reichweite, als es eine lediglich lokal bekannte Band aus eigener Kraft erreichen könnte (zumindest würde das in der Regel so sein).

Pokemon Go_3

Natürlich können nicht nur die „kleineren“ Bands dem Game beitreten, es dürfen auch gern bekannte Horden mitmischen. In diesem Fall wäre eine Art Special angebracht, sei es beispielsweise, dass Werke eher bekannter Bands lediglich in ihrer Heimatstadt zu „fangen“ sind, und nirgends anders auf der Erde.

Bei Pokémon Go gibt es sogenannte Pokéstops, an denen ein Trainer mit Tränken, Pokébällen und diversen anderen Items versorgt wird. So viel Klimbim braucht unser Metalhead-Avatar nicht, dieser kann stattdessen an verschiedenen Orten der Erde seinen Stand an Leerhüllen auffüllen, um weitere Platten „einfangen“ zu können, andere Items werden nicht benötigt … außer vielleicht Bier, aber das schmeckt dann vielleicht doch besser, wenn wir uns das im Real Life in unsere formschönen Kadaver kippen.

Weiterhin ist es bei Pokémon Go nötig, ab einer bestimmten Spielstufe einem von drei verschiedenen Teams beizutreten, das er mit seinen trainierten Monstern vertritt. In unserem neuen Game darf der Spieler dann stattdessen sein Lieblingsgenre im Bereich Metal wählen (beispielsweise Black Metal), anschließend tauchen dann vor allem Werke des gewählten Genres in freier Wildbahn auf, die man sich unter den Nagel reißen kann.

Und so könnte man noch über viele weitere Einzelheiten fantasieren… Ich wäre insgesamt echt gespannt, ob die Spieler und auch die Bands Freude daran hätten. Super wäre es vor allem dann, wenn es auch den kleineren lokalen Bands dazu verhilft, mit ihrer Musik, hinter der oftmals auch viele Stunden Arbeit stecken, das eine oder andere Ohr mehr zu erreichen und auf sich aufmerksam zu machen – wenn auch vorerst nur in digitaler Form.

Natürlich bin ich der Meinung, dass es einfach viel schöner ist, eine Platte, die man sehr mag, auch physisch zu besitzen, in der Hand zu halten, sich mit dem Artwork und Booklet zu beschäftigen etc., dieses Konzept ist ja auch nur spaßig gemeint. Es passieren ja aber manchmal gerade dann die tollsten Dinge, wenn man spontanen Hirngespinsten etwas Farbe verleiht. Ich hätte wahrscheinlich großen Spaß daran, ein solches Spiel mal anzutesten. Allerdings hat es ja auch etwas Gutes, dass dieses Game nicht existiert: So ist man vielleicht doch ein klein wenig handyfreier unterwegs und bekommt von dem bereits genannten Real Life sogar noch etwas mit.

Bilder mit freundlicher Genehmigung von Pokèmon Go und Pokémon Go

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3 Kommentare

  1. Fyarus
    21. August 2016 bei 12:30 — Antworten

    Die Idee an sich fänd ich ziemlich gut, vor allen Dingen, weil sich dadurch kleinere Bands etablieren könnten. Verfolg den Vorschlag mal weiter, vielleicht wird ja was draus… 😉 Ich würd mich freuen! Meine Unterstützung haste schon mal 🙂

  2. Suoy
    31. Juli 2016 bei 22:55 — Antworten

    Schöne Idee, nur die Umsetzung kannst du vergeßen.
    Du bräuchtest brauchbare große Datencentren mit hoher Bandbreite die durch freie Künstler finanziert werden sollen… Allein schon durch diesen Trend würden durch das schnelle ableben des vorherigen Projekts PokeGo große Plattenfirmen garnicht erst drauf eingehen (sie machen so oder so keinen Gewinn/Werbung)

    Mit einer Karte wäre Ich ganz ok. Apropox… Gibt es eine Karte in der man sich als Metalhead eintragen kann um andere Metalische Genoßen in seiner nähe zu finden. Genau wie mit den Festivals und Kneipen die sich dort eintragen könnten… Wäre doch ein nettes Google Custom Maps Projekt?

  3. 31. Juli 2016 bei 13:10 — Antworten

    Das game würde mich auch interessieren, ich würde sogar anstatt den pokeshops eine Tausch Plattform anbieten.
    Darin könnte man die Songs weggeben die man nicht mag, dafür gibt es dann wieder leerhüllen und dort kann man auch mehr Songs kaufen, von den Bands die man schon gefangen hat.
    Sei es digital oder direkt die Scheiben.

    Jedoch bin ich der Meinung das von allen Bands, deren Songs irgendwo auftauchen sollten. Nicht Ortsgebunden. Somit könnten lokale Bands die ein paar Songs anbieten weltweit verteilt werden können um so noch schneller bekannt zu werden.

    Die großen bekannten Bands sollten nicht so oft auftauchen um ein Seltenheitswert zu bekommen.

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