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Progressive Urgewalt in Dresden – Enslaved und Gäste

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Vergangenen Donnerstag (10.11.16) luden die Norweger von ENSLAVED zu ihrem 25-jährigen Bandjubiläum in den Dresdener Club Beatpol ein. Mit dabei: die texanischen „Newcomer“ von OCEANS OF SLUMBER und die australischen Senkrechtstarter von NE OBLIVISCARIS. Dieses Package versprach im Vorfeld einen Abend voller guter, progressiver und extremer Metalmusik. Ob sich dieses Potenzial in der Durchführung entfalten konnte, schildere ich aus meiner Sicht.

Gegen halb acht trudel ich im Beatpol, gelegen im alten Dorfkern Briesnitz in Dresden, ein. Rund 30 Besucher sind bis dahin anwesend und ich bin ein wenig ernüchtert aufgrund der geringen Besucherzahl. Dies soll sich jedoch spätestens ab dem offiziellen Beginn deutlich ändern, sodass das Konzert speziell für unter der Woche sehr ordentlich besucht ist. Nach einem kurzen Plausch mit dem Gitarristen von NE OBLIVISCARIS und dem Besuch an den Merch-Ständen der Bands, entdecke ich meine Konzertverabredungen und pünktlich um 20 Uhr stehen OCEANS OF SLUMBER auf den Brettern.

 

OCEANS OF SLUMBER

Die Texaner um die charismatische Frontfrau Cammie Gilbert legen zunächst sehr ruhig und bedächtig los. Hier kommt sofort der gute und herrlich warme Klargesang der Sängerin zum Tragen, der mich stellenweise ein wenig an Marta von TODTGELICHTER erinnert. Musikalisch haben diese Bands jedoch wenig gemein und OCEANS OF SLUMBER bieten in der guten halben Stunde ihrer Performance sehr dynamische Songs, die einmal ruhig verträumt, mal stampfend doomig (inkl. CANDLEMASS Cover „Solitude“) und, wenn auch selten, rasend sind. Was sofort auffällt ist das handwerkliche Können der Musiker, doch ich muss zugeben, dass sich mir die Songs im Livekontext noch nicht wirklich erschließen. Die Band erntet jedoch nach jedem Song einen amtlichen Applaus und so wird dieser kurze Auftritt zu einem guten Einstieg in den Musikabend.

 

NE OBLIVISCARIS

Nun folgt für mich das persönliche Highlight des Line-Ups. So habe ich doch endlich einmal die Gelegenheit, NE OBLIVISCARIS live zu sehen. Deren Alben „Portal of I“ und „Citadel“ rotieren regelmäßig bei mir im Spieler und ihre Mischung aus sphärischen Parts, extremem Metal und hoher spielerischer Klasse plus Geigenspiel hat mich bis jetzt jedes Mal in Verzückung versetzt. Und dieser Eindruck sollte sich auch in der Liveversion bestätigen.

Die 6 Australier starten ihr Set mit „Devour me Colossus (Part 1): Blackholes“ und rasen sofort mit unglaublicher Energie voran. Der Sound ist gut und es ist beachtlich zu beobachten, mit welcher sichtlichen Leichtigkeit die Jungs ihre anspruchsvollen Klänge in die Menge feuern. Diese Leistung wird durch wildes Headbangen der vordersten Reihen und lautstarkem Applaus quittiert. Clean-Sänger und Geiger Tim Charles leitet durch den Auftritt und bekundet immer wieder, wie schön es für die Band ist, die Songs live zu performen und in Kontakt mit ihren Fans zu treten. Diese sind, mich eingeschlossen, definitiv zahlreich vertreten und so wird der Gig, trotz sich mit der Zeit übersteuertem Sound, zum Selbstläufer. Insgesamt gibt es nur vier Songs zu hören, was jedoch nicht weiter ins Gewicht fällt, da diese eine Länge von 8-16 Minuten aufweisen. Speziell die Darbietung von „Painters of the Tempest (Part II). Triptych Lux“ beeindruckt mich. Es ist erstaunlich, wie unterhaltsam und schmissig so ein 16-Minuten-Monolith sein kann. Und dies vor allem auch im Livekontext. Zum Schluss gibt es natürlich noch den Bandklassiker „And Plague flowers the Kaleidoscope“ und viele Zuschauer sind definitiv sehr glücklich mit diesem starken Auftritt der Band. Ich bin gespannt, was von NE OBLIVISCARIS noch zu Hören sein wird, denn meiner bescheidenen Meinung nach sind dies extrem talentierte und passionierte Musiker.

 

ENSLAVED

 

 

Nach einer etwas längeren Umbaupause, die ich nutze um meine Kraftreserven mit einem wohltuenden Weizengetränk aufzutanken, starten die Headliner ENSLAVED in ihre Jubiläumsshow. „Roots of the Mountain“ vom 2012er Album „Riitiir“ eröffnet das Set und ich kann mir schwerlich einen besseren Opener für diese Band vorstellen, enthält er doch alle Stilelemente, welche diese legendäre Band auszeichnet. Egal ob straight skandinavisches Gepolter oder schon fast bluesige Verspieltheit – hier kommt alles zu einer wohligen Melange zusammen. Shouter und Bassist Grutle peitscht die Menge mit seinem markanten Schreien und Geknurre ein. Die gesamte Band performte und poste (!) routiniert und war exakt aufeinander eingespielt. Zwischen den Stücken wird viel mit dem Publikum kommuniziert und es entsteht der Eindruck, dass die Norweger sehr sympathische Zeitgenossen sind. Herrlich die Szene, in der Grutle das Publikum auffordert, anlässlich des Bandjubiläums, ein landestypisches Geburtstagslied anzustimmen und auf einmal „Happy Birthday“ durch das Publikum schallt. Ich nehms mit Humor, gerade deshalb, da auch ich einige Sekunden lang überlegen muss, was es für deutschsprachige Geburtstagsständchen gibt. Definitiv einen Lacher wert!

Im Laufe des Sets werden überwiegend Songs der aktuelleren Bandphase gespielt, wie etwa „The Watcher“, „Building with Fire“ von der aktuellen „In Times“-Platte oder der Titeltrack vom 2006er Album „Ruun“. Jedoch kommt auch die klassische (black-)metallige Vergangenheit nicht zu kurz und die Performance des „Frost“-Klassikers „Fenris“ knallte extrem tight und gnadenlos in die Menge. Das ist mein persönliches Highlight des Sets, da das Album „Frost“ zu meinen Favoriten im paganen (Black) Metal zählt. Nostalgie im modernen Klanggewand.

Der Zugabenblock ist am Ende natürlich nur obligatorisch und wird sehr witzig von einem Drumsolo eröffnet, woraufhin sich Keyboarder und Clean-Sänger Herbrand Larsen einen Spaß mit Drummer Cato Bekkevold erlaubt, und ihn mitten im Spiel einfach ein Handtuch übers Gesicht legt. Und der Mann zieht es dennoch sehr gut durch. Respekt! Allgemein ist es schön anzusehen, dass die Musiker sichtlich Spaß auf der Bühne haben und ENSLAVED auch während der Show immer wieder den Kontakt mit dem Publikum suchen.

Der Oberknaller kommt am Ende, denn so wird der Uraltklassiker „Allfǫðr Oðinn“ angestimmt und nach wenigen Minuten betreten fast alle Mitglieder von OCEANS OF SLUMBER und NE OBLIVISCARIS die Bühne, da dies für beide Supportbands die letzte Show der Tour ist. Es wird überall wild geheadbangt, abgefeiert und sich manch ein Spaß gemacht, dass es eine helle Freude ist. Ein toller Abschluss für dieses extrem gute Tourpackage.

 

Fazit

Ich bin restlos begeistert. Zu kritisieren gibt es von meiner Seite, bis auf den leicht übersteuerten Sound, absolut nichts. Der Club ist angenehm und alle Bands performten stark und spielfreudig, und dies spiegelte sich definitiv in den Publikumsreaktionen wieder. Erstaunlich finde ich es, ehrlich gesagt, dass ENSLAVED – wenn mich nicht alles täuscht – das erste Mal in Dresden aufgespielt haben, doch leider finden im extremen Metalbereich, obwohl es solide Clubs wie etwa den Skullcrusher gibt, zu wenig gute Shows mit sowohl bekannten als auch Nachwuchsbands in der schönen Elbmetropole statt. Dementsprechend gilt es jene zu würdigen, die durchgeführt werden und dazu gehört dieses Tourpackage mit großer Sicherheit.

Ich verschwinde mit meinen Freunden hinaus in die Nacht und nehme mir einige schöne Erinnerungen an dieses Musikereignis mit nach Hause.

Auf bald!

(ANMERKUNG: Leider konnte ich keine Fotos machen und bin bis jetzt auch nicht in anderen Quellen fündig geworden. Deshalb verwende ich Bild- und Videomaterial von anderen Gigs der Tour.)

Bilder mit freundlicher Genehmigung von Artistpicturesblog.com. und Artistpicturesblog.com.

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4 Kommentare

  1. Oli
    15. November 2016 bei 12:29 — Antworten

    Ist nur meine Perspektive bzw. Wahrnehmung.
    Und wie gesagt, ich beziehe mich auf die Kombination von großen guten und kleinen guten Bands.
    Klar, quantitativ ist viel da, das sagt ja nur nix über die Qualität aus. Und da spreche ich natürlich auch nur vom extremen Metalbereich.

  2. Lodeschwein
    15. November 2016 bei 5:19 — Antworten

    Meinst du das im skullcrusher wenig Konzerte mit Nachwuchs Bands etc. sind ? Oder das es wenig Clubs wie den skullcrusher gibt wo genau das statt findet?

    • Oli
      15. November 2016 bei 6:52 — Antworten

      Keins von beiden, sondern die Kombination bei Konzertpackages von etablierten Namen und vielversprechenden Nachwuchsbands bzw. lokalere Acts.
      Das sehe ich im Bereich des extremen Metals im Raum Dresden nicht.

      • Lodenschwein
        15. November 2016 bei 8:26

        Versteh ich nicht, denn der skullcrusher macht doch genau das ! Mehrfach im Jahr!
        Ferner kann ich als metalhead in Dresden gefühlt jedes Wochenende auf Konzi gehen, zu großen und kleinen Bands!

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