Recycling für den guten Zweck

BOYSETSFIRE / WOLF DOWN – Benefiz Split 7Inch
Veröffentlichungsdatum: 17.06.2016
Dauer: 7:36 min
Label: END HIT RECORDS

Mit der Benefiz-Split EP von BOYSETSFIRE und WOLF DOWN haben wir zwei typische Hardcore Songs vor uns, die beide zwar bereits schon auf den neuesten Alben der Bands veröffentlicht waren, aber aus gutem Grund eine Neuauflage in EP-Form erhalten haben:

DIE BEIDEN SONGS SOLLEN, WIE IM HARDCORE GEWOHNT, AUF ÄUßERST WICHTIGE GESELLSCHAFTLICHE THEMEN AUFMERKSAM MACHEN, IN DIESEM FALL DAS SCHICKSAL LESBISCHER, SCHWULER, BISEXUELLER, TRANS*,  INTER* und QUEERER (LGBTI*Q) GEFLÜCHTETER IN BERLIN. DIE EINNAHMEN WERDEN DAHER AN DEN SCHWULENBERATUNG BERLIN e.V. GESPENDET, WOMIT DIE ARBEIT DES VEREINS GEWÜRDIGT WERDEN SOLL.

Jetzt wo wir die Motivation der Verwertung des nicht so alten Stoffes – BOYSETSFIREs s/t erschien letztes Jahr und WOLF DOWNs Incite & Conspire Anfang diesen Jahres – kennen, wollen wir uns auch mal musikalisch mit der kurzen EP befassen.
So fällt uns bei beiden Songs sofort ins Auge, dass sich die Stimmlagen beider Sänger sehr viel Eintönigkeit unterwerfen und Abwechslung beim Schreigesang genretypisch vernachlässigt wird.
Jedoch zeigen beide Nummern eindeutig, dass die Jungs bei
End Hit Records wissen wie man groovige Songs schreibt.


Äußerst eingängig ist dabei die ständig wiederholte Phrase
„Dig your grave“ – übrigens passend zum Songtitel – in BOYSETSFIREs Teil der EP.
Nicht nur die dünne Art der Vocals, sondern eben auch diese repetitive zweite Hälfte des Songs lassen vielleicht den einen oder anderen
Converge-Fan aufhorchen und man kriegt das Bild von angeketteten Mathcore-Veteranen, die nicht hundert Prozent geben dürfen und den NYC-Hardcore emulieren sollen, nicht mehr aus dem Kopf, da die Nummer von BOYSETSFIRE noch lange nicht den gleichen Punch hat.
Rifftechnisch bedienen die US-Amerikaner hier typische alte Hardcore-Rhythmen und Melodien, was keinesfalls schlecht ist und die eher die traditionelle Seite der Post-Hardcorer aufzeigt.

Nachdem „Dig your grave“ sein schnelles Ende gefunden hat, da es mit ungefähr 3 Minuten Spiellänge ganze 1:40 Minuten kürzer als WOLF DOWNs Anteil ist – der Grund dafür wird sich aber auch gleich aufklären – , wird dem Hörer schnell klar, dass er sich vom Moshpit fernhalten sollte.
Bei WOLF DOWN gibt es sofort mit tief gestimmten Gitarren und einer Menge „Gechugge“ aufs
Fressbrett, wenn man nicht bei 3 an der Bar am anderen Ende vom Club steht.
Die Vocals überzeugen hier mit tieferen Shouts als auf Song 1 und wirken direkt stärker abgemischt, aber nicht überbearbeitet, wie viele jetzt vielleicht vermuten werden.
Den Namen
„The Fortress“ hat der Song sich definitiv verdient, denn nun kommen wir zu dem was die Länge des Songs hier ausmacht: ausfallende, langsame und lange Breakdowns. Davon gibt es so viele, dass man gar nicht weiß ob man sie jetzt zählen sollte oder direkt als eine gesamte „Breakdown-Festung“, getreu dem Titel, auffassen soll.
Diese sind zwar definitiv auch für den ein oder anderen Breakdownpazifisten moshtauglich, übernehmen aber instrumental doch stark die Überhand. Das macht das Gesamtwerk nicht gerade musikalisch interessant und verlangsamt den Song bis zu einem eher unerwarteten Ende.
Wo viele jetzt wahrscheinlich nur das einfache Ausklingen der Gitarren mit viel Verzerrung erwarten, taucht aus dem Nichts ein Sample eines alten
Country-Songs auf und haut auch geübte Hörer wie mich, die zuvor bereits jeden einzelnen äußerst berechenbaren Breakdown erahnen konnten, vorerst aus der vorher aus Notizen zusammengebastelten Rezension heraus.

 

Autorenbewertung

7
Beide Bands haben sich hier solide neue Songs aus ihrem Repertoire ausgesucht und man kann bei typischen Hardcore-Nummern wie diesen nicht viel falsch machen. Die meisten Hardcore-Fans werden in den beiden Nummern altbekannte Klänge entdecken und sich vielleicht auch von dem sehr ungewöhnlichen Outro auf "The Fortress" oder den "mitschrei"-tauglichen Breakdowns und Gesängen beider Songs mitreißen lassen. Aber auch alle die, die des modernen Hardcore eher überschüssig sind oder noch nicht in Kontakt mit diesem gekommen sind, können der Benefiz-Split etwas abgewinnen und für den guten Zweck lohnt es sich allemal, wenn man mal rein hört.
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7 / 10 Punkten

Vorteile

für den guten Zweck
Aussagekräftig
moshtauglich + mitsingtauglich
eingängig, groovig
typischer Hardcore
interessantes Ende von Track 2
beide Songs unterscheiden sich ziemlich stark, obwohl sie genretechnisch weiter aneinander rücken als andere Songs beider Bands

Nachteile

nichts neues
alte Klischees und Instrumentalisierungen werden bedient
Screams auf "Dig your grave" gewöhnungsbedürftig
viele Breakdowns und Chugs in "The Fortress"

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