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Sammelbecken eines Genres? – ein Potpourri mit vielen Fragen

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SADDISCORE – Demons of the Earth
Veröffentlichungsdatum: 02.09.2016
Dauer: 42:47 Min.
Label: Boersma Records

 

Wenn ich ein Album höre, egal, ob zum ersten oder zum fünfzigsten Mal, dann am liebsten über gute Kopfhörer. So habe ich das Hörerlebnis einfach direkt und in gutem Sound, und kann mich voll darauf konzentrieren. Was mich bei „A Storm is coming”, dem ersten Song von SADDISCOREs Demons of the Earth”, anfangs aufhorchen ließ: ich dachte, meine Kopfhörer seien kaputt. Alles, was kam, war ein Klicken auf dem rechten Hörer. Oder? Moment, da kommt was! Das Quartett imitiert einen Sturm, indem sie den Song genauso aufbauen wie einen Sturm! Geil! Der Song stellt sich in seinem Verlauf als sehr abwechslungsreich dar. Mitsingparts im Piratenstyle im ersten Abschnitt, atmosphärisches Solo und abfuck-Teil im zweiten Abschnitt. Am Ende wieder Text. Das sind Einstiege in ein Album, wie ich sie mir wünsche!

Too far away“ zeigt dann stärker, wo die Band aus dem Kölner Raum ihre Wurzeln hat. Straight, klar gegliedert, stets nach vorne. MAIDEN und METALLICA hört man hier schon durch, genauso wie CREAM. Der breit gefächerte Einfluss der Band mag auch ein Resultat der weiten Altersspanne der Mitglieder sein. Man will nicht sagen, sowas sei untypisch, aber das macht diese Band auch interessant. Und es spiegelt sich in ihrer Musik wieder. Sowas finde ich sehr gut, hat man sonst ja oft Bands mit einem recht kompakten Altersrahmen und denselben 3-4 Bands in der Kategorie „persönlicher Einfluss“.

So entwickelt sich auch in den folgenden Songs ein Bild, welches eine Band zeigt, die seriös Musik macht, einen eigenen Sound hat und damit alte als auch neue „moderne“ Epochen bedient und abdeckt. Leider tun sich im Laufe des Albums auch Fragezeichen auf. „Ghost of Guilt“ zum Beispiel markiert zum einen einen ersten Einschnitt, und bildet zum anderen einen Gegenpol zu den bisherigen schnellen Nummern. Das ist gut, da so der Gesang mehr durchkommt. Dennoch, der Song weist auch Lücken auf. So, als fehle mittendrin etwas, wie schwarze Löcher in einem Bild. Auch das Ende ist dann ziemlich unspektakulär und uneindeutig. Schade, angefangen hat der Song nämlich wirklich gut.

„FSK“ bringt anschließend ein neues Element. Screams sind jetzt das Mittel der Wahl, der Song wirkt auch um einiges aufwendiger produziert als der vorherige. Hintergrundgeräusche inklusive Waffenlärm und Wilhelmsschrei. Ahja… Für mich ist das zwar witzig, aber eigentlich fast zu viel des Guten. Bisher fällt dieser Song ein wenig aus dem Gesamtkontext heraus.

Nach RAMMSTEIN-like kommt dann MAIDEN-like. Parallel laufende Gitarren, gepaart mit dreschendem Schlagzeug. Hier kommt mir die Frage, ob der Sänger eventuell versucht, einen Stil zu treffen, der nicht zu seiner Stimme passt. Möglicherweise auch eine Folge des stark ausgereizten Spektrums der Einflüsse. Zu viel wollen ist ab und an nicht unbedingt die beste Einstellung. Der Song an sich ist zwar kompositorisch ok, sticht aber auch nicht heraus. Auch textlich kommt hier, wie vorher schon, kein neues Wunderwerk des Genres.

Zum Ende hin, nach immerhin neun Songs, kann ich sagen: ich habe mich beim Einstieg in das Album echt gefreut. Das klang nach was, die Band kann ich weiterverfolgen. Dennoch stellte sich immer mehr Ernüchterung ein. Die Songs sind gut, gerade im melodischen Verlauf oft sehr interessant. Solche Aspekte, wie die Abstimmung von Rhythmus und Melodik, fällt mir oft besonders auf. Aber viele der Stücke auf „Demons of the Earth“ klingen oft ein wenig zu sehr wie am Reißbrett entstanden. Man hört den musikalischen Background mehr als denn die Probenraumsessions. Da ist zu viel Orientierung an bereits Vorhandenem statt Kreation von etwas Eigenem. Das ist wirklich schade. Immerhin gibt es die Band ja schon seit 2011. Aber weder thematisch noch musikalisch findet man bei ihr ein wirkliches Novum. Live sind sie bestimmt gut und können es da zu einer gewissen Größe schaffen. Aber um Einfluss zu nehmen und eine eigene „Marke“ setzen zu können, müssen sie noch an sich arbeiten. Vielleicht entstehen ja in Zukunft noch vermehrt eigene Ideen.

Autorenbewertung

5
SADDISCORE zeigen auf ihrem aktuellen Album, dass sie ein umfangreiches Spektrum an Wissen über die Geschichte und Bands des Metals besitzen. Genau das wird ihnen aber auch zum Verhängnis. Viele Songs scheinen zu verkopft, so als hätten sie versucht, möglichst viel in das Album reinzupacken. So ist das Feeling und ein eigener Sound ein Stück weit verloren gegangen. Einige Songs schienen auch noch nicht zu Ende gedacht, als sie aufgenommen wurden.
ø 0 / 5 bei 0 Benutzerbewertungen
5 / 10 Punkten

Vorteile

+ Produktion meist sehr gut
+ kompositorisch oft interessant

Nachteile

- zu viel auf einmal - was will die Band eigentlich?
- einige Songs ziemlich schwach komponiert
- trotz starkem Stilmix wenig Neues

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