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Schlaflieder und Blastbeats – Cepheide

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CEPHEIDE – „Respire“
Veröffentlichungsdatum: 14.7.2015
Dauer: 35:58
Label: Independent

Manchmal weiß man schon anhand des Covers einer Platte ziemlich genau, wie diese klingen wird. Das kann teils echt räudige Dimensionen annehmen, aber ich will mich hier jetzt mal auf die sonnigere Seite des Ganzen konzentrieren. Denn meine Entscheidung, mich zwischen diversen Promos erstmal für CEPHEIDE zu entscheiden, fiel tatsächlich aufgrund des Covers. Auf diesem sieht man: so gut wie nichts. Spektakulär, oder?
Das Cover von „Respire“ ist hauptsächlich schwarz. Das einzige bisschen Farbe, welches man wahrnehmen kann, scheint ein kosmischer Nebel zu sein.

Cepheide - Respire

 

Und auch die Musik CEPHEIDEs spielt hauptsächlich im Dunkeln.

Hier wird atmosphärischer Black Metal geboten, der von der Grundausrichtung her auch von nem depressiven Ein-Mann-Projekt stammen könnte, welcher die Stücke noch stilecht im elterlichen Keller mit Tapedeck aufgenommen und 20 Mal überspielt hat. Was bei den Franzosen jedoch den entscheidenden Unterschied darstellt, ist der Sound! CEPHEIDE haben ihre selbstproduzierte EP in ein überdurchschnittlich gutes Klanggewand hüllen können, besonders, wenn man sie mit anderen Untergrund Platten vergleicht, die in diesem Sektor so „produziert“ werden.

„Respire“ stellt die erste EP der 2013 gegründeten Band dar und besteht aus nur zwei Songs, die jedoch eine Spielzeit von knapp 36 Minuten erreichen. Besonders freut mich, dass hier alles Hand und Fuß hat. Die Songs sind lang, aber nicht langatmig, sind dynamisch, todtraurig, wunderschön, melancholisch, treibend, langsam, laut und ruhig und das in einer Art und Weise, die nicht künstlich zusammengefügt wirkt. Dieser Eindruck bestätigt sich spätestens nach den ersten 17 Minuten, als der erste Song „Le souffle brûlant de l’immaculé“ kurz leiser wird, um dann praktisch nahtlos in das zweite Stück „La chute d’une ombre“ überzugehen.

Diese Verknüpfung der beiden Stücke unterstreicht die Geschlossenheit der EP, und ist von der Idee her genauso banal wie effektiv. Wenn man schon nur zwei Songs rausbringt, dann dürfen die auch ruhig eine Bindung zueinander besitzen. Ein Gedanke, den sich die ein oder andere Band vielleicht auch zu Herzen nehmen sollte, um nicht nur lose zusammengefügtes Stückwerk zu produzieren.

„Respire“ kann fast als ein Werk in zwei Teilen wahrgenommen werden. Dabei kommt „Le souffle brûlant de l’immaculé“ etwas schneller auf den Punkt. „La chute d’une ombre“ hingegen startet sehr langsam als Ambientsong und mit spärlich eingesetzten, fast schon fröhlichen, Akkorden. Erst sieben Minuten später entlädt sich dann das Sperrfeuer. Die Stimmung wird dadurch aber nicht etwa zerrissen, sondern immer weiter aufgebaut.

„Respire“ bietet Musik, zu der sich sehr gut entspannen und einschlafen lässt, und das ist durchaus als Kompliment zu werten!

CEPHEIDE lassen sich Zeit, und das machen sie äußerst geschickt. Es entstehen keine Längen, denn konsequent wird Atmosphäre erschaffen. Diese erinnert mich abwechselnd an die letzte WOLVES IN THE THRONE ROOM „Celestite“, und an frühe AN AUTUMN FOR CRIPPLED CHILDREN. Sicher ließen sich noch tausende anderer Referenzen nennen, aber die Grundausrichtung sollte damit erstmal abgesteckt sein.

Angeblich ist das ursprüngliche Trio mittlerweile nur noch zu zweit. Ob und inwiefern dies Auswirkungen auf den Sound hat, bleibt abzuwarten. Jedoch bin ich darauf gespannt, was aus dem Hause CEPHEIDE noch so kommen mag. Einen soliden Grundstein haben sie mit „Respire“ definitiv gelegt!

 

Bandcamp

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Bild mit freundlicher Genehmigung von Cepheide

Autorenbewertung

7
CEPHEIDE stellen auf ihrer Debüt EP ihr Potential unter Beweis und legen damit einen sehr guten Start hin. Die stimmungsvollen Songs vereinen rasende Blastbeats, melancholische Melodien und Ambientklanglandschaften zu einem homogenen Werk, auf das hoffentlich bald ein komplettes Album folgen wird.
ø 4.6 / 5 bei 6 Benutzerbewertungen
7 / 10 Punkten

Vorteile

+ guter Sound
+ EP wirkt in sich geschlossen
+ gutes, dynamisches Songwriting

Nachteile

- noch wenig Alleinstellungspotential

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