Home»Lifestyle»Kolumnen»Senf der Woche #30 – VOLL KOMMERZ!!!

Senf der Woche #30 – VOLL KOMMERZ!!!

0
Shares
Pinterest Google+

Thema heute: Kommerz – was bedeutet das genau? Wo verläuft die Trennlinie zum (verdienten) Erfolg? Welche Bands sind dem Kommerz zum Opfer gefallen? Oder betrifft das Thema eher die Branche?

Jawoll, SILENCE goes cuisine! Wer seine Pommes nicht nur Schranke, sondern auch mal mit den Variationen des Granum Sinapis veredelt wissen möchte, ist hier genau richtig. Senf in seinen urigsten und verspieltesten Varianten und zu den unterschiedlichsten Gerichten serviert, dargeboten von der SILENCE-Crew.


Julian meint:

Okay, okay. Es ist wohl wieder mal an der Zeit, sich einer DER Grundsatzfragen unserer Szene zu stellen. Wie viel Kommerz steckt mittlerweile im Metal? Wenn alleine dieses Wort fällt, rollen sich bei vielen alteingesessenen Metalfans die Fußnägel auf. K-O-M-M-E-R-Z. Kaum eine Frage spaltet aber die Fangemeinde stärker. Natürlich wird das Thema auch in unserer Redaktion heiß diskutiert. Es gibt viele Aspekte, die uns alle von der Kommerzialisierung des Metals sprechen lassen. Doch es scheiden sich die Geister, was am Ende wirklich Kommerz ist.

Generell wird Kommerz als negativ behafteter Ausdruck verwendet. Es beschreibt das alleinige Interesse an einer möglichst großen Gewinnerzielung. Aha. Also haben wir jetzt schon mal eine kleine Vorstellung davon, was Kommerz überhaupt bedeutet. Aber was genau ist jetzt an Metal kommerziell?

IST WACKEN KOMMERZ?

Das erste, was mir dazu einfällt, ist das W:O:A. Wacken ist vor allem durch Schlamm, hohe Ticketpreise, eine Vielzahl an Bands und entsprechend viele Besucher bekannt. Sind das schon Anzeichen für den Kommerz, für ein gewinnorientiertes Arbeiten? Wohl eher weniger. Die hohen Ticketpreise resultieren vor allem aus den Kosten für die Infrastruktur und selbstverständlich auch den Band-Gagen. Das ist logisch, sobald man sich die ca. 80.000 Zuschauer und hunderte Bands anschaut. Es besteht auch die Gefahr, dass das Wacken Open Air ein Überangebot an Bands anbietet. Aber besteht in der Vielzahl der Bands nicht auch ein Reiz für die Fans? Auf jeden Fall! Sonst würden sich ja nicht so viele Menschen vor die Bühnen auf einem matschigen Acker stellen.

Selbstverständlich ist Wacken mit seiner Reichweite eine beliebte Bühne für die Größen der Szene, eine extrem aufwendige Show zu zeigen. Filmaufnahmen und TV-/Internetübertragungen sind für die Headliner dort schon fast Standard. Im Gegensatz zu Aufnahmen anderer Großveranstaltungen sind diese Live-Aufnahmen aber frei empfänglich. Es geht also auch ohne Sky-Abo. Gleichzeitig sollte man die Bedeutung einer solchen Festivalgröße für kleine, unbekannte Bands beachten. Gelingt dort mit einem sehr guten Gig der Durchbruch, kann das wegweisend für jede Band sein. Für eben diese „Nachwuchsförderung“ ist das Festival ebenfalls bekannt. In Wacken findet also eines der größten Metal-Festivals der Welt und das größte in Deutschland statt. Aber das ist nur eines von vielen. Was ist mit den ganzen kleineren, lokalen Veranstaltungen? Dort sind die Verantwortlichen froh, wenn sie die Kosten decken können und nicht noch draufzahlen! Denn das ist die Realität. Festivals sind nicht gewinnorientiert. Bei 90 Prozent aller Veranstaltungen geht es nur ums nackte Überleben.

BAND-MERCH BEI H&M

Als nächstes wäre da die Merchandising-Maschine. Wer kauft sich denn nicht ein aktuelles Tourshirt seiner Lieblingsband am Stand während der Veranstaltung? Doch muss es wirklich sein, Bandshirts in allen möglichen Online-Shops wie Amazon, EMP, etc. anzubieten? Noch dazu finden sich Klamotten von IRON MAIDEN, METALLICA, MOTÖRHEAD usw. in jedem H&M. Das ist für mich ein klarer Fall von Kommerzialisierung. Die größten und bekanntesten Bands nutzen ihre Popularität und schließen Verträge mit Partnern ab, die wiederum anderen Vertragspartnern die Vertriebsrechte übertragen. So passiert es, dass z.B. ein zwölfjähriges Kind, das womöglich noch keine Ahnung von der Materie hat, in einem SLAYER-Shirt über die Straße läuft. Bandmerchandise wird praktisch Hipster-Mode. Tja, das ist eigentlich nicht Sinn der Sache. Man sollte Shirts, CDs und anderes kaufen, um zu zeigen, dass man die Arbeit der Künstler schätzt.

Es ist fragwürdig, ob die großen Bands diese Promotion-Maschine so extrem nutzen sollten.

Vielleicht fällt ja schon nach diesen beiden Beispielen auf, dass Kommerz und Erfolg ganz nah beieinander sind. Die Kommerzialisierungsvorwürfe beziehen sich lediglich auf die größten und bekanntesten Veranstaltungen und Künstler. Sollte man also nicht besser von einer Art „Obrigkeit“ sprechen, die ihren Erfolg und ihre Bekanntheit nutzt, um weitere Wege zu erschließen, ihre Marke noch besser zu promoten? Vermutlich ist das der beste Weg mit dem Thema umzugehen. Die 10 oder 15 Prozent der Veranstaltungen und Bands, die diese Reichweite haben, haben sich diese hart erarbeitet. Irgendwas wurde also richtig gemacht. Trotzdem ist es fragwürdig, ob die großen Bands diese Promotion-Maschine so extrem nutzen sollten. Schließlich haben sich alle Künstler dazu entschlossen, diesen Musikstil zu spielen und zu leben, um eben nicht Teil der Konsumgesellschaft zu sein. Die Metalszene war von Anfang an etwas Rebellisches gegen die Standards und das sollte sie auch bleiben.

 


Du liest diesen Beitrag, weil unsere Autoren lieben, was sie tun - wenn du ihre Arbeit liebst, kannst du uns, wie andere schon, unterstützen. Wie? Mit einem kleinen monatlichen Beitrag über silence-magazin@patreon Patreon
Vorheriger Beitrag

10 Jahre Metal Keller - Die Szene in Potsdam lebt

Nächster Beitrag

ALAZKA - Warum Barney Stinson irrt

2 Kommentare

  1. SUMB1981
    29. September 2017 bei 12:52 — Antworten

    Kommerz, Kommerz, Kommerz…

    Ich finde diese ganzen Stammtischweisheiten immer so putzig. Da wird sich über Band XYZ aufgeregt, weil sie mittlerweile nur noch “Kommerz” seien. Die alten Alben, die hatten noch was!

    Das eine Band aber nur versucht mit ihrer Musik ihren Lebensunterhalt zu verdienen, vergessen diese Dauernörgler.
    Man erreicht eben wesentlich mehr Leute und hat eher Erfolg, wenn man dann halt “Kommerz” wird.
    So sieht es dann, wie in der Kolumne gut beschrieben auch mit Festivals aus. Überall stehen Menschen dahinter, die Ihren Lebensunterhalt verdienen möchten.
    Die einen schaffen das dann halt erfolgreicher als die anderen.

  2. minuslik
    14. September 2017 bei 22:48 — Antworten

    Ich muss sagen, dass ich diese ganze Kommerzialisierung bisweilen amüsiert verfolge (höhö, Motörhead-Dildos), wobei ich auch einige Schwierigkeiten habe, einen Rubikon zu ziehen.
    Iron-Maiden-Bier? Auf alle Fälle, wobei so was für mich eher ein Vehikel ist, um mal wieder was von einer Brauerei zu probieren, die ich noch nicht kenne. »Robisons Brewery«, den Namen merke ich mir, auch wenn die mit ihren 300 Pubs nicht gerade klein sein dürfte.
    Bandshirts bei H&M? Bitte nicht; man kann zwar deren Träger(innen) wunderbar bloßstellen (»hey, du magst Slayer?« – »wen?«), aber mehr als »was war das grade« dürfte bei denen nicht hängen bleiben.
    Richtig geldgierig sind für mich aber die Böhsen Onkelz mit ihrer Schmuckkollektion mit Schlüsselanhängern für 50 und Dogtags für 270€. Dazu fällt mir nix mehr ein.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.